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Adressbuch in der Kritik

17. Oktober 2013

AdressbuchEs ist gerade einmal eine Woche auf dem Markt und hat doch schon so viele Kritiker: Das neue Adressbuch der Stadt Waren scheint nicht überall auf Gegenliebe zu stoßen. „Unnötig“ und „Billiges Anzeigenheft“ sind da noch die harmlosen Beschreibungen, mit denen das Werk des Fellbacher Städte-Verlags gerade betitelt wird. Auch Bedenken in Sachen Datenschutz werden laut.

„Wie kann ein Einwohnermeldeamt sämtliche Namen der Einwohner inklusive Anschriften zur Veröffentlichung herausgeben. Ein Unding“, meint ein Warener in einer Mail an WsM. Er hat seinen Unmut auch schon in der Stadtverwaltung geäußert und dort zu hören bekommen, dass man im Vorfeld im „Warener Wochenblatt“ veröffentlicht habe, dass so ein Adressbuch erscheinen soll und jeder Einwohner gegen die Veröffentlichung seiner Daten widersprechen konnte. „Erstens, kann mich niemand zwingen so ein Amtsblatt zu lesen, zweitens bekomme ich das nur sehr unregelmäßig und drittens muss es ja wohl umgekehrt sein: Die Stadt hat zu fragen, wem sie welche Daten geben darf“, so der Müritzer, der selbst in einer Behörde arbeitet und seinen Namen deshalb nicht veröffentlicht wissen möchte. Hätte er rechtzeitig von der Absicht der Stadt, so ein Heft herauszugeben, erfahren – sein Name wäre in dem Büchlein nicht erschienen. So steht er da jetzt aber ‚drin. Unwiderruflich. „Die Versandfirmen und sonstige Händler werden sich freuen“, kommentiert er abschließend und findet die Diskussion, die man in Waren über Facebook und Datenschutz führt, in Anbetracht dieses Heftchens geradezu lächerlich.

Aber nicht alle Warener über 18 Jahren erscheinen im neuen Adressbuch. Wie eine Nachfrage von WsM in der Stadtverwaltung ergeben hat, erteilten 2366 Bürger eine „Auskunftssperre“, die auch die Nicht-Veröffentlichung der Anschrift beinhaltet. Entsprechende Formulare seien im „Warener Wochenblatt“ und auf der Homepage veröffentlicht worden.

Adressbücher sind nichts besonderes in Deutschland, aber es gibt inzwischen Städte, die die Veröffentlichung ihrer Einwohner ablehnen und die entsprechenden Daten nicht herausrücken. Und es gibt, wie derzeit in Waren, viele Kritiker, die den Nutzen in Frage stellen. Wie Bernd S. „Ich habe 4 Euro für das Ding ausgegeben und bekomme ein Buch, das nichts anderes enthält als das ‚Örtliche‘ der Telekom, das es umsonst gibt“, meint er am Telefon. Ein paar Angaben zur Geschichte der Stadt Waren, die auch woanders stehen, ein paar Unternehmen, die – wenn sie nicht bezahlt haben – ohne Rufnummer erscheinen und für Verbraucher somit nicht sonderlich hilfreich sind – und jede Menge Anzeigen. Ach ja, einen Stadtplan gibt es auch auch. Aber auch der ist vollkommen unspektakulär.

Hier das Formular, mit dem man gegen die Weitergabe seiner Daten widersprechen kann.

Formular


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