Anzeige
Anzeige

Chillen, spielen, backen: Warens Jugendliche lieben ihr „JOO“

9. Februar 2017

Nein, über zu wenig Gäste können sich die Mitarbeiter des Warener Jugendzentrums „JOO“ nicht beklagen. Schon am frühen Nachmittag ist das moderne Haus an der B 192 gut besucht. Und viele von den Kindern und Jugendlichen, die sich an diesem Nachmittag mit Freunden im Zentrum treffen, können die Kritik, die es in der Öffentlichkeit seit einigen Monaten hagelt, nicht verstehen. „Es ist toll hier“, meint beispielsweise Lea.
Zuletzt hatten Eltern in einem Brief an „Wir sind Müritzer“ die mangelnde Öffentlichkeitsarbeit des „JOO“ kritisiert (wir berichteten).

„Ja, dass wir noch keine eigene Homepage haben, ist nicht so günstig. Aber das wird bald kommen“, so Dietmar Henkel, in der Stadt Waren Amtsleiter für Soziales und damit auch zuständig für das „JOO“.  Auch die personellen Probleme der vergangenen Monate will er nicht unter den Tisch kehren. Doch sind die Mitarbeiter nicht gegangen, weil die Bedingungen so schlecht waren, sondern aus privaten Gründen, wie er erklärt. Neues, gut ausgebildetes Personal zu finden dagegen sei sehr schwer.

Derzeit beschäftigt die Stadt drei Mitarbeiter für das „JOO“ sowie mit Kenny einen „Bufdi“, der also über den Bundesfreiwilligendienst angestellt ist. Außerdem wurde gerade eine Krankheitsvertretung ausgeschrieben.

Reicht die Zahl von Mitarbeitern bei 150 jungen Besuchern täglich, in den Ferien sogar 180? „Ja, die Kinder und Jugendlichen sind ja nicht alle gleichzeitig hier, sondern über den Tag verteilt. Aber ehrlich gesagt hatten wir vor der Eröffnung nicht mit so einer großen Resonanz gerechnet“, gibt Dietmar Henkel zu.

Die hohe Besucherzahl liegt aber auch den mehr als 30 Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund, die beinahe täglich ins „JOO“ kommen. Sie chillen wie selbstverständlich neben den einheimischen Jugendlichen, spielen gemeinsam Tischtennis, hören Musik, backen und kochen zusammen. Probleme gab es bislang keine. „Auch wenn es sprachlich manchmal hapert, sie verständigen sich eben mit Händen und Füßen. Das klappt. Ausländerfeindlichkeit oder andere Konflikte kennen wir hier nicht“, so Silke Jablowski als kommissarische Leiterin des Jugendzentrums.

Die Kritik am Jugendzentrum hat vor allem die Mitarbeiter getroffen, aber auch die regelmäßigen Besucher, wie Lea. „Die machen hier echt sehr viel für uns und reißen sich den Ar… auf“, bekräftigt die junge Dame, die sich ganz offensichtlich wohl fühlt im „JOO“. Während sie mit ihren Freunden Musik hört, versucht sich „Bufdi“ Kenny nebenan mit ein paar Jugendlichen an tollen Fotos, die später an der Wand erscheinen sollen. Einen Raum weiter fliegen Tischtennisbälle durch den Raum, Billardkugeln rollen und die Kakao-Maschine läuft fast ununterbrochen.

Die Rechner im Computerraum sind während der gesamten Öffnungszeit besetzt. Hier dürfen die Mädchen und Jungen spielen, haben aber auch Zugriff aufs Internet. Kontrolliert natürlich.

Ein Wucht ist die Küche. Von so einer Ausstattung träumen sicher viele. Und sie wird auch genutzt. Häufig zum Backen und regelmäßig für Kochkurse. Für die Zutaten sorgt die „Warener Tafel“. Gegessen wird dann natürlich auch gemeinsam.

Eine Etage höher sinkt der Geräuschpegel etwas. Im Radio-Studio ist nur an bestimmten Tagen etwas los, und der Fernseher nebenan, genutzt zum Wii-Spielen, hat wohl irgendein Wurfgeschoss nicht vertragen und muss ersetzt werden. Eine Tür weiter zwei nette Mädchen, die einen großen Raum mit Musikanlage und Riesen-Spiegel für sich allein haben und das offensichtlich auch genießen.

Wieder unten angekommen ist die „Hütte“ noch voller geworden. Die Kleineren machen sich früher auf den Weg nach Hause, die „Großen“ dürfen bis 20 Uhr bleiben und nutzen das auch gerne aus.

Was ihnen nicht am „JOO“ gefällt. „Die passen hier so auf, dass wir vor der Tür nicht rauchen. Das nervt“, meint René (Name v. d. Red. geändert). Das hat seinen Grund, denn vor allem die NPD und ihre Kameraden echauffierten sich in der Vergangenheit über Jugendliche mit Zigaretten vor dem Zentrum.

Verbieten bringt natürlich gar nichts. Jeder, der sich an seine Jugend erinnert, weiß das. Und so wird nach dem Winter ein Raucherpavillon entstehen, auch wenn die Mitarbeiter des „JOO“ immer wieder versuchen, die Mädchen und Jungen vom Nichtrauchen zu überzeugen.

Überzeugen müssen sie „ihr Publikum“ vom Jugendzentrum nicht. Das ist beliebt, wenn auch nicht jeder Kurs „überlebt“. „Wenn Dinge, die wir anbieten – es gibt natürlich ein umfangreiches Konzept – nicht angenommen werden, lassen wir sie auch. Wir richten uns nach den Bedürfnissen der jungen Leute und da muss man auch ein bisschen probieren“, so Dietmar Henkel.

Als nächstes „probieren“ die Mitarbeiter und ihre jungen Fans auf jeden Fall, wie sie die Öffentlichkeitsarbeit verbessern. Gemeinsam.


12 Antworten zu “Chillen, spielen, backen: Warens Jugendliche lieben ihr „JOO“”

  1. Hermann sagt:

    Da ich ein Mensch bin, der gerne beide Meinungen hört, habe ich mich überwunden und bei der NPD in Waren angerufen. Frau Zutt die ja nunmal die Partei hier vor Ort vertritt, hat sich auch meinen Fragen gestellt. Sicherlich konnte ich sie nicht nach meiner Meinung falschen Politik überzeugen die sie vertritt, doch leider muss ich ihr was das Thema Rauchen angeht Recht geben.: Die NPD kritisiert nur, das Jugendliche die das Alter von 18 Jahren noch nicht erreicht haben außen vor dem „Joo“ rauchen. Dies ist von dem Gesetzgeber verboten. Da die Mitarbeiter des „Joo“ eine Aufsichtspflicht haben, müssen sie dafür sorgen das, dass Jugendschutzgesetz eingehalten wird. Wenn die Jugendlichen zu Hause rauchen ist das Sache der Eltern. Warum müssen denn Jugendliche im “ Edeka,Netto u.s.w ihre Ausweise vorzeigen wenn sie Zigaretten oder Alkohol kaufen, denn doch nur weil der Gesetzgeber es so vorgibt und wird der Mitarbeiter dabei erwischt das er trotz dem Verbot Alkohol verkäuft ,ist das ein Entlassungsgrund. Die NPD will nur so die Aussage von Frau Zutt das, dass Jugendschutzgesetz eingehalten wird. Hierzu stellt sich für mich natürlich jetzt eine gravierende Frage: Was würde passieren, wenn Eltern am „Joo“ vorbei gehen und ihr Kind was noch keine 18 Jahre ist dort in der Öffentlichkeit rauchen sehen und dann Frau Jablowski anzeigen weil sie das Jugendschutzgesetz mißachtet hat ?

    • Erst einmal: Hut ab, dass Sie bei Frau Zutt angerufen haben. Und ja, Sie haben Recht, was das Jugendschutzgesetz angeht. Doch mal ehrlich: Jugendliche interessiert das kaum. Das ist nicht erst heute so, sondern war auch zu meiner Jugendzeit so. Wir haben auch geraucht, als wir es noch nicht durften, haben uns allerdings nicht direkt an die Straße gestellt, sondern auf dem Mühlenberg hinterm Baum versteckt. Im „JOO“ und auf dem Grundstück ist das Rauchen verboten. Was machen, die Jugendlichen, vor allem die 16 und 17 Jahre alten? Sie verlassen das Grundstück ein paar Meter und rauchen dort. Momentan bevorzugt im Fahrradunterstand der Stadtverwaltung. Da können die Mitarbeiter des „JOO“ noch so viel meckern. Übrigens gibt es sogar Eltern, die ihren jugendlichen Kindern Zigaretten auf Zuteilung mitgeben. Jede Initiative gegen das Rauchen ist super und sollte unterstützt werden, aber wenn sich ausgerechnet die NPD als Retter der Warener Jugendlichen aufspielt und die selbst ernannte Bürgerwehr mit Kippe im Mund „Streife“ läuft, macht das nicht den Eindruck, als wenn es wirklich um die Sache geht.

      • Hermann sagt:

        Verehrte Frau Rußbüldt -Gest. Sicherlich haben wir früher auch geraucht und wie mir Frau Zutt mitgeteilt hat, hat sie selbst auch geraucht . Ich habe Frau Zutt so verstanden das es Ihr nicht um die Tatsache Rauchen an sich geht , sondern nur darum das die Angestellten der Stadt die Gesetze beachten.

  2. Wolfram Goetze sagt:

    Der Kommentar von Lea zeigt, dass sie genau alles das super annimmt, was das Haus gerade bietet. Hm. Aus meiner Sicht ist das Problem nicht, dass das Joo nicht angenommen würde. Weil das Haus Hals-über-Kopf ohne vorheriges Konzept gebaut wurde, hat man es auf Jost Reinholds Kosten bestens ausgestattet und damit angefangen, das anzubieten, was Kinder + Jugendliche sowieso gern tun: Fasching, Weihnachtsfeier, Disco, chillen, spielen, rumrennen, backen. Waren alle heilfroh, Herrn Reinhold Erfolg melden zu können! Das wird bestimmt noch besser, wenn die Raucher nicht im Regen stehen müssen. Ich empfehle daher gleich die Beheizung einer Raucherlounge. Bitte noch mal Nachdenken!

    Nun ist schön, dass sich die Jugendlichen nicht in der Gosse rumtreiben und vielleicht in negative Entwicklungen geraten, weil sie hier unter Aufsicht stehen. Dazu kommt, dass das Haus gut von den Flüchtlingskindern angenommen wird und sie gemeinsam mit Einheimischen spielen, backen, chillen. Wie kann es bessere Integrationsmöglichkeiten geben?

    Die Stadt sollte sich nicht auf dem mit fremdem Engagement Erreichten ausruhen. Was dem Haus aus meiner Sicht fehlt, ist ein gewisses Niveau der Angebote. Das pausenlose Remmidemmi macht konzentrierte Arbeit in Gruppen unmöglich. Wie wären Ausstellungen, Projektarbeit, Bastel- oder Experimentierstraßen, Basare für den guten Zweck? Oder Diavorträge über die Heimat der Geflüchteten, interkulturelle Musikabende, Reparaturhilfe bei Fahrrädern und anderen Dingen? Dazu müsste aber etwas Struktur geschaffen werden. Hier sollte man ansetzen, ohne das Erreichte in Frage zu stellen. Wenn klar ist, wer zu was ins Haus kommt und wenn er vom Angebot gefesselt ist, steht er nicht qualmend vor der Tür oder rennt schreiend durchs Haus.

  3. k.frind sagt:

    So wie ich das sehe,handelt es sich hierbei um ein Jugendzentrum und nicht um ein Seniorenheim. Projekttage,Diavorträge,Geschichte sind ja alles gut und schön.Damit werden die Jugendlichen aber schon in der Schule gequält. In einem Jugendzentrum sollten die Jugendlichen entscheiden womit sie ihre Freizeit gestalten um vom Tag abzuschalten und nicht das tun müssen was Erwachsene gerne hätten. Wenn eine Jugendliche schreibt das sie sich im Zentrum wohlfühlen dann sollte man es dabei belassen. Die Jugendlichen werden sicherlich bald das Jugendschutzgesetz einhalten und so wie wir früher auch sich von älteren Kumpels die Zigaretten besorgen lassen und dann brav um die Ecke gehen um eine zu rauchen.

  4. Silke Jablowski sagt:

    Danke K. Frindt für die wahren Worte. Du kennst dich aus in diesem Bereich. Du sprichst aus Erfahrung.

  5. Uwe Endrich sagt:

    Hier wird mit Kanonenkugeln auf Spatzen geschossen… Jeder Jugendliche weiß, dass Rauchen ungesund ist und trotzdem wird geraucht. Jeder Autofahrer weiß, dass er bei Gelb/Rot an der Ampel anhalten muss…. Wann haben wir es missachtet? Verbieten schafft nur Anreize zum Rauchen. Systemisch betrachtet ist viel mehr die Frage, was brauchen die Kids um weniger zum Glimmstengel zu greifen. Was wird durch das „nuckeln“ an der Zigarette befriedigt und welchen Ersatz braucht er dafür. Je, Ihr macht eine geile Arbeit, weiter so… Wenn Rauchen das einzige Problem im Joo ist, dann finde ich es als nicht weiter schlimm. Wichtig ist, dass die Kids zu Euch Vertrauen habt, dass Si mit Ihren Gesprächsthemen auf Euch zugehen, Ihnen Zeit und Raum gebt zur Persönlichkeitsentfaltung. Biete Interessante Angebote, die von den Jugendliche mit Spaß angenommen werden, an. Viel Freude bei Eurer richtigen Arbeit.

  6. Hermann sagt:

    Schade, auch Frau Jablowski hat nicht verstanden worum es geht und gerade sie hätte es wissen müssen. Leider, leider muss ich jetzt Frau Zutt in Bezug auf die Un-Kompetenz des Personals Recht geben, auch das sie weiter ein Auge auf das „Joo“ hat, es fällt mir schwer aber es ist so. Auch die Einstellung von k.frind kann ich nicht nachvollziehen, aber muss ich ja auch nicht.

    • jens 66 sagt:

      Hermann, hast du keine anderen Sorgen ?!? Wenn vor dem Rathaus ein Jugendlicher raucht, willst du Frau Zutt holen, damit sie den Bürgermeister maßregelt, oder wenn es ein Jugentlicher vor einem öffentlichen Klo tut, die Klofrau bestrafen ?!? Das JOO und Frau Jablowski haben bestimmt nicht die alleinige Aufgabe Jugendliche vom Rauchen abzuhalten, die Verantwortung liegt in der Hauptsache bei den Eltern und den Jugendlichen selbst.
      Den Gedanken einen Raucherpavillon zu errichten halte ich für grenzwertig und lehne so einen Plan ab, dafür brauche ich aber keine Frau Zutt.

  7. Lea sagt:

    Alle Kommentare sind echt Gut, und sagen auch teils die Wahrheit. Das Thema mit dem Rauchen, bei einigen ist es so, das sie rauchen damit sie „cool“ wirken und andere weil sie es einfach brauchen. Uns wurde schon so oft gesagt das wir nicht auf dem Grundstück vom „Joo“ Rauchen sollen, hat sich da aber je einer dran gehalten? Nein (Naja, teils). Viele die dann am „Joo“ Rauchen sind 18 und die, die unter 18 sind gehen die paar Meter zum Parkdach oder zu den Fahrrad Ständer. Um es kurz zu sagen den Jugendlichen ist es egal ob sie unter 18 sind, Hauptsache sie können rauchen und wenn wir darauf aufmerksam gemacht werden das wir hier nicht rauchen sollen, schmeißen wir die Kippen weg und schmeißen die nächste an, den ist es egal ob sie Ärger bekommen oder nicht.

  8. k.frind sagt:

    Herr/Frau Hermann.Wer sagt denn das Frau Jablowski es nicht verstanden hat worum es hier gerade geht? Also ich habe nichts davon mitbekommen das die Leute vom Joo es super finden das vor dem Haus geraucht wird. Ich dencke schon das die Jugendlichen so clever sein werden und ein paar Meter weiter gehen werden zum rauchen,damit wieder Ruhe einkehrt. Ich finde es gut das sie sich so tatkräftig für die Umsetzung der Jugendschutzgesetze einsetzen. Da hätte ich noch eine Frage zu. Versuchen sie die Gesetze nur beim ,,Joo“ umzusetzen? Oder rufen sie z.b. auch beim Gesundheitsministerium an,weil meinetwegen die Schultaschen der Kinder deutlich zu schwer sind. Ich finde es toll wenn jemand sich für das Wohl der Kinder einsetzt denn darum geht es ihnen doch.Oder?

  9. Silke Jablowski sagt:

    Sehr geehrter Herr Hermann, bitte zweifeln Sie nicht an der Kompetenz der Mitarbeiter oder an der meinigen. Glauben Sie mir, alle, aber auch alle Mitarbeiter sind sehr aktiv und engagiert in ihrer Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen und natürlich achten wir in unserer Arbeit auf die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes. Schließlich hängt es auch für jeden sichtbar im Jugendzentrum „JOO!“ aus. Und glauben Sie mir, wir kennen es. Natürlich machen wir Kontrollen im Rahmen unserer Möglichkeiten. Bei 150 Kindern und Jugendlichen am Tag ist es aber nicht immer möglich permanent im Außenbereich Kontrollen durchzuführen. Da müssen Stippvisiten in regelmäßigen Abständen ausreichen. Wir haben schon viel bewirkt. Die volljährigen Jugendlichen achten darauf, dass die jüngeren Jugendlichen nicht rauchen. Also bitte erzählen Sie hier nicht, dass es an mangelnder Kompetenz und Fachlichkeit liegt. Schauen sie vorbei, machen sich ein Bild von der Situation und sprechen Sie einfach mit uns. Ich denke, das ist die beste Variante, bevor Sie als Aussenstehender voreilige Schlüsse ziehen. Ich kenne Sie nicht und Sie mich nicht. Ich bin gerne bereit, ein fachspezifisches Gespräch mit Ihnen zu führen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*