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Dem Morgenrot entgegen: Alten- und Pflegeheim nutzt DDR-Erinnerungen für Anti-Demenz-Projekt

4. Dezember 2017

Warum eigentlich nicht? Ein Seniorenheim in Teterow wenige Kilometer nördlich von der Müritz macht derzeit mit einem besonderen Projekt Schlagzeilen. Die Mitarbeiter haben gemerkt, dass viele der betagten Bewohner sich noch sehr gut an die Ereignisse in der DDR erinnern können und daraus ein Projekt „gebastelt“.

Dabei wird ein „Museumstag“ ganz speziell der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik, ihren Liedern und Ereignissen, gewidmet, um gegen leichte Demenz vorzugehen. Bei dieser „biografiebezogenen Erinnerungsarbeit“, wie Therapeutin Carmen Renzel sagte, sitzen zwischen 10 und 20 Senioren an Tischen, die wie bei einem Betriebsfest gedeckt sind. Die Teilnehmer sind – meist mehr Frauen als Männer – zwischen Ende 60 und Mitte 90 Jahre alt und wollen mit Gesprächen, Liedern und Aktivsein gegen ihre beginnende Demenz vorgehen.

„Als wir die vielen Erinnerungen hörten, da haben wir gedacht, daraus machen wir ein Projekt“, erzählt die noch junge Therapeutin Renzel. Los ging es im November mit dem 60-jährigen Jubiläum der ersten Trabant-Fertigung in Zwickau. Viele Männer erzählten ihre Trabant-Geschichten, von der langen Wartezeit bis zu besonderen Fahrten, Ersatzteilgeschichten und vieles mehr. Manche blühten regelrecht auf.

Dann brachten die DRK-Mitarbeiter alles mit, was zu Hause noch an die DDR erinnert. Das reicht von Radios, Schallplatten von Herricht und Preil, Schlager, Peter Wieland, Karat bis zu John Lennon und anderen Lizenzalben, Pioniertücher, FDJ-Blusen unterschiedlichste Küchengeräte, Bücher, viele Abzeichen und andere Erinnerungsstücke. Auch DDR-Fahnen werden aufgehängt, um ein Flair von damals zu entwickeln.

Auch „Auferstanden aus Ruinen“

Dann setzen sich vier bis fünf Betreuerinnen dazwischen und schon geht es los. Fragen wie: Was war ein Haushaltstag?, Wie viel Urlaub gab es damals?, Gab es Kindergärten? Wie kam man überhaupt in die Stadt? und Wie stellte man es an, um an viele Sachen – auch Bückware genannt – zu kommen, die es nur selten gab?

Schon geraten die betagten Gedächtnisse ins Arbeiten, Gespräche flammen auf, Erinnerungen werden wach…. und schließlich werden auch Lieder angestimmt, die damals in Schule und Freizeit gesungen wurden. Auch mal „Auferstanden aus Ruinen“, wenn die Senioren es wollen, heißt es. Schließlich hieß es da in der DDR-Hymne ja schon „Deutschland einig Vaterland“, so dass der Text am Ende  in der DDR gar nicht mehr so gesungen werden durfte.

Das alles dient der Erinnerung und soll etwa drei bis viermal im Jahr stattfinden, immer unter einem anderen Sachthema, erläutert der Leiter des Seniorenheimes Ronald Hinkelmann. Die Resonanz aus anderen Heimen und von Fachleuten sei – nach anfänglichen Irritationen, nach denen klargestellt wurde, dass das keine poltische Veranstaltung sein soll  – inzwischen sehr positiv.


6 Antworten zu “Dem Morgenrot entgegen: Alten- und Pflegeheim nutzt DDR-Erinnerungen für Anti-Demenz-Projekt”

  1. Wiebach,Eberhard sagt:

    Diese Initiative finde ich gut,weil sie Menschen hilft.
    Menschen,welche dieses Land unter vielen Entbehrungen aufgebaut haben.
    Es geht hierbei nicht um Chlorifizierung eines ehemaligen deutschen Staates,sondern um Erinnerungen,Erfahrungen und Austausch derselben.

  2. di geier sagt:

    aber ich, di geier 57j. aus porsdam, als 4x politischer gefangener in der ddr, finde nostalgie ja, verherrlichung nein❗also keine kampf und hoch lieder auf den kommunismus❗der immer noch die welt in kim yong un bedroht❗nie wieder kommunismus und nationalismus❗
    ich bin weder rechts noch links, ich bin pirat 🇩🇪✌️☮️

    • NITSCH sagt:

      Der die. Geier , auf seine Nostalgie könnte ich verzichten . Er hat garantiert keinen Anspruch auf eine Mitwirkung verdient . Hat aus der Geschichte nichts in den Jahren nach 1990 gelernt . DEMENZ zu weit ausgeprägt .

    • Exel sagt:

      Lieber di geier, falls porsdam im deutschsprachigen Raum liegt, dann sei dir gesagt, dass es Groß-und Kleinschreibung gibt. Außerdem zähle doch mal durch, wie viele Kriege ( Bedrohungen der Welt) in den letzten 100 Jahren, von wem ausgingen!
      Du wirst staunen; wer da führt.

  3. NITSCH sagt:

    Ich finde es gut und würde mich bei der Gestaltung nicht ausschließen . Wenn ich einmal so ein “ Plätzchen “ bekomme , bin aber erst 80 , werde ich mich dem Kollektiv , der Brigade , dem Lernaktiv oder Schulungsgruppe anschließen .

  4. Meckipommi sagt:

    Ich betreue hauptberuflich auch demente Menschen. Auch ich nutze „Erinnerungsstücke“, die ich bei einer Internetplatform ersteigert habe, um Erinnerungen zu wecken. Solche Gegenstände besitze ich mehrfach. Die Resonanz der Betreuten ist äußerst positiv.

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