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Die Eiche ist in MV nach wie vor das Sorgenkind

14. März 2017

Der Gesundheitszustand der Wälder in Mecklenburg-Vorpommern ist stabil geblieben. Der Anteil von Bäumen mit deutlichen Schäden, das heißt, mit mehr als 25 Prozent Nadel- oder Blattverlust, liegt bei rund 15Prozent und damit nur knapp über dem Niveau des Jahres 2015 (14,0 %). Dieses Resümee zog Landwirtschaftsminister Till Backhaus heute bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts 2016 im Rahmen der Landespressekonferenz in Schwerin.

Die Kiefer ist mit einem Flächenanteil am Gesamtwald von 38 Prozent die mit Abstand häufigste Baumart in unserem Land und sie beeinflusst somit ganz wesentlich das Ergebnis der Waldzustandserhebung. Ihr mittlerer Nadelverlust beträgt wie im Jahr 2015 rd. 18 Prozent. Sie erweist sich speziell mit Blick auf klimatische Einflüsse als besonders robust, auch wurde sie 2016 kaum von Schädlingen befallen.

Auch bei der Fichte beträgt der Nadelverlust im Mittel 18  Prozent(2015 ebenfalls 18 %). Die Situation bei den sonstigen Nadelbaumarten (Lärche, Douglasie, Tanne u. a.) hat sich im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert. Der mittlere Nadelverlust beträgt im Jahr 2016 13 Prozent (im Jahr 2015 waren es 15%).

„Unser Sorgenkind ist nach wie vor die Eiche“, so Backhaus. Der mittlere Blattverlust liegt aktuell bei 21 Prozent und hat sich im Vergleich zu 2015 noch geringfügig erhöht (2015 = 20%). Die Eiche ist somit weiterhin die am stärksten gefährdete Hauptbaumart – und das bundesweit. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Witterungsbedingte Stresssituationen verknüpft mit Fraßschäden von Schmetterlingsraupen und Pilzbefall.

Die Buche ist die wichtigste Laubbaumart in M-V und wird seit Jahren in Verbindung mit Waldumbaumaßnahmen besonders gefördert. Ihr Belaubungszustand hat sich leicht verschlechtert. Der mittlere Blattverlust ist von 15 % im Jahr 2015 ist auf 17 % im Jahr 2016 angestiegen. Der Grund: „Die Vitalität der Buche wurde im vergangenen Jahr maßgeblich von einer stärkeren Bucheckern-Mast bestimmt, die ihr viel Energie raubt. Erfahrungsgemäß erholt sie sich davon in den Folgejahren rasch“, sagte der Minister.

Die Esche leidet seit einigen Jahren sehr unter dem sogenannten Eschentriebsterben. Verursacher ist ein Schlauchpilz, der Anfang der 90iger Jahre aus Asien nach Polen eingeschleppt wurde. „Wir haben das Eschentriebsterben erstmals im Jahr 2002 bei uns bewusst wahrgenommen. Es starben mit Schwerpunkt in Vorpommern innerhalb kurzer Zeit zunächst junge Eschenkulturen und auch Naturverjüngen ab. Wenig später zeigten auch ältere Eschenbestände Schadsymptome, wie insbesondere Blattwelke und absterbende Kronen“, erinnerte Backhaus.

Klimawandel ist größte Gefahr

Es wurden mehrere Schadensanalysen durchgeführt mit dem Ergebnis, dass heute praktisch alle Eschenbestände vom Pilz befallen sind. Auf über der Hälfte ihrer Anbaufläche ist die Esche bereits abgestorben. Die genaue Beobachtung der geschädigten Bestände hat aber auch erkennen lassen, dass einige wenige Bäume (ca. 1 % der Stammzahl) keine oder nur geringe Symptome des Eschentriebsterbens zeigen. „Wir haben deshalb eine Initiative zur Rettung der Esche ergriffen, in dem wir mit Unterstützung aus Bundesmitteln bei uns im Land eine Samenplantage zur Erzeugung von resistentem Eschen-Saatgut aufbauen.“

Bei den sonstigen Laubbäumen (Erle, Birke, u. a.) zeigte sich der Kronenzustand gegenüber dem Vorjahr unverändert. Der mittlere Blattverlust beträgt 18 Prozent und entspricht damit dem Ergebnis von 2015.

„Die wohl größte Gefahr für unsere Wälder insgesamt stellt der Klimawandel dar. Deshalb ist die Waldanpassung an den Klimawandel für uns ein Thema von zentraler Bedeutung. Auch wenn es noch Kenntnislücken über Ausmaß und Tempo des Klimawandels gibt, wäre es unverantwortlich, wenn wir dieses Thema nicht sehr ernst nehmen würden“, betonte der Minister.Näheres zu den Ergebnissen der Waldzustandserhebung ist dem Waldzustandsbericht 2016 zu entnehmen. Dieser steht auf der Homepage des Ministeriums als PDF-Datei zum Download als auch unter www.wald-mv.de bereit.

Der Waldzustand wird in Mecklenburg-Vorpommern seit 1992 jährlich nach einer bundesweit abgestimmten Stichprobeninventur auf einem permanenten systematischen Netz erhoben. Die sogenannte Waldzustandserhebung ist das wesentliche Instrument zur Erfassung des Vitalitätszustandes der Wälder.

Dabei dient der Kronenzustand als Weiser für den Gesundheitszustand des Waldes. Die Kronenverlichtung zeigt an, wieviel Prozent der Nadeln bzw. Blätter im Vergleich zu einer vollbenadelten/-belaubten Baumkrone fehlen. Sie wird in mehreren Stufen ermittelt. Die Schadstufen 2, 3 und 4 werden der Kategorie „deutliche Kronenverlichtungen“ zugeordnet. Das entspricht einer Kronenverlichtung von mehr als 25 %. Schadstufe 1 mit Kronenverlichtungen zwischen 11-25 % gilt als Warnstufe. Schadstufe 0 umfasst alle Bäume mit bis zu 10 % Kronenverlichtung. Die mittlere Kronenverlichtung ist der Mittelwert aller untersuchten Bäume.


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