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Ein Chirurg und „sein“ Krankenhaus

6. Oktober 2014

Unfallchirurgie100 Jahre Krankenhaus Waren: Heute stellen wir den dienstältesten Arzt des Klinikums vor: Der Oberarzt der Klinik für Chirurgie und leitende Unfallchirurg Dr. Karl Schulze arbeitet seit 35 Jahren am Warener Krankenhaus. Der gebürtige Rathenower studierte an der Berliner Charité, der Liebe wegen zog es ihn nach Waren. Wir sprachen mit dem 62-Jährigen über seine persönliche Entwicklungsgeschichte sowie über die Entwicklungen des Warener Krankenhauses.

Herr Dr. Schulze, erinnern sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag am damaligen Kreiskrankenhaus-Kreispoliklinik Waren?

Ich erinnere mich sehr gut an meinen ersten eigenständigen Dienst im Krankenhaus. Diesen absolvierte ich sechs Wochen nach meinem ersten Arbeitstag. Zuständig war ich in der Nacht für die gesamte Chirurgie, Innere Medizin, die Notaufnahme und ich hatte den Notarztwagen zu besetzen. Das heißt, es kam schon vor, dass man längere Zeit über Land unterwegs war. Natürlich gab es auch damals schon einen chirurgischen Hintergrunddienst, der dann ins Krankenhaus geholt wurde.

OA Dr Karl SchulzeWelche Entwicklungsschritte haben Sie im Warener Krankenhaus durchlaufen?

Ich habe meinen  beruflichen Werdegang als Arzt vorwiegend  in Waren verbracht. 1978 absolvierte ich im Rahmen meines Medizinstudiums mein praktisches Ausbildungsjahr in Waren. Nach meinem Studium und meiner Approbation begann ich 1979 meine Facharztausbildung zum Chirurgen unter dem damaligen Chefarzt Dr. Hagen und dem leitenden Oberarzt Dr. Schmidt, die ich 1983 abschloss. Ich promovierte 1982 und  absolvierte 1997  meine Subspezialisierung im Bereich der Unfallchirurgie. Seit 2006 bin ich Leiter der Abteilung Unfallchirurgie und Durchgangsarzt am Krankenhaus. Das heißt, alle Patienten mit Arbeitsunfällen, Schulunfällen und Unfällen im Kindergarten können bei uns behandelt werden. Zusätzlich sind wir von den Berufsgenossenschaften zur Versorgung von Arbeitsunfällen mit Schwerverletzten zugelassen.

Wollten Sie nie in einem anderen Krankenhaus arbeiten?

Eigentlich hat es mich nie woanders hingezogen. In unserer Klinik herrschte immer ein besonderes Gemeinschaftsgefühl über alle Berufsgruppen hinweg. Während der DDR-Zeit hatte ich zwar den Wunsch, einmal im Ausland zu arbeiten, aber meine Anträge wurden immer abgelehnt. 1989/1990 konnte  ich völlig unerwartet  als Schiffsarzt für vier Monate im Atlantischen Ozean von Afrika bis zu den Falklandinseln arbeiten.

Können Sie anhand bestimmter Ausstattungsmerkmale oder –gegenstände die Zeit damals mit der heutigen vergleichen?

Während und vor allem zum Ende der DDR-Zeit herrschte eine zunehmende Mangelwirtschaft, die von uns Ärzten sehr viel Improvisation, Stichwort „Neuererwesen“, erforderte, um eine anständige Patientenversorgung aufrecht zu erhalten.

Als Neuerer hatten wir gemeinsam mit den Handwerkern des Krankenhauses ein Zielgerät für das Einbringen von Nägeln zur Versorgung von Unter- und Oberschenkelbrüchen entwickelt. Das Gerät wurde sehr oft von uns verwendet, hatte jedoch einen Nachteil:  Da es nicht aus Edelstahl war (gab es  nicht) und sterilisiert werden mußte, rostete es bald.

Heutzutage ist dies glücklicherweise nicht mehr der Fall und man erhält alles. Was nicht selbst gekauft wird, kann geliehen werden.

Hebebühne mit SchwesterWelche Arbeitsbedingungen, die Sie damals vorfanden, können Sie sich heute gar nicht mehr vorstellen?

In besonderer Erinnerung ist mir die Hebebühne im alten Krankenhausgebäude auf Station 10, der Unfallchirurgie. Unglaublich, aber wahr, wir mussten damals unsere nicht gehfähigen Patienten über diese Hebebühne zum Beispiel zum Röntgen oder in den OP fahren. Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei.

Welche Erlebnisse und welche Menschen der letzten 35 Jahre waren besonders prägend für Sie?

Meine Station über 35 Jahre war und ist die Unfallchirurgie mit  ihren Schwestern, denen ich meinen besonderen Dank ausspreche.

Aus ärztlicher Sicht waren besonders prägend meine chirurgischen Lehrer Chefarzt Dr. Schmidt und Chefarzt Dr. Siggelkow, aber vor allem  mein engster Mitarbeiter Oberarzt Claus-Dieter Cleemann, mit dem ich bereits seit 34 Jahren zusammenarbeite. Nicht zu vergessen sind die beiden Anästhesisten Oberarzt Helmut Drephal und Oberärztin Sigrun Schulz. Und auf privater Ebene selbstverständlich meine Frau Karin, die mir in all den Jahren immer den Rücken freigehalten hat.

MÜR_Cleemann und SchulzeWelche Erlebnisse zählen zu den schlimmsten, welche zu den schönsten?

Für einen Arzt ist es immer schlimm, einem Patienten nicht helfen zu können, besonders schlimm ist dies, wenn der Patient ein Kind ist und da gab es in der Vergangenheit einen Jungen, den ich mehrfach operiert habe, dessen Verletzungen jedoch so schwerwiegend waren, dass ich sein Leben nicht retten konnte.  Das ging mir sehr nah und war die schlimmste Erfahrung.

Zu den schönsten Erlebnissen zählen unter anderem die Begegnungen außerhalb des Krankenhauses, wie vor wenigen Wochen an einer Tankstelle, wo sich ein Patient, den ich vor vielen Jahren operiert hatte, für die Behandlung bedankte.

Können Sie schätzen, wie viele Patienten Sie in Ihren 35 Jahren am Warener Krankenhaus behandelt haben?

In den 35 Jahren waren es weit über 100 000 Patientinnen und Patienten.

Wie schätzen Sie die medizinische Ausstattung Ihrer Station heute ein?

Auf der Station 7 verfügen wir über eine sehr gute Ausstattung mit neuen Patientenbetten, einer modernen Patientenrufanlage und im letzten Jahr wurden in weiteren vier Patientenzimmern  sanitäre Anlagen eingebaut.

Was wünschen Sie dem Müritz-Klinikum zum Geburtstag?

Der 100-jährigen Dame Krankenhaus Waren wünsche ich:

1) ein langes Leben (nicht selbstverständlich)

2) zufriedene Patienten, die sich lobend über unsere Arbeit äußern

3) den weiterhin engen Zusammenhalt und das Teamwork, das hier in Waren schon immer besonders war.

Teambild Chirurgie _Ausschnitt


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