Eine tiefe Stille, die glücklich macht

12. Oktober 2014

R3Loslassen. Zur Ruhe kommen. Kein Handy, kein Fernseher, keine Zeitung. Sich einfach nur um sich selbst kümmern. Viele Menschen würden gerne einmal ausbrechen aus ihrem Alltag, alles hinter sich lassen, nachdenken. Der Warener Pastor Leif Rother hat es getan. Nach 22 Jahren im Dienst nahm sich der 50-Jährige in diesem Sommer eine dreimonatige Auszeit.

Unruhig war Pastor Rother eigentlich nie. Schon immer hat er in Gesprächen, aber auch im Gottesdienst eine Ruhe ausgestrahlt, die sich wohltuend auf sein Gegenüber übertrug. Dennoch: Nach den drei Rückzugsmonaten wirkt er noch ruhiger, gelassener vielleicht. Ein Mensch, völlig mit sich im Reinen. „Ja, die Zeit hat mich verändert. Ich bin auch innerlich sehr ruhig und unwahrscheinlich dankbar für die drei besonderen Monate“, bestätigt der beliebte Pastor.

R4Um auch wirklich vollkommen ‚runterzukommen, zog der Müritzer zu Beginn seiner Pause ins Kloster nach Gerleve im Münsterland. „Das war gut so, das Loslassen ist mir so viel leichter gefallen“, erzählt Leif Rother, der drei Wochen lang im Kloster blieb und in dieser Zeit nicht einmal mit seiner Frau Dorothea telefoniert hat. Nur Briefe geschrieben, was wiederum mit dazu beitrug, sich auf wesentliche Dinge zu konzentrieren.
Zwar hat er sich in den drei Wochen nicht ununterbrochen im Kloster aufgehalten, sondern sich beispielsweise auch in Münster umgeschaut, doch „Ich war immer froh, wenn ich wieder zurück war. Sobald ich die Klosterpforte durchschritten hatte, genoss ich diese sehr angenehme geistliche tiefe Stille.“

Doch wie einen Erholungsurlaub mit Ausschlafen und Abhängen darf man sich so einen Aufenthalt im Kloster nicht vorstellen. Schon um 5 Uhr läuteten die Glocken, um die Mönche und ihre Gäste zu wecken, 20 Minuten später begann das erste Morgengebet. Über den Tag verteilt folgten weitere Gottesdienste, die Leif Rother sehr genossen hat. „Es war schön, selbst einmal empfangen zu können und nicht selbst produzieren zu müssen.“

R1Mit anderen Besuchern gab es nur wenig Gespräche, dennoch war man sich nah, dennoch kennt Leif Rother die eine oder andere Geschichte. Wie die des Hamburger Geschäftsmannes, der sich für ein verlängertes Wochenende ins Kloster zurückgezogen hat, um ohne Störungen eine sehr wichtige Entscheidung zu treffen.

Zwischen den Gottesdiensten hielt sich der Warener fit und erkundete beim Joggen das Münsterland. Und er hat unwahrscheinlich viel gelesen. Bücher, die schon lange bei ihm lagen und für die er im Alltag nie Zeit gefunden hat.

R2Auch nach seiner Rückkehr aus dem Kloster konzentrierte sich Leif Rother weiter auf sich und seine Familie, zu der neben seiner Frau Dorothea auch zwei erwachsene Kinder gehören. Der Medienkonsum blieb minimal. „Wir waren im Ausland, aber wir erkundeten auch viele, viele Tage unser schönes Mecklenburg. Dabei entdeckten wir Ecken, die wir noch nicht kannten, obwohl wir doch schon so lange hier leben“, berichtet der Pastor. Außerdem vertiefte sich der 50-Jährige weiter in Bücher, manchmal im Boot mitten auf dem Tiefwarensee.

Inzwischen ist Leif Rother wieder im Dienst, gestaltet Gottesdienste, spricht bei Beisetzungen und ist einfach für seine Gemeindemitglieder da. Doch seine dreimonatige Auszeit macht andere neugierig. „Viele fragen, wie es war. Auch sehr junge Leute, die etwas in ihrem Leben verändern wollen, um die eigene Balance zu finden. Ihnen empfiehlt der sympathische Pastor, die Auszeit-Erfahrung zum machen. Um loszulassen und zur inneren Ruhe zu kommen.


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