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„Gottloser Einbrecher“ demontierte Orgelpfeifen und flog beim Schrotthandel auf  

19. Februar 2017

In Sachen Kriminalität ist man ja schon vieles gewohnt und oft machen Langfinger vor Opferstöcken in Gotteshäusern nicht mehr halt. Was der kleinen Kirchengemeinde in Schlieffenberg bei Teterow allerdings 2015 widerfuhr, gehört sicher in die Kategorie „außergewöhnlich“. Am morgigen Montag wird der spektakuläre Diebstahl-Fall am Amtsgericht Güstrow verhandelt.

Ein 30-Jähriger aus der Region hatte sich im September 2015 die abgelegene Lage der Kirche am Rand des Dorfes zunutze gemacht. Wie es von den Ermittlern hieß, soll der Mann durch eine Seitentür eingebrochen und fast eine ganze Orgel abmontiert haben.

Dem Beschuldigten wird nun „Diebstahl von 191 Orgelpfeifen verschiedener Größe“ vorgeworfen. Das waren damals 90 Prozent der Metallpfeifen – darunter auch 42 originale Pfeifen aus dem Jahr 1859. Der Mann  war aber kein Musikliebhaber: Er wollte die wertvollen Orgelteile bei einem Schrotthändler in der Region Rostock zu Geld zu machen – und flog dabei auf. Der Klau geschah kurze Zeit nach dem „Tag des offenen Denkmals“, weshalb vermutet wird, dass der Mann die Sache an dem Tag vielleicht „ausbaldowerte.“

Der Metallhändler hatte von dem ungewöhnlichen Diebstahl allerdings gehört und alarmierte die Polizei. Der Beschuldigte flüchtete. Als er mit dem Wagen vom Schrotthof fuhr, konnten aber die Autokennzeichen erkannt werden und dank der Videoaufnahmen wurde der Mann ermittelt. Das Schlimme an dem Ganzen: Die gestohlenen Orgelpfeifen – auch die Originalen von früher – waren für die Anlieferung beim Schrotthandel schon zerstört worden.

Die Polizei wagte einen Vergleich: Der Schrottwert der Pfeifen aus Zinn wurde mit etwa 300 Euro angegeben. Die Kosten für die Wiederherstellung der Orgel wurden auf rund 30 000 Euro geschätzt. Bei der Durchsuchung fanden Polizisten am Wohnort des Mannes auch weitere Teile der Orgel.

Einziger Trost: Es fanden sich viele Spender, die der Kirchengemeinde inzwischen die Reparatur der Orgel ermöglichten. So erklingen jetzt wieder Orgeltöne in Schlieffenberg, Die neugotische Kirche ist wie der kleine, idyllisch gelegene Ort durchaus einen Besuch wert, wenn man auf dem Weg von Teterow zur Autobahn 19  nach rechts abbiegt und einen kleinen Umweg wagt.

Das Backsteingebäude wurde von 1854 bis 1859 erbaut. Das Gotteshaus und die Orgel wurden damals von der Familie des Ex-Staatsministers und Generalleutnants Martin Ernst von Schlieffen (1732-1825) finanziert , die dem Ort auch den Namen gab. Die Familie gab das Gut 1930 in Folge der Weltwirtschaftskrise auf.


Eine Antwort zu “„Gottloser Einbrecher“ demontierte Orgelpfeifen und flog beim Schrotthandel auf  ”

  1. T*A sagt:

    Derartige Mitmenschen sollte man nach Sibirien verfrachten, zum Schneeschippen, mit einer Pflanzschaufel.

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