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Hinter den Kulissen: Wie lief die Privatisierung des Krankenhauses?

14. Oktober 2014

HP100 Jahre Krankenhaus Waren: Das Klinikum auf dem Weinberg hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Auch nach dem Mauerfall lief nicht alles ohne Probleme. Ende der 90er Jahre entschloss sich der damalige Landkreis Müritz, das Krankenhaus zu privatisieren und machte sich auf die Suche nach Interessenten. Davon gab es im Laufe der Zeit einige, doch nicht alle waren auch ernsthafte Interessenten. Letztendlich fiel die Entscheidung, die Mehrheitsanteile an die MediClin AG zu verkaufen.
„Wir sind Müritzer“ sprach mit dem damaligen Vorstand der MediClin AG, Heinz-Peter Schifflers, über die Privatisierung.

Das Müritz-Klinikum feiert 100jähriges Bestehen. Vor etwa 14 Jahren hat die MediClin die Mehrheitsanteile am Krankenhaus Waren und an der psychiatrischen Klinik in Röbel übernommen. Als damaliger Vorstand haben Sie, Herr Schifflers, diesen Trägerwechsel für die MediClin eingeleitet und vollzogen. Wie kam es dazu?

Die MediClin war zu dieser Zeit – also um die Jahrtausendwende – eine noch sehr junge und schnell wachsende Klinikgruppe, die bereits über 30 Unternehmen in 11 Bundesländern erworben hatte. So gehörten zu diesem Konzern auch 3 Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern. Als ich erfuhr, dass das Klinikum Waren verkauft werden sollte, habe ich sofort Kontakt mit dem Landrat des Kreises aufgenommen.

Der Kreis war nicht alleiniger Eigentümer des Krankenhauses. Sie hatten es also ganz sicher mit mehreren Eigentümervertretern zu tun.

In der Tat. Der Müritzkreis war zwar Hauptgesellschafter, weitere Anteile hatten die Stadt Röbel und Herr Prof. Dr. Enderlein aus Greifswald. Das erste Gespräch hatte ich also Ende 1999 mit dem damaligen Landrat Schultz. Er eröffnete mir allerdings, dass der Mitgesellschafter Prof. Enderlein selbst Interesse am Erwerb des Klinikums angemeldet habe. Also zog ich mich zurück und unternahm erst wieder einen neuen Anlauf, als Herr Seidel das Amt des Landrates übernommen hatte. In den dann folgenden zielorientierten und konstruktiven Gesprächen konnten wir weitgehende Übereinstimmung zu den wesentlichen Bedingungen einer Übernahme durch die MediClin erzielen.

Und wie verhielten sich die anderen beiden Miteigentümer?

Die Bürgermeisterin der Stadt Röbel erklärte sich ebenfalls grundsätzlich einverstanden mit der Übernahme der Kliniken in Waren und Röbel durch die MediClin. Mit dem 3. Gesellschafter, Herrn Prof. Enderlein, gestaltete sich die Übernahme seiner Anteile allerdings bedeutend schwieriger. Eine Lösung konnte aber letztlich doch erreicht werden.

In die Müritz-Region verliebt…..

Wie ging es dann weiter?

Nachdem ich mit den Repräsentanten der Eigentümer und den dahinter stehenden Beschlussgremien – wie z.B. Krankenhausausschuss des Kreistages – Einigkeit unter  anderem zum Kaufpreis und zur Aufrechterhaltung der derzeitigen Krankenhausstruktur sowie zur geforderten Garantie zum Erhalt der Arbeitsplätze erzielt hatte, konnte der Eigentumsübergang auf die MediClin auch formell und faktisch vollzogen werden.

Wie ging das vonstatten?

Es folgten intensive Gespräche mit den Mitgliedern der Klinikleitung, den Chefärzten, den leitenden Angestellten der einzelnen Dienste und dem Betriebsrat. Schließlich erfolgte die Einberufung einer Mitarbeiterversammlung. Alle Zusammenkünfte waren unter anderem darauf ausgerichtet, Bedenken und Ängste über die nun beginnende neue Zukunft der Kliniken in neuer Trägerschaft abzubauen und Vertrauen für einen gemeinsamen Start in die neue Unternehmensära zu gewinnen.

Das Klinikum Waren hat fast 8 Jahre auf die immer wieder beantragte Bewilligung öffentlicher Mittel zur Vollendung der baulichen und funktionellen Sanierung gewartet. Wie sind Sie dieses Problem angegangen?

Zunächst habe ich die zahlreichen Planungsentwürfe verworfen, da sie ja offensichtlich nicht zielführend waren. Also habe ich Planer und Architekten zusammengeführt und ihnen klargemacht, dass wir nun innerhalb von 2 Tagen gemeinsam eine neue Planung für den 2. Bauabschnitt erarbeiten werden. Die Arbeit daran forderte die Teilnehmer auch über die ganze Nacht hindurch.
Mit dieser Planung und einem neu erstellten Antrag auf über 20 Mio. Euro Fördermittel, bin ich dann bei der Sozialministerin Mecklenburg-Vorpommerns, Frau Dr. Linke, und wenig später beim Ministerpräsidenten, Harald Ringstorff, vorstellig geworden. Nach den üblichen, komplizierten und langwierigen Verfahren im Fachministerium, bei der Haushaltsplanung bis hin zum Beschluss des Landtages kam es dann schließlich auch zur Bewilligung der beantragten Summe, die durch die MediClin dann um weitere über 10 Mio. Euro aufgestockt wurde. Das nervenaufreibende und zeitaufwendige Antragsverfahren war schließlich erfolgreich abgeschlossen und mit den Sanierungs- und Neubauarbeiten konnte begonnen werden.

Diese Sanierungs-, Um- und Neubaumaßnahmen konnten ja inzwischen erfolgreich abgeschlossen werden.

Die Warener und die Röbeler Bevölkerung kann meines Erachtens stolz auf „ihre“ leistungsfähigen Kliniken sein. Schlussendlich ist die Übernahme der Kliniken durch die MediClin der Beginn einer von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern getragenen Erfolgsgeschichte.

Noch eine private Frage: Sie selbst genießen den Ruhestand, sind der Müritz-Region aber trotzdem treu geblieben…

Ja, meine Frau und ich haben uns ganz schnell in die Müritz-Region verliebt, sind hier sesshaft geworden und wollen hier auch nicht wieder weg.

Zum Bild: Heinz-Peter Schifflers, MediClin-Vorstand im Ruhestand (rechts) und der jetzige Vorstandsvorsitzende Volker Feldkamp im Gespräch

Schifflers

 


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