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Immer mehr Wölfe im Nordosten attackieren Nutztiere – auch Vorsicht an der Müritz geboten 

15. Mai 2017

Schaf-, Rinder- und Pferdehalter in der Müritz-Region sollten sich inzwischen darauf einstellen, dass Wölfe auch in der Nähe ihrer Herden nach Futter suchen. Anlass ist die starke Zunahme dieser Raubtiere zwischen der Ueckermünder Heide, Nordbrandenburg und Westmecklenburg, wo mehrere Rudel Würfe aus den Jahren 2015 und 2016 großziehen. Das führte im Nordosten dazu, dass es in gut vier Monaten 2017 bisher schon zehn Vorfälle gab, bei denen Wölfe schon 39 Nutztiere getötet oder schwer verletzt haben. Das geht aus einer Statistik der Umweltbehörden hervor, die „Wir sind Müritzer“ vorliegt.

Im ganzen Jahr 2016 hatte es 14 Vorfälle mit 72 angefallenen Schafen, Damhirschen und sogar einem 400 Kilogramm schweren Jungrind gegeben. Das war der bisher höchste Wert in einem Jahr.

Ein Grund für diese Bilanz: Junge Wölfe müssen nach etwa zwei Jahren ihre „Familien“ verlassen und sich neue Territorien suchen. In der Müritz-Region hatten Naturschutzbehörden zuletzt eine Wölfin beobachtet. Dabei soll es sich um eine Fähe aus dem Nieskyer Rudel bei Görlitz in Sachsen handeln.

Seit 2012 gab es mehrfach Nachweise vor allem im Müritz-Nationalpark. Es wird damit gerechnet, dass sich über kurz oder lang auch hier Wölfe ansiedeln. Der Nationalpark bietet laut Ministerium „mit seinen großen zusammenhängenden Lebensräumen östlich der Müritz gute Voraussetzungen für Wölfe.“

Unklar blieb aber, ob die Wölfin aus Sachsen hiergeblieben ist. Bei den Bauern stößt die Ausbreitung der Raubtiere auf wenig Verständnis. Viele Landwirte sehen sogar die offene Weidehaltung mit den üblichen Stromlitzen-Zäunen als gefährdet an. So wurde im April im Süden Vorpommerns ein Kalb getötet. Das etwa 40 Kilogramm schwere Tier wurde mehrere Meter in Zick-Zack-Linie über eine Wiese weggeschleift. „So etwas schafft nur ein Wolf“, war sich der Rinderhalter sicher.

Das Ministerium hat nun festgelegt, dass der Betrieb Schadensersatz bekommt, weil ein Wolf als Verursacher nicht ausgeschlossen werden konnte. Der Rinderhalter und der Bauerverband fordern aber weitere Festlegungen. So sollten Wolfsrudel nur in ihren angestammten Gebieten, wie ehemaligen Truppenübungsplätzen, geduldet werden. Kommen die Tiere in die Nähe von Siedlungen und Nutztieren, müsse auf sie auch geschossen werden dürfen, was bisher aufgrund des strengen Schutzstatus in der EU nicht erlaubt ist. Das sei aber nötig, damit die Raubtiere auch ihre Scheu gegenüber Menschen und deren Siedlungen und Betrieben nicht verlieren, hieß es.

Die Verbände warnen zudem schon länger davor, dass Wölfe auch Herden angreifen, die wiederum im Panik die Weidenzäune niedertrampeln und auf Straßen laufen könnten.


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