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Jugendliche „pfeifen“ auf Zentrums-Präsentation

18. September 2013

Von Antje Rußbüldt-Gest

Waren. Eigentlich hätte die Mensa in Waren-West heute Abend aus allen Nähten platzen müssen. Denn dort haben zwei Warener Architekten ihre Vorstellungen zu einem Jugendzentrum für Waren präsentiert. Ein Thema, das die Müritzer seit Jahren beschäftigt und zumindest im Netz immer wieder für heiße Diskussionen sorgt. Aber gegenwärtig wohl eben nur in der virtuellen und nicht in der realen Welt, denn zur heutigen Vorstellung kamen nur wenige Jugendliche.

Joo1nZwar war der Mensa-Saal ganz gut gefüllt, doch saßen auf den Stühlen eher interessierte „Mittelalter-Warener“, denn Jugendliche. Christine Graap, seit 15 Jahren Schulsozialarbeiterin an der Regionalen Schule West, glaubt zu wissen, warum nur so wenige den Weg zur Präsentation gefunden haben: „Die Uhrzeit ist einfach schlecht gewählt. Unsere Schüler chillen jetzt. Viele von ihnen sind Fahrschüler, da können sie um 18 Uhr nicht zu so einer Veranstaltung kommen. Ich bitte Sie, gehen Sie an die Schulen, wenn Sie die Meinung der Jugendlichen wirklich interessiert.“

Die Vorstellung der beiden Projekte verlief recht unterschiedlich. Während Architekt Thomas Kisse das „Camp“ am Standort des einstigen KIB in der Teterower Straße recht zügig erklärte, ging sein Berufskollege Christian Klein mit dem „JOO!“, das im Zentrum der Stadt entstehen soll, mehr ins Detail und ließ sogar das Thema Energie-Effizienz nicht außen vor.

Die Jugendlichen, die sich die Vorträge angehört haben, schienen dann auch recht interessiert. Wie Stefan Ladda vom Müritzer Jugendverein. Er äußerte Bedenken, was einen privaten Betreiber der Diskothek angeht. Denn während der Jugendclub von der Stadt unterhalten werden soll, will man in Sachen Disko einen privaten Betreiber engagieren. „Wir als Müritzer Jugendverein würden uns auch sehr gerne mit einbringen und vielleicht Diskotheken durchführen“, so Stefan Ladda. Camp1
Noch deutlicher wurde Matthias Reupricht, der nach eigenen Angaben einst selbst Diskotheken betrieben hat und meint: „Auf der einen Seite die Stadt als Betreiber und auf der anderen ein Privater – das kann nicht gut gehen. Und: Jost Reinhold als Spender der Millionen finanziert also einen Einrichtung für einen privaten Diskobetreiber“, so Reupricht. Außerdem glaubt er, dass man mit dieser Art der Betreibung privaten Interessenten die Möglichkeit nimmt, eine Disko in Waren auszubauen. Doch da konterte Stadtvertreter René Drühl (CDU), der auch die Arbeitsgruppe Jugendzentrum leitet: „Wenn es private Interessenten gibt, die hier eine Disko aufbauen wollen, wo waren sie dann die letzten 15 Jahre?“

Auf den Punkt brachte es dann – nein, wieder kein Jugendlicher –, sondern Martin Wiechers, seines Zeichens Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Waren (WOGEWA): „Ich habe drei Kinder im Alter von 16, 20 und 22 Jahren und ich kann hier nur an die Stadtvertreter appellieren: Haben Sie den Mut, sich für ein Projekt zu entscheiden. Der Ball liegt auf dem Elfmeterpunkt, schießen Sie ihn nicht wieder übers Tor. Das würden Ihnen die Warener Jugendlichen nicht verzeihen“, so Martin Wiechers, der zugleich dafür plädierte, so ein Jugendzentrum in die Stadt zu stellen und nicht irgendwo an den Rand zu verbannen.

Ob Warens Stadtvertreter Anfang Oktober über beide Projekte abstimmen, entscheidet sich in der kommenden Woche. Dann nämlich reist der Millionen-Spender Jost Reinhold an und wird mit Fraktionsmitgliedern aller Parteien über die Projekte sprechen.

 


2 Antworten zu “Jugendliche „pfeifen“ auf Zentrums-Präsentation”

  1. Passt zur heutigen Presseschlacht um Waren (Müritz): die Stadt hat eventuell vergessen, die Jugendlichen da anzusprechen, wo sie erreichbar sind. Wenn die Stadtverwaltung von Facebook keine Ahnung hat und nur über Datenschutz palavert, dann muss man sich nicht wundern, wenn keiner kommt.

  2. Carmen Siegmund sagt:

    Sicher war die Uhrzeit für die Präsentation nicht günstig gewählt für unsere Jugendlichen. Aber aus Erfahrung weiß ich, wenn sie etwas wirklich interessiert, dann informieren sich unsere Kinder und Jugendlichen.
    Das Konzept von Herrn Kisse finde ich ideal, auch der Standort ist gut gewählt. In der Stadt gibt es doch bald wieder Beschwerden und führt zu Einschränkungen für das Jugendzentrum – und was haben wir da gewonnen (Ich denke nur an das Sonntagskonzert im Hafen)?

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