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Kita-Elternrat MSE: „Landesregierung will mit Gesetz-Novelle Betreuungsschlüssel hinschummeln“

14. Juni 2017

Der Vorstand des Kita-Elternrat des Landkreis Mecklenburgische Seenplatte lehnt nach eingehender Beratung die aktuell im Landtag diskutierte Novelle des Kindertagesförderungsgesetzes (KiföG) ab. „Auch wenn wir die Bemühungen der Landesregierung zur Behebung des Fachkräftemangel in den Kitas anerkennen, können wir in den diskutierten Varianten keine Verbesserungen für die Betreuung und Bildung unserer Kinder in den Kitas sehen.“ erklärte der Vorsitzende des Elternrates, Monty Schädel nach einer Vorstandssitzung.

„Mit den Vorschlägen zur Erweiterung des Fachkräftekataloges und der Einbeziehung von Auszubildenden in den Betreuungsschlüssel schummelt sich die Landesregierung den Betreuungsschlüssel allein rechnerisch hin. Die guten Ansätze des KiföG zur Qualität von Betreuung und Bildung in den Kitas werden so der rechnerischen Statistik geopfert.“

Im Landtag hatten die SPD und CDU im März 2017 einen Gesetzentwurf zur Novellierung des KiföG eingebracht. Vorgeblich sollte damit auf den lange absehbaren Fachkräftemangel reagiert werden. Mit einem neuen Ausbildungsgang sollen zukünftig in den Kitas „staatlich geprüfte Fachkräfte für Kindertageseinrichtungen“ ausgebildet werden. Dieser Ausbildungsgang ist allerdings allein in M-V anerkannt und es steht zu befürchten, dass damit das Lohngefüge in den Kitas weiter gedrückt wird und staatlich anerkannte Erzieher sowie andere Fachkräfte mit elementarpädagogischer Ausbildung sich auch zukünftig eher in andere Bundesländer orientieren.

Für die Elternvertreter als „verwerflich“ eingeschätzt wird die Absicht von SPD und CDU, die Auszubildenden bereits während ihrer Ausbildung anteilig auf den Betreuungsschlüssel anzurechnen. „So werden dann aus Auszubildende plötzlich rechnerisch Fachkräfte und der Schlüssel der nicht durch Fachkräfte gesichert werden kann, wird durch unausgebildete Auszubildende hingerechnet – Da schummelt die Landesregierung“, so der Vorstand des Kreiselternrates. Der Vorstand fordert dagegen „Auszubildende sind auszubilden und bis zu den bestandenen Prüfungen haben sie zu lernen und neben dem Betreuungsschlüssel mitzulaufen“ Unklar im Gesetzentwurf bleibe ebenso, wer denn die Auszubildenden in den Einrichtungen ausbildet.

„Wir haben einen Qualitätsanspruch“

„Mit einer Erweiterung des Kataloges von Berufen, die in Kitas zukünftig als Fachkräfte eingesetzt werden können, wollen die regierungstragenden Fraktionen SPD und CDU sowie das Sozialministerium einen weiteren Weg gegen den Fachkräftemangel in Kitas beschreiten“, heißt es vom Elternrat.

Zukünftig sollen dann auch Berufsgruppen als Fachkräfte in der Kita wirken können, die nach Ansicht der Elternvertreter sehr gut bestehende Teams ergänzen können, aber auf keine Fall als Fachkräfte im bisherigen Sinn, das heißt zum Beispiel zum alleinigen Führen von Gruppen anerkannt werden sollten. Zu den neue Berufsgruppen gehören u.a. Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten, Hebammen, Musik-, Sport- und Theaterpädagogen oder Kinderkrankenpfleger.

Der Elternrat betont: „Während wir einerseits denken, dass diese Berufsgruppen zur Unterstützung in Kitas vielfach schon heute sinnvolle und gute Arbeit auch in Kitas leisten, sind wir überzeugt davon, dass ihnen die Fachkraftqualifikation für den in der Kita notwendigen elementarpädagogischen Bereich fehlt. Nur weil sie in ihren bisherigen Tätigkeiten auch mit Kindern arbeiteten, heißt das nicht, dass sie in der Kita auch Fachkraft sein können. Niemand mit Qualitätsanspruch würde auf die Idee kommen einen Herztransplantation durch einen Augenarzt oder Orthopäden durchführen zu lassen weil es alles Ärzte sind. Als Eltern unserer Kinder haben wir eine Qualitätsanspruch.“

Nur weil die Landesregierung über Jahre die Ausbildung von Erziehern vernachlässigt habe, sollen jetzt andere Berufsgruppen lediglich hinzugeholt werden. Im Ergebnis werde nach Ansicht der Elternvertretung durch mehr anwesende Erwachsene – die dann als Fachkräfte bezeichnet werden – allein der Betreuungsschlüssel in den Kitas schöngerechnet: „Auf Kosten der Qualität von Bildung und Betreuung unserer Kinder.“

Elternvertreter nicht mit einbezogen

Neben dieser inhaltlichen Kritik an der KiföG-Novelle zeigt der Elternrat Unverständnis darüber, wen die Landtagsfraktionen und die Landesregierung bei der Diskussion um die KiföG-Novelle wie einbeziehen. Während bei Trägern, Kommunen und Kreisen nachgefragt wird und die Beschäftigtenvertretungen auch ihre Meinung sagen dürfen, bleiben die gewählten Elternvertretungen außen vor. „Dabei tragen die Eltern nicht nur einen erheblichen Teil der finanziellen Last im Kita-System, sondern geht es doch vor allem um unsere Kinder.“ wundert sich der Vorsitzende. „Kita ist doch kein technischer Verwaltungsakt von Zahlen und Geld. Es geht um unsere Kinder.“

Der Vorstand kündigt an, dass er jetzt auch noch nach der Anhörung der anderen Kitabeteiligten im Landtag M-V eine eigene Stellungnahme dem Landtag und der Landesregierung zustellen wird. Die Elternvertreter hoffen dabei, dass diese dann noch in die Entscheidungsfindung Eingang findet, denn man sei überzeugt: Das Versäumnis, bisher nicht einbezogen worden zu sein, liegt nicht bei der gewählten Elternvertretung.

Am 24. Juni wird auf einer Versammlung aller Kita-Elternvertretungen des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte das weitere Vorgehen gegen die Kita-Novellierung diskutiert. Anmeldungen durch interessierte Elternvertreter sollten bis zum 18. Juni über www.kitaermse.de oder mail@kitaermse.de erfolgen.

Weitere Informationen zum Kita-Elternrat Mecklenburgische Seenplatte unter www.kitaermse.de


Eine Antwort zu “Kita-Elternrat MSE: „Landesregierung will mit Gesetz-Novelle Betreuungsschlüssel hinschummeln“”

  1. Ralf sagt:

    Das ein Fachkräftemangel entstehen wird, ist doch schon seit Jahren bekannt. Es muss der Weg einer betrieblichen Ausbildung gegangen werden , mit einem angemessenen Ausbildungslohn. Und nach der Ausbildung sollte eine angemessene Bezahlung erfolgen. Das hätte aber schon vor mindestens 5 Jahren passieren müssen. Die Lohnunterschiede zwischen den verschiedenen Trägern ist gravierend und nicht nachvollziehbar. P

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