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Kreis-Sozialamt sitzt offenbar auf gepackten Koffern

1. Dezember 2014

Überraschend ist der Wegzug von immer mehr Ämtern der Kreisverwaltung aus Waren nicht. Und dennoch fühlen sich zahlreiche Müritzer überrumpelt, wenn sie jetzt hören, dass Anfang des kommenden Jahres das Sozialamt des Kreises in Waren die Segel streicht und seine Zelte in Neubrandenburg aufschlagen soll. Vor allem behinderte Menschen befürchten dadurch erhebliche Nachteile, wie sie in einem Brief an „Wir sind Müritzer“ deutlich machen.

NummernEine offizielle Bestätigung aus der Kreisverwaltung zum beabsichtigten Umzug des Sozialamtes nach Neubrandenburg gibt es noch nicht, aber die Hinweise verdichten sich. Uns liegen Aussagen von Kreis-Mitarbeitern vor, die vom längst beschlossenen Umzug und ersten Vorbereitungen darauf sprechen.

„Für sämtliche Belange, die wir als Bürger im Sozialamt zu klären haben, müssen wir dann nach Neubrandenburg fahren. Ist das die von Landrat Kärger besonders im Wahlkampf viel gepriesene Bürgernähe?“, heißt es in dem Brief an „Wir sind Müritzer“.
Die Autoren des Schreiben sind behinderte Menschen, die mit einer sehr eingeschränkten Mobilität leben müssen und für die 100 Kilometer und mehr nach Neubrandenburg eine unüberwindbare Hürde sind. Häufig bestünden gar keine Fahrgelegenheiten. Nicht zu vergessen die Hemmschwelle, die viele haben, wenn sie das Sozialamt aufsuchen müssen. Die kann nur durch vertraute Personen und Örtlichkeiten überwunden werden, nicht aber in einem Riesen-Amt in der Viertorestadt.

„Der Landrat plant die Einrichtung von Bürgerservicecentern, wir sind aber nicht bereit, unsere zum Teil doch sehr persönlichen Anliegen in einer zentralen Anlaufstelle wildfremden und unbeteiligten Personen vorzutragen“, meinen die Betroffenen, die jetzt hoffen, dass sich möglichst viele Politiker der Müritz-Region für den Verbleib des Sozialamtes am Amtsbrink stark machen.

Ein Kommentar zum möglichen Umzug des Sozialamtes:

Hat wirklich irgend jemand geglaubt, dass nach der Kreisgebietreform auf Dauer alle bisherigen Ämter in Waren, Demmin und Neustrelitz erhalten bleiben? War wirklich irgend jemand so blauäugig, den Aussagen der Politiker von Bürgernähe zu vertrauen?

Was jetzt in den einstigen Kreisstädten passiert, ist das, was sehr, sehr viele Kritiker der Kreisgebietsreform von Anfang an befürchtet haben: Der absolute Kahlschlag in den Verwaltungen vor Ort, um die Kosten im Zaum zu halten und die Riesen-Defizite auszugleichen. Dabei geht es nicht darum, was der Bürger braucht und will, sondern einzig und alleine darum, wie viel Geld durch welche Maßnahme gespart werden kann.

Und auch das war vorhersehbar: Betroffen sind die Schwächsten unserer Gesellschaft, die alten, kranken und behinderten Menschen. Während Ottonormalverbraucher es – wohl oder übel – noch ganz gut auf die Reihe bringt, sein Anliegen in Neubrandenburg zu erledigen,  fallen andere völlig durchs Netz.

Danke ehemalige Landesregierung, danke Lokalpolitiker wie Rudolf Borchert (SPD), Jürgen Seidel (CDU) und Wolf-Dieter Ringguth (CDU), die ihr für diese Reform gekämpft habt.
Jetzt, liebe Herren Landtagsabgeordneten, kümmern Sie sich gefälligst auch um die Menschen, die durch IHRE Reform ins Abseits gestellt werden und unwahrscheinlich Angst vor der Zukunft haben!
Kämpfen Sie für wichtige Ämter in der Müritz-Region!  
                                                        Antje Rußbüldt-Gest


2 Antworten zu “Kreis-Sozialamt sitzt offenbar auf gepackten Koffern”

  1. Joachim Kluge sagt:

    Kreisgebietsreform „um die Kosten im Zaum zu halten und die Riesen-Defizite auszugleichen“?
    Bisher ist nichts von einer Kosteneinsparung zu erkennen. Und wer rechnet den Mehraufwand
    (Zeit und Geld), den die Wähler und Nichtwähler jetzt haben? Bürgernähe geht anders.
    Wenn man nicht rechnen kann, werden auch keine Kosten eingespart. Dann werden die Kosten
    nur umverteilt. Auf wen wohl?

  2. Heinz-Peter Schifflers sagt:

    Der entstehende Mangel an Bürgernähe, der damit verbundene Verlust der oft dringend erforderlichen persönlichen, sensiblen und vertraulichen Beziehung zwischen Bürger und Amtsperson, die entstehenden An-und Rückfahrtkosten, die mit dem Behördenbesuch entstehenden Zeitverluste, insbesondere auf der Arbeitsstelle, ggfls. auch die Einbuße von Urlaub(stagen), die beschwerlichen An-und Rückfahrten für Menschen ohne eigenes Fahrzeug oder gar für Behinderte und, und, und…. all das läßt bei den Entscheidungsträgern ein erhebliches Maß an Sensibilität und Bürgernähe vermissen. Der Bürger hat nicht der Behörde, vielmehr hat die Behörde dem Bürger zu dienen. Diesem Grundsatz läuft die wohl anstehende neuerliche Entscheidung einer fortgesetzten Zentralisierung zu wider. Mindestens aber sollte man darüber nachdenken, wie die zentralisierten Ämter dennoch Bürgernähe organisieren können. Das könnten z.B. regelmäßige und ortsnahe Sprechstunden für wichtige und häufig auftretende Anliegen der Bürger sein.
    HP.S.

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