Anzeige
Anzeige

Landkreis will Fahrgeld für einige Schüler streichen

5. Dezember 2014

Wieder eine Folge der Kreisgebietsreform, die erhebliche Auswirkungen auf die Bürger hätte: Weil der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte bekanntlich total überschuldet ist, muss er sparen. Und das will er auch in Sachen Schülerbeförderung tun.

Genauer gesagt: Mädchen und Jungen, die an örtlich nicht zuständigen Schulen und freien Schulen lernen, sollen künftig keinen Zuschuss für die Fahrten bekommen. Eine Entscheidung dazu soll am kommenden Montag im Kreistag fallen.

Betroffen in der Müritz-Region wären beispielsweise die Kinder, die an der beliebten Peene-Schule der AWO in Groß Gievitz lernen. Von den derzeit 72 Mädchen und Jungen, die in Groß Gievitz zur Schulen gehen, kommen lediglich vier aus dem Ort selbst, alle anderen fahren.

Deshalb haben die Eltern eine Unterschriftensammlung gestartet und rufen auch alle Eltern auf, am kommenden Montag, 8. Dezember, gemeinsam mit ihren Kindern ab 16 Uhr vor dem Tagungsgebäude des Kreistages (Hochschule, Brodaer Straße 2) gegen die Pläne zu demonstrieren.

Im Kreistag selbst sind die Überlegungen, das Geld für die Schülerbeförderung zu streichen, nicht unumstritten. Einerseits lockt viele Politiker die Aussicht, in Zukunft pro Jahr mehr als 500 000 Euro nicht ausgeben zu müssen, andererseits befürchten einige Kreistagsmitglieder, dass künftig vom Geldbeutel der Eltern abhängt, welches Kind in welche Schule darf.
Außerdem wird die hohe Summe, die der Kreis sparen möchte, von Experten angezweifelt – auch, weil viele „zuständige Schulen“ manchmal weiter weg sind als die jetzt besuchten und der Kreis dadurch sogar noch mehr bezahlen müsste.

Der jährliche Zuschuss pro Fahrschüler kann bis zu 700 Euro betragen.

Gievitz

 


5 Antworten zu “Landkreis will Fahrgeld für einige Schüler streichen”

  1. Christine sagt:

    Weshalb sollte der Staat für das Fahrgeld für Schüler aufkommen, die keine staatliche Schule besuchen? Die Eltern haben sich bewusst gegen eine staatliche Bildung entschieden. Somit ist es doch nur logisch, dass sie für die Beförderung aufkommen müssen so wie sie auch die Schule bezahlen.

  2. Christine sagt:

    Ja es geht auch um staatliche Schulen. Für diese Schüler sollte das Fahrgeld auch gezahlt werden, auch wenn diese eine örtlich nicht zuständige Schule besuchen, die näher und besser erreichbar ist. Ihr Bericht nannte nun das Beispiel Peeneschule und darauf habe ich mich in meinem Kommentar bezogen.

  3. Andrea B. sagt:

    Das Thema betrifft natürlich nicht nur die Peene- Schule, sondern alle Schulen im gesamten Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Und natürlich sind die privaten Schulen in größerem Maße von der Zuschussstreichung betroffen, als öffentliche Schulen. Private Schulen im dörflichen Bereichen trifft es da dann am Härtesten, das sollte das Beispiel wohl lediglich zeigen.

    Aber klarstellen sollte man auch: Ohne den hohen Anteil von Schulen in privater Trägerschaft, wären sämtliche öffentlichen Schulen sowohl organisatorisch, personell als auch fachlich überfordert, die Menge dieser Schülerzahlen zu bewältigen. Und auch der Landkreis dürfte sich über diese zusätzlichen Kosten wohl wenig freuen.

    Im übrigen wäre diese Entscheidung gerade deshalb fatal, weil sie es vielen Eltern im Kreisgebiet nicht mehr ermöglichen würde, von ihrem Recht auf freie Schulwahl Gebrauch zu machen. Dieses Recht ist im Schulgesetz
    Mecklenburg-Vorpommerns garantiert. Es darf kein Recht werden, dass nur den Familien zusteht, die sich die Fahrtkosten zu der ausgewählten Schule leisten können. Gerade diese Eltern trifft es am Härtesten, da eine Härtefallregelung nicht beabsichtigt ist. Für die Kinder heißt das im Ernstfall, ihre Schule und damit ihre vertraute soziale Umgebung zu verlassen. Eine Motivation für erfolgreiches Lernen erzeugt man damit nicht.

    Wenn man sich mit dem Haushaltssicherungskonzept des Landkreises für die Jahre 2015- 2020 beschäftigt, muss man feststellen, dass der Rotstift zudem nicht nur die Fahrkostenerstattung betrifft, sondern sämtliche Zuschüsse und Förderungen in allen Bereichen auf dem Prüfstand stehen. Und da sich im kulturellen und sozialen Bereich bekanntlich die höchsten Ausgaben bewegen, lässt sich hier auch am Meisten einsparen.
    Das werden wir alle zu spüren bekommen, zumindest diejenigen von uns, denen Bildung, Kultur und soziale Entwicklung in unserem Land am Herzen liegen.

    Deshalb zum Schluss ein kleiner Aufruf: morgen ab 17:00 Uhr tagen die Vertreter des Landkreises in der Mensa der Fachhochschule Neubrandenburg. Viele Eltern werden anwesend sein und gegen die Pläne des Landkreises demonstrieren, vielleicht fühlt sich der ein oder andere ja spontan angesprochen, sich ebenfalls zu engagieren, wäre schön!

  4. Mareike sagt:

    Denkfehler Christine: private Schule bedeutet lediglich privater Träger. Der Lernstoff, die Lerninhalte unterscheiden sich nicht von staatlichen Schulen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*