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Minister stellt Konzept zur Nutzung wiedervernässter Moore vor  

12. Dezember 2017

Mecklenburg-Vorpommern ist eines der moorreichsten Länder in Deutschland: Etwa 300.000 Hektar sind von Mooren bedeckt, das entspricht 13 Prozent der Landesfläche. Ein erheblicher Teil der Moore war in der Vergangenheit für die landwirtschaftliche Nutzung trockengelegt worden; deutschlandweit wurden 98 Prozent der Moore entwässert. Solche trockengelegten Moore stoßen enorme Mengen Treibhausgase aus. „Die Emission aus den Mooren ist die mit Abstand größte Treibhausgas-Einzelquelle des Landes“, erklärte Landwirtschafts- und Umweltminister Till Minister Backhaus.

Jährlich stoßen die entwässerten Moorflächen im Land mehr als sechs Millionen Tonnen Kohlendioxid und weitere Treibhausgase – etwa Methan oder bodennahes Ozon – in die Atmosphäre aus. „Das entspricht etwa einem Drittel der gesamten Treibhausgas-Emission des Landes“, verdeutlichte Backhaus. Expertenberechnungen zufolge lagern in den Mooren Mecklenburg-Vorpommerns derzeit mehr als eine Milliarde Tonnen solcher Treibhausgase.

„Das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 sieht vor, dass Industriestaaten wie Deutschland ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 um bis zu 90 Prozent reduzieren, um die fortschreitende Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Dieses Ziel erreichen wir nicht ohne einen nachhaltigen Umgang mit den Mooren. Werden trocken gelegte Moore fachgerecht wiedervernässt, so lassen sich die Emissionen erheblich reduzieren“, sagte Minister Backhaus.

Durch den hohen Wasserstand auf wiedervernässten Mooren werde der Kontakt zwischen Luft und Torf weitgehend unterbunden, so dass die mit einer Kohlendioxidemission verbundene Zersetzung des Torfkörpers sich verringere oder ganz ausbleibe.
Um die wiedervernässten Flächen zugleich für die landwirtschaftliche Produktion zu erhalten, sei im Zusammenspiel mit Wissenschaftlern eine Nutzungsmöglichkeit entwickelt worden, die den Schadstoffausstoß vermindert und gleichzeitig verwertbare Erträge bringt – die Paludi-Kultur.

„Nasse Landwirtschaft“ als neue Möglichkeit

„Bei der Paludi-Kultur – die Bezeichnung leitet sich von dem lateinischen Wort palus für Sumpf her – handelt sich um eine ,nasse Landwirtschaft‘, also um eine landwirtschaftliche Nutzung bei sehr hohen Wasserständen“, erklärte der Minister.

Möglich sei beispielsweise die Beweidung von Nasswiesen durch Wasserbüffel, die bereits praktiziert wird, oder der Anbau von Schilf, das als Dachreet oder als Brennstoff verwertet werden kann; Rohrkolben eignen sich etwa als Dämmstoff. Für den Klimaschutz besonders vorteilhaft sei der Anbau von Schwarzerlen, die als Wertholz oder energetisch verwertet werden können. Der Anbau von Sonnentau als Heilpflanze stelle eine weitere Möglichkeit zur Erschließung neuer Märkte dar.

Genutzt wird Biomasse aus Paludi-Kultur bereits im Heizwerk Malchin. Verwertet werden hier jährlich etwa 1000 Tonnen Brennstoffe, die auf rund 400 Hektar wieder vernässter Moorfläche geerntet werden – sie ersetzen mehr als 300.000 Liter Heizöl pro Jahr. Durch die Wiedervernässung der 400-Hektar-Fläche bleiben mindestens 5000 Tonnen Treibhausgase im Moor gebunden; zudem werden die fossile Brennstoffressourcen geschont.

In Mecklenburg-Vorpommern werden bereits seit über 20 Jahren Moore wiedervernässt, um Ziele des Naturschutzes zu erreichen. Seit 2011 werden die MoorFutures angeboten, die ersten Kohlenstoffzertifikate auf Basis von Mooren. Mit dem Erwerb von bislang 13.000 MoorFutures-Kohlenstoffzertifikaten zum Einzelpreis von 35 Euro unterstützten die Zertifikat-Käufer die Finanzierung der Wiedervernässung mit insgesamt rund 400.000 Euro.

Weitere Informationen: http://www.paludiculture.uni-greifswald.de/de/index.php


Eine Antwort zu “Minister stellt Konzept zur Nutzung wiedervernässter Moore vor  ”

  1. Entdecker sagt:

    Nicht nur darüber sprechen…sondern in die Tat umsetzen.

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