Anzeige
Anzeige

Naturschutztaucher sehen Müritz in gutem Zustand – App für Tauchbeobachter

19. Januar 2018

Die gute Nachricht zuerst: Der Müritz geht es auch unter Wasser gut und sie ist vielfältiger als beispielsweise die Schweriner Seen. Das hat die erfahrene Naturschutztaucherin Silke Oldorff vom Naturpark Stechlin-Ruppiner Land festgestellt. Bei einem mehrtägigen Tauchausflug auf der Müritz haben sie und ihre Naturschutztaucher im September so viele interessante Unterwasserbilder geschossen, dass daraus und mit Bildern aus anderen Seen der Mecklenburgischen Seenplatte ein kompletter Abendvortrag zur Unterwasserfauna und -flora wurde, für den mehr als 120 Interessierte ins Müritzeum kamen.

Günstig für alle war im Herbst die Möglichkeit, das Forschungsschiff Aldebaran aus Hamburg zu nutzen. „Dort konnte wir viele Funde gleich untersuchen und inventarisieren“, sagte Oldorff. Zu den sehr interessanten Arten rechnet die erfahrene Taucherin den besonders seltenen Herbst-Wasserstern, der eigentlich fast nur in Schleswig-Holstein vorkommt, die Zerbrechliche Armleuchteralge, das Haarblättrige Laichkraut sowie die Baumglanzleuchtenalge, die Kollegen aus Kratzeburg entdeckt hatten.

Gerade Armleuchteralgen, die große Grundrasenflächen bilden, in denen sich die Fische verstecken können, sind besonders wichtig. Wer viele und unterschiedliche Fischarten in Gewässern will, der müsse auch an einer vielfältigen Pflanzenwelt unter Wasser interessiert sein. Solche Armleuchteralge seien auch aus dem Plauer See und in ganz großen Mengen aus dem Bodensee bekannt.

Die Müritz verfügt über sehr verschiedene Lebensräume, bedingt durch Zuflüsse, Unebenheiten, verschieden intensive Nutzungsbereiche und Nährstoffeintrag – der im Westteil deutlich höher als am Ostufer ist. Über viele Jahre wurden etwa 50 verschiedene Wasserpflanzenarten in der Müritz festgestellt, weiß Oldorff. In der kurzen Zeit des Tauchens an wenigen Stellen hat man bereits 20 Arten finden können.

Helfende Taucher gesucht

Allerdings haben sich zwischen Waren und Rechlin auch, wie im Schweriner, dem Müggel- und dem Bodensee ungeheuer viele Quagga-Dreikantmuscheln ausgebreitet, es gibt ganze Teppiche. Experten vermuten, dass andere invasive (eingewanderte) und auch heimische Arten dadurch verdrängt werden können. Diese Muschelteppiche sorgen aber auch für noch klareres Wasser.

Damit alle Erkenntnisse besser untermauert werden, sind sowohl neue Daten sowie eine wissenschaftliche Auswertung nötig. „Wir planen in diesem und im nächsten Jahr wieder Expeditionen mit der Aldebaran“, kündigte Müritzeum-Leiterin Andrea Nagel an. Vielleicht auch wieder mit Schülern. Und im März sollten sich Fisch- und Wasserfreunde auch einen Termin freihalten: Dann sollen Forscher aus Berlin ihre Analyseergebnisse im Müritzeum vorstellen. Taucher, die den Naturschützern helfen wollen, können sich bei Silke Oldorff melden. Es soll bereits eine App geben, auf der beobachtete Wasserpflanzen aus Seen eingetragen werden können. Diese will die Fachfrau auf der Messe boot in Düsseldorf vorstellen.

Ansprechparner und Termine Naturschutztauchen: https://www.nabu-naturschutztauchen.de/aktuelles/ und Übersicht über Verbreitung Herbst-wasserstern und andere Arten:
http://www.floraweb.de/pflanzenarten/artenhome.xsql?suchnr=995


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*