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Polizisten retten Familie – Mann mit Maschinenpistole erhält Bewährungs- und Geldstrafe

20. Oktober 2016

amtsgerichtDer Prozess gegen einen Maschinenpistolenbesitzer am Amtsgericht Waren hat sich als besonders riskanter Polizeieinsatz entpuppt, bei dem vor zwei Jahren in Neustrelitz nur knapp ein Familiendrama verhindert wurde. Das haben die Aussagen von drei Polizisten am Mittwoch erkennen lassen.
„Eigentlich hätten wir, als er sich zum zweiten Mal umdrehte, schießen müssen“, sagte einer der Beamten als Zeuge. „Wir waren glücklich, dass niemandem etwas passiert ist.“
Der Verurteilte, der sich selbst als historisch interessierten Sammler darstellte, wurde wegen unerlaubten Besitzes von Kriegswaffen und Munition zu einem Jahr und zwei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Die Strafe wurde für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt.

„Das Gefährdungspotenzial der Waffe war enorm hoch“, sagte Richterin Alexandra Sprigode-Schwencke. „Von ihnen ging eine erhebliche Gefahr für ihr Umfeld, ihre Frau und ihre Kinder aus.“ Hintergrund des ganzen Falles waren Streitigkeiten mit der Ehefrau, die wie die geschiedene Frau des Mannes im Prozess aber keine Angaben machen wollte. Der Verurteilte und Verteidiger Wolfgang Bartsch machten geltend, dass der Waffenbesitzer damals wegen der Eheprobleme stark getrunken habe. Er könne sich wegen des Alkohols am Tattag auch kaum an etwas erinnern, sagte der Waffenbesitzer.

Die Maschinenpistole war tschechischer Bauart. Die Waffe und 184 Schuss Munition hatte er zwischen 2005 und 2007 bei Fürstenberg in einer alten Russenkaserne gefunden. Das hätte ich anzeigen müssen, dann wäre es nicht zu dieser tragischen Nacht gekommen, erklärte der Verurteilte. Machte er aber nicht, sondern versteckte alles in seinem Wohnhaus.

Trotz des Alkohols hatte er die Maschinenpistole im September aus dem Versteck über eine steile Treppe vom Dachboden geholt. Damals hatte er sich wieder einmal mit seiner Frau gestritten. An dem Abend waren außerdem der zwölfjährige Sohn aus erster Ehe und das gemeinsame zweijährige Kind im Haus.

Gavel, symbol of judicial decisions and justiceWeil der angetrunkene Vater mit der MPi herum lief, hatte der Zwölfjährige eine Stiefschwester per Handy alarmiert. Diese rief wiederum ihre Mutter – also die geschiedene Frau des Waffenbesitzers – an, die die Polizei alarmierte. Der Sohn erklärte, er habe Angst und der Vater wolle sich selbst erschießen. Als die Beamten zum Haus kamen, ging die dramatische Aktion schneller, als ihnen erst lieb war.

„Wir waren leise und wollten erstmal sehen, was wirklich mit der Waffe war“, sagt ein Beamter. Aber plötzlich ging die Haustür auf und die Ehefrau sei völlig verängstigt und verheult erschienen. Diese habe sofort erklärt, ja da sei eine Waffe. Bevor die Beamten reagieren konnten, kam der Waffenbesitzer aus dem Bad. Er habe versucht, das Magazin in die Maschinenpistole zu stecken und auf die Anweisung, die Waffe fallen zu lassen, nicht reagiert.

Als er dann ins Wohnzimmer ging, mussten wir handeln, erklärte ein Beamter. Mit vereinten Kräften sei es gelungen, den MPi-Mann festzunehmen. Erst danach habe man realisiert, dass es sich um viel scharfe Munition und eine völlig intakte MPi handelt. Auf die Rückgabe der Waffe und der Munition verzichtete der Neustrelitzer im Gericht. Der inzwischen 40-Jährige muss jeden Wohnsitzwechsel melden und soll 3000 Euro an einen Hilfsverein für krebskranke Kinder zahlen. Wie die in Tschechien hergestellte und damals geladene Maschinenpistole in die Ruine der Kaserne kam, blieb bis zum Schluss unklar.

Erst vor wenigen Tagen hatte das Landgericht Neubrandenburg einen ehemaligen Rocker in einem ähnlichen Fall zu zehn Monaten Haftstrafe verurteilt, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Bei ihm waren zwei Pistolen und auch Munition, allerdings viel weniger als in Neustrelitz, gefunden worden.


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