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Reden wir darüber – Kinder bauen „Sprach-Kita“ nach und zeigen es Eltern und Großeltern

17. September 2017

„Das da hab ich gemacht“, freut sich Pia und zeigt auf einige der bunten Kinderfiguren. Emil staunt, Kilian auch. Andere Kinder wollen wissen, wo ihr Gruppenraum ist. Die Kleinen stehen im Flur der Kindertagesstätte „Lütt Matten“ und besichtigen ein Modell des ältesten integrativen Kindergartens in Waren. Das Besondere daran: Das bunte Modell haben die etwa 120 emsigen Kinder, aufgeteilt wie bei der Fertigung in einem Betrieb, von Anfang bis Ende selbst gebaut und gestaltet. Das „Kunstwerk“ ist auch „Mittel zum Zweck“: „Lütt Matten“ nimmt jetzt am Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ teil.

„Die Sprachförderung war schon immer ein Schwerpunkt bei uns“, sagt Birgit Wicke als Bereichsleiterin beim Lebenshilfswerk. Bisher kam die Hilfe vor allem sprachverzögerten Kindern mit besonderem Förderbedarf zu Gute. Mit dem neuen Programm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sollen nun alle Kindere mehr davon profitieren. „Dabei wollen wir vor allem die Eltern und Angehörigen stärker ins Boot holen.“

Der Hintergrund ist einfach: In vielen Familie wird zu wenig gesprochen. Kurz vor der Schule fällt dann auf, das bei einigen der Wortschatz zu gering ist. „Bei vielen Eltern spielt das Handy eine zu große Rolle“, hat Grit Suhr beobachtet, die mit dem kleinen Ole auf dem Arm gekommen ist. Sie ist Elternratsvorsitzende, hat drei Kinder und findet das „Sprach-Kita“-Konzept sehr gut. Eigentlich müsse jedem klar sein, erst kommt das Kind, dass seine Eindrücke am besten mit Gesprächen austauschen will, dann alles andere.

„Zweijährige sollten etwa 50 Wörter sprechen und Vierjährige sich weitestgehend fehlerfrei unterhalten können“, nennt Sprecherzieherin Ingeborg Wagner, die das Sprach-Kita-Projekt betreut, die bisher üblichen Standards.

Mit dem erweiterten Programm, bei dem der Bund bis 2020 bundesweit fast eine Milliarde Euro zuschießt, sollen nun alle Kinder „sprachlich da abgeholt werden, wo sie gerade stehen. Da arbeiten wir eng mit den Erziehern zusammen.“

Wie das gehen soll, kann man am Modell schon sehen: „Wir werden das jetzt allen zeigen und mit Mama, Papa, Oma und Opa auch darüber sprechen“, erzählt die Sprecherzieherin den Kleinen. Auf Fotos wurden alle „Fertigungsschritte“ beim Kita-Modell festgehalten: Krippenkinder konnten mit Händen ordentlich mit grüner Farbe den Rasen „malen“, andere bauten „Sandkisten“ aus Papier, ein Modell für das Insektenhotel und auch ein kleiner Hund vor dem Kita-Eingang fehlt nicht.  Damit wurde besprochen, wo Hunde festgebunden werden sollen, damit es nicht zu Bissen kommt.

Jeder der kleinen „Meister“ kann nun seinen Eltern oder Großeltern nun sein „Handwerk“ zeigen. „Reden wir darüber“, heißt das Motto.


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