Stadt muss sich von Facebook verabschieden

5. Oktober 2013

Von Antje Rußbüldt-Gest

Waren. Die Stadtverwaltung Waren wollte mit der Zeit gehen. Aber sie darf nicht. Die Stadtvertreter haben etwas dagegen und beschlossen jetzt die Abschaltung des Facebook-Accounts der Stadt.

Zur Vorgeschichte: Die FDP-Fraktion hatte schon vor einigen Wochen eine Diskussion über die Facebook-Aktivitäten der Stadt in Gang gesetzt. Ihr waren vor allem die amtlichen Facebook-Profile einiger Mitarbeiter ein Dorn im Auge. So posteten Bauamtsleiter Gunter Lüdde, Ordnungsamtsleiter Dietmar Henkel und Kämmerin Wera Ulm seit rund einem Jahr über den Account der Verwaltung in dem sozialen Netzwerk. Vor allem Dietmar Henkel nutzte das Profil, um auf Anfragen, Kritik und Anregungen direkt zu reagieren, unter anderem auf der Seite „Wir sind Müritzer“. Das brachte ihm und der Verwaltung ob der schnellen Reaktion häufig anerkennende Kommentare.

Nachdem die FDP die Abschaltung der Amtsleiter-Profile gefordert hat, reagierte Bürgermeister Günter Rhein umgehend, wartete nicht erst einen Beschluss der Stadtvertreter ab, sondern ließ die kritisierten Profile löschen. Dennoch wurde über Facebook und die Stadt weiter diskutiert, denn im Antrag der Liberalen hieß es auch, dass die Verwaltung eine offizielle Seite für die Stadt anlegen soll. Doch die gibt es bereits seit gut einem Jahr. Und so mussten die Volksvertreter in dieser Woche über die Zukunft der Seite entscheiden. Das haben sie. Mit 10 zu 12 Stimmen besiegelten die Hobby-Politiker das Ende der Facebook-Seite „Stadt Waren (Müritz) Heilbad“, die gegenwärtig 262 Fans hat und zur Wahl sehr schnell über Ergebnisse informierte.

Jetzt soll die Stadt nach dem Willen des Parlaments ein größeres Augenmerk auf die Homepage legen. Das ist auch nötig. Denn auch heute werden die Besucher der Seite noch mit einem Wahlaufruf des Bürgermeisters begrüßt.

Nicht glücklich mit diesem Beschluss sind sowohl FDP-Fraktionschef Toralf Schnur als auch Stadtpräsident Norbert Möller (SPD). „Das halte ich persönlich für sehr bedauerlich“, meinte Schnur. Norbert Möller will das Thema jetzt nicht einfach ad acta legen, sondern es erneut auf die Tagesordnung bringen – nach seinem Amtsantritt als Bürgermeister der Stadt Waren im Januar 2014.

 

Ein Kommentar zum Aus der Facebook-Seite

Schade, schade. Da war die Warener Stadtverwaltung auf dem Weg zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen und muss jetzt wieder zurückrudern. Weil die Stadtvertreter es so wollen. Sie haben mit knapper Mehrheit das Aus der Facebook-Seite beschlossen und nehmen damit in Kauf, dass der Bürgerservice leidet.
Denn wo sonst, hat man einen besseren Draht zu den Bürgern, als über soziale Netzwerke? Wo sonst können die Bürger direkt mit den Amtsleitern in Kontakt treten und schnell wichtige Informationen erhalten?

Nicht nur Einheimische haben auf der Seite die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Hinweise zu lesen. Auch potentielle Gäste klicken neuesten Untersuchungen zufolge immer häufiger die offiziellen Stadtseiten auf Facebook an, um sich über ihr Urlaubsziel zu informieren. Denn: Waren war absolut kein Vorreiter in Sachen Facebook. Zahlreiche Städte nutzen die Plattform, um mit ihren Einwohnern und Besuchern zu kommunizieren.
Eine Stadt, die für ihren Service bereits mehrfach ausgezeichnet wurde, ist Weihnheim. Die Kommune mit ihren rund 43 000 Einwohnern informiert ihre Bürger über die Facebook-Seite „Weinheim.de“ ausführlich und professionell über alles Wichtige, kündigt Veranstaltungen und Sitzungen an und erreicht vor allem auch Leute die sie in anderen Medien nicht erreicht: Junge Menschen, die ihre Infos aus dem Netz holen. Und genau das wäre auch die Chance für die Stadt Waren gewesen: Endlich mal zu zeigen, dass ihr auch die jungen Leute am Herzen liegen. Chance vertan!
Warum? Es ist nur Spekulation, aber wer schätzt, dass mehr als die Hälfte der Stadtvertreter NICHT weiß, wie eine Facebook-Seite aussieht, dürfte nicht so verkehrt liegen.

Insofern: Gut, dass Stadtpräsident und Bald-Bürgermeister Norbert Möller die Flinte nicht ins Korn schmeißt und Facebook trotz dieses Beschlusses im Auge behält.                                                          Antje Rußbüldt-Gest


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2 Antworten zu “Stadt muss sich von Facebook verabschieden”

  1. Biene sagt:

    Bin sehr traurig. Hoffentlich kann der neue Bürgermeister wieder eine Seite in Facebook einrichten.???

  2. Die Stadt hat sich dann wohl lieber für Web 1.0 entschieden. Wäre einmal gut, die Gründe zu kennen, was die 10 von 12 Entscheidern dazu bewogen hat, gegen einen Facebook-Kanal zu stimmen.

    Aber seien wir mal ehrlich: Mit 268 Fans hat die Fanpage – etwa im Vergleich zu WsM mit über 10k– eh kaum jemanden erreicht. Und die Kommunikation fand ja doch eher sporadisch und einseitig statt. Da finde ich das direkte Engagement von Stadtverantwortlichen wie etwa Dietmar Henkel, der sich sehr positiv hier auf der WsM-Fanpage bisher eingebracht hat, angenehm und bürgernah.

    Ein größeres Augenmerk auf die Homepage der Stadt möchte nun das Parlament legen. Das klingt leider sehr schwammig. Sollen jetzt mehr News kommen oder auch mal eine Modernisierung der Website vorgenommen werden? Wie auch immer. Die jetzige Seite entspricht jedenfalls nicht mehr dem Anspruch an heutigen Behörden-Websites…weder beim Design, der Usability, der Barrierefreiheit (eigentlich Pflicht bei Behördenwebsites), der Berücksichtigung von mobilen Endgeräten etc.
    Die Relaunchkosten eines Projekts in dieser Größenordnung, wenn es eine professionelle Agentur macht, liegen im fünfstelligen Bereich. Es könnte sich aber auch wieder ein interessierter Stadtmitarbeiter daran machen, der über Monate (oder Jahre) an der Website rumschraubt. Von den Kosten her käme wohl die Agenturoption günstiger – und ist man an einem guten Ergebnis interessiert, sollten es am Ende wirklich lieber Profis übernehmen.

    Was wäre wohl günstig, einfach und pragmatisch gewesen: einfach die Facebook-Fanpage zu behalten und den Informationsfluss zu optimieren. Schade drum. Und mit dem Abschalten und der Fokussierung auf die Website setzt sich die Stadt nur unter Zugzwang. Da können wir nur hoffen, dass die Stadt sich vielleicht in anderen Kanälen wie „Wir sind Müritzer“ ein bisschen mehr einbringt, damit die Bürger auch die Informationen erhalten, die sie veröffentlichen.

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