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Von blauen Strumpfhosen, DDR-Vasen und Diktatoren

30. August 2016

Was haben Spielzeugpanzer, SS-Uniformen,  Fotos von Dieter Bohlen, Adolf Hitler und  Kunstvasen aus Lauscha sowie Fotoporträts von armen Familien gemeinsam? Das dürfte Kunstfreunde durchaus interessieren. Alle diese Aspekte sind wichtige Details bei der diesjährigen Landeskunstschau Mecklenburg-Vorpommerns und das an der Mecklenburgischen Seenplatte.

Ku1Die Schau des Künstlerbundes Mecklenburg-Vorpommern zeigt rund 200 Arbeiten von 39 Kunstschaffenden aus mehreren Bundesländern und ist nach Ansicht ihrer Urheber nicht nur für Kunstfreunde, sondern auch für Ausflügler ein Muss.

Das liegt auch an der Ausstellungsstätte: Der Neubrandenburger Verein RWN-ART-Galerie hat mehrere Hallen des früheren Panzerreparaturwerkes am Ostufer des Tollensese dafür zur Verfügung gestellt. Auf dem riesigen Gelände wurden bis 1990 Panzer für den gesamten Warschauer Vertrag gewartet.

Das Motto der Schau heißt „Art & Entertainment/Kunst & Unterhaltung“. Daraus haben  die Künstler eine enorme Vielfalt geschöpft.

In zwei Hallen mit etwa 1500 Quadratmetern Ausstellungsfläche finden sich alle Stilrichtungen. „Hier kann man alles sehen, was auch an Kunst in großen Städten gezeigt wird“, sagt Kurator Peter Funken. Dem Thema Armut hat sich der Neubrandenberger Fotograf Bernd Lasdin gewidmet. Er hat 30 Familien in Mecklenburg fotografiert, die von Hilfe leben.

Vertreten sind auch Landschaftsmalereien, ein „Schloss Küsserow Shop“ als Anspielung auf viele Museenshops,  Lars Lehmanns überdimensionales Ölbild „Die Botschafter“ mit 17 Vasen aus Lauscha, die vor 1990  in der DDR als Sammlerobjekte galten.
Die Künstlerin Monika Ortmanns hat als „Willkommen im komischen Ballhaus“ eine Installation mit blauen Strumpfhosen geschaffen. Die Gotthuner Malerin Kerstin Borchardt zeigt eine „digitale Bildstörung“. Dazu hat die zierliche Frau Gedichte geschrieben hat. Diesen können Besucher per Kopfhörer lauschen, während wenige Meter weiter Musik und Installationen in der „Diktatorendisko“  laufen.

Ku5In einem Nebenraum hat der Installationskünstler und Ideengeber für die Landesschau, Sylvester Antony aus Wrodow bei Penzlin, die „Diktatorendisko“ mit Politikerbildern und „Unterhaltungsdiktatoren wie Dieter Bohlen“ aufgebaut. „Was ist Diktatur überhaupt“, fragt der Künstler provozierend.  Dafür hat er Szenen aus NS-Filmen abfotografiert und vergrößert, davor steht ein großer roter Sessel, daneben liegen Fernbedienungen für Spielzeugpanzer.
„Da kann sich jeder mal reinsetzen und als Diktator fühlen.“. Fotos zeigen Hitler, den früheren libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi und Bundeskanzlerin Angela Merkel, die für Anthony „in der Flüchtlingsfrage einfach durchregiert hat“ zusammen mit dem türkischen Staatschef Erdogan. Auch der weißrussische Staatschef Lukaschenko sowie Dieter Bohlen als „Unterhaltungsdiktator“ und „Luxusdiktator Robert Geiss“ sind zu sehen.

Die sehenswerte Schau im ungewöhnlichen Ambiente wird von mehrere Aktionen begleitet und noch bis zum 11. September gezeigt.

Geöffnet: Mi—Fr 14—18 Uhr und Sa—So 11—18 Uhr

Adresse:  RWN – ART- Galerie, Nemerower Straße 16, 17033 Neubrandenburg (Richtung Augustabad)

Internet: http://www.kuenstlerbund-mv.org/ausstellung.html

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