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Von Kandidaten, die nur Stimmen, aber nicht abstimmen wollen

10. April 2014

Malchow war ja schon immer etwas besonderes. Auch politisch gesehen. Das wird auch bei der bevorstehenden Kommunalwahl so sein. Wie schon vor fünf Jahren, steht Bürgermeister Joachim Stein wieder auf der Kandidatenliste der Bündnisgrünen, sagt aber von vornherein, dass er nicht in die Stadtvertretung will, sondern nur auf Stimmenfang ist.

Auch seine Lebensgefährtin, Heike Hellmann, ebenfalls im Rathaus der Inselstadt tätig, kandidiert pro forma. Allerdings auf der Liste der Wählergemeinschaft „Bündnis für Malchow“. Angestellte der Verwaltung dürfen natürlich nicht in der Stadtvertretung sitzen. Entweder, oder.
Joachim Stein und seine langjährige Partnerin Heike Hellmann möchten auch gar nicht in die Stadtvertretung einziehen. Sie wollen nur Stimmen „ziehen“, wie man so schön sagt. Und sie machen auch keinen Hehl daraus, was sie im Gegensatz zu vielen anderen Kandidaten in der Müritz-Region zumindest etwas auszeichnet.
Denn auch in anderen Städten stehen Frauen und Männer auf den Wahlzetteln, die zwar bekannt sind, aber überhaupt nicht die Absicht haben, nach einer möglichen Wahl auch wirklich in den Volksvertretungen mitzuarbeiten. Sie wollen einfach nur mit ihrer Bekanntheit dafür sorgen, dass ihre Parteien und Wählergemeinschaften genügend Stimmen bekommen. Einige von ihnen – wie auch Joachim Stein – haben das vor fünf Jahren schon einmal getan, wurden gewählt, traten ihr Mandat nicht an und machten damit den Weg frei für andere Hobby-Politiker, die zwar nicht genügend Stimmen erhielten, aber unbedingt Politik machen wollten.

Für Joachim Stein geht es darum, seine Mehrheit im Stadtparlament zu sichern, um SEINE Politik weiter zu machen. Für anderen Parteien in Waren, Malchow, Röbel und sonstwo an der Müritz geht es darum, überhaupt in die Kommunalvertretungen einzuziehen.

Alles legitim, das Wahlgesetz lässt solche „Spielereien“ durchaus zu. Nur sollten diejenigen, die gar nicht die Absicht haben, als Volksvertreter zu agieren, das auch von vornherein sagen, so wie es Joachim Stein jetzt tut. Das macht die Sache nicht besser. Aber die Wähler wissen bei der Stimmabgabe zumindest, woran sie sind.

Bild unten: Auf der Facebook-Seite der Malchower Bündnisgrünen sind die Kandidaten veröffentlicht, darunter auch Bürgermeister Joachim Stein.

Stein


Eine Antwort zu “Von Kandidaten, die nur Stimmen, aber nicht abstimmen wollen”

  1. Heinz-Peter Schifflers sagt:

    Auf der Wahlliste als Kandidat im Sinne eines „Zugpferdes“ zu erscheinen, jedoch ein Mandat im Falle eines Wahlerfolges gar nicht antreten zu wollen, offenbart ein in mehrfacher Hinsicht bemerkenswertes Demokratieverständnis. Das ist doch nicht etwa eine Art von manipulativem Verhalten im Sinne einer Wählertäuschung ? Ich dachte, diese Zeiten seien überstanden ! …oder ? Wer sich offiziell um ein Mandat bewirbt, der muss es im Falle einer Wahl auch annehmen. Ansonsten wird dem Verständnis von Demokratie in einem freiheitlichen Rechtsstaat erheblicher Schaden zugefügt. Das wäre eine besondere Art legitimer Wählertäuschung. Ein bemerkenswerter, ja beängstigender Vorgang, der dem sowieso schon rampunierten Ruf der politisch Agierenden entsprechen würde. Welch‘ eine Art von überheblicher Arroganz, welch‘ erschreckende Entfernung vom Volk als Stimmvieh! Der erschreckende Rückgang der Wahlbeteiligung wird weiter fortschreiten…. kein Wunder !