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Wie ein 99-Jähriger den Brand im Betreuten Wohnen erlebt hat

31. März 2017

Auch fünf Tage nach dem verheerenden Feuer in einer Wohnung des AWO-Hauses auf dem Papenberg ist in der Anlage nichts mehr, wie es vor dem vergangenen Samstag war. „Wir konnten zwar alle sieben Mieter, die noch nicht in ihre Wohnungen dürfen, gut unterbringen, aber es sind sehr viele Dinge zu klären, damit auch wirklich alle optimal betreut werden“, berichtet die Leiterin des Betreuten Wohnens bei der AWO, Sigrid Ackermann, im Gespräch mit „Wir sind Müritzer. Bis die Betroffenen wieder in ihre eigenen vier Wände dürfen, wird es wohl noch vier bis sechs Wochen dauern.

Für Kurt Schamel heißt dass, das er seinen 100. Geburtstag in zwei Wochen nicht in seiner Wohnung, sondern in seinem Ausweich-Quartier feiern muss. Doch der betagte Herr nimmt’s ziemlich gelassen. Im Gespräch mit Warens Bürgermeister Norbert Möller, der sich gestern auch ein Bild vor Ort gemacht hat, erzählt der 99-Jährige, wie er den Samstagnachmittag erlebt hat (Foto links).

„Ich habe erst gar nicht gemerkt, dass es gegenüber in der Wohnung brennt. Plötzlich stand ein Feuerwehrmann mit Maske in meiner Wohnung. Ich habe ihn dann erst mal nach seinem Ausweis gefragt. Hätte ja sein können, dass das wieder so eine neue Masche ist, um ältere Menschen abzuzocken“, berichtet Kurt Schamel und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Er habe dann auf den Balkon gehen müssen, und dort sei ein weiterer Feuerwehrmann – ein sehr netter –per Drehleiter zu ihm gekommen und habe sich mit ihm unterhalten.

In seine Wohnung kann der fast 100-Jährige noch nicht, die muss erst – wenn alle Versicherungsfragen geklärt sind – gründlich gereinigt werden. Doch Kurt Schamel hatte Glück, er durfte im Haus bleiben und hat dort eine Ausweichwohnung bezogen. Über den Besuch des Bürgermeisters hat er sich richtig gefreut und will ihn natürlich auch in Kürze zu seinem großen Jubiläum empfangen.

Weitere  Mieter des unbewohnbaren Teils  sind entweder in anderen AWO-Einrichtungen oder bei Angehörigen untergekommen.

Die 83 Jahre alte Frau, in deren Wohnung der Brand ausbrach und die wirklich alles verloren hat – Einrichtungsgegenstände wie persönliche Erinnerungsstücke – lebt jetzt in einem Heim. Vorverurteilen möchte sie in der Anlage am Godower Weg niemand. „Wir kennen die genaue Ursache des Brandes nicht und finden die Spekulationen darüber auch nicht schön“, so Sigrid Ackermann. Dass die Frau Raucherin ist, wisse jeder im Haus, aber das könne ihr weder jemand verbieten, noch dürfe man daraus gleich auf die Brandursache schließen.

Apropos verbieten: Was viele falsch einschätzen: Es handelt sich bei der Anlage um Betreutes Wohnen und eben nicht um ein Heim. Jeder Bewohner verfüge über eine eigenen Wohnung, für die er Miete zahle und in der er natürlich auch machen könne, was er möchte. Alarmübungen gebe es nicht, und es sei nicht rund um die Uhr ein Betreuer vor Ort. Auch deshalb ist Sigrid Ackermann sehr froh, dass die Kollegen aus dem benachbarten AWO-Pflegeheim so umsichtig gehandelt und damit sicher auch Schlimmeres verhindert haben.

Warens Bürgermeister Norbert Möller sicherte der Leiterin des Betreuten Wohnen seine Unterstützung zu. Und Kurt Schamel versprach er, zum 100. Geburtstag wieder mit ihm zu plaudern. Dann aber nicht über Feuerwehrmänner mit Masken im Wohnzimmer.

 


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