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Wie wird man Polizist? Ganz einfach – Man fährt freihändig mit dem Fahrrad auf der Straße

1. Juli 2017

Wie beschreibt man Edo Kuhlmann? Diese Fragen haben sich in den vergangenen Tagen viele ranghohe Polizisten und auch Innenminister Lorenz Caffier gestellt. Denn Edo Kuhlmann, jahrelanger Polizeichef in Waren und an der Müritz nach wie vor zu Hause, ist gestern in den Ruhestand verabschiedet worden. Eine einheitliche Beschreibung für den 62-Jährigen hat niemand gefunden. Am ehesten brachte es der Präsident des Polizeipräsidiums Rostock, Thomas Laum, auf den Punkt: „Edo Kuhlmann kann man in keine Schublade stecken, er ist einfach ein Typ und ein richtig guter Polizist“. Nach 44 Dienstjahren verstaut der Wahl-Warener die Uniform nun ganz hinten im Kleiderschrank.

Polizist war nicht sein erster Berufswunsch. Da gab es – wie bei allen Kindern und Jugendlichen – viele andere. Seine Entscheidung für diesen Beruf fiel auf ziemlich kuriose Art und Weise. Der junge Kuhlmann, Hippie mit langen Haaren, düste – damals noch in seiner Heimat Schleswig-Holstein – freihändig mit dem Fahrrad durch die Gegend und wurde von Polizisten gestoppt, die ihn belehrten und auch bestrafen wollten. Irgendwann meinte er zu den Beamten, dass er ja Polizist werden wolle und kam so um eine Strafe herum. Der Beginn einer Karriere in Uniform.

Nach vielen Jahren bei der Polizei in Grömitz kam der 62-Jährige 1991 nach Waren und baute hier gemeinsam mit seinen einheimischen Kollegen die Polizei neu auf. Denn nach der politischen Wende lag gerade bei den Schutzleuten einiges im Argen. Zum einen hieß es, die Akzeptanz bei der Bevölkerung, die mit den Wende-Wirren verschwunden ist, wieder herzustellen, zum anderen, neue Strukturen aufzubauen. Einer, der schon in Schleswig-Holstein immer an seiner Seite war, ist Jens Fischler, der ihm 1992 an die Müritz folgte und heute die Polizei in Röbel leitet. Er erinnert sich noch sehr genau an die Anfänge: „Wir haben im Keller der Polizei auf dem Mühlenberg gehaust, Bockwurst aus Gläsern gegessen und uns gemeinsam eine ‚Ente‘ gekauft, um mobil zu sein. Das Ding mussten wir immer rückwärts einparken, damit wird im Notfall beim Losfahren angeschoben werden konnten.“

Sowohl Jens Fischler als auch Edo Kuhlmann holten ihre Familien nach und wurden an der Müritz heimisch. Doch während Jens Fischler in der Region blieb, zog es Edo Kuhlmann immer mal wieder weg. Zur Ausbildung für den höheren Dienst, aber auch nach Afghanistan oder zur Absicherung des G8-Gipfels nach Heiligendamm. Und irgendwann ging’s für ihn dann in Richtung Fachhochschule Güstrow, ehe er wieder in den aktiven Polizei-Dienst wechselte – er wurde Chef der Polizei-Inspektion Güstrow – Verantwortung für mehr als 215 000 Einwohner auf einer Fläche von 3421 Quadratkilometern mit 120 Städten und Gemeinden.

Der Polizeiinspektion Güstrow sind die Polizeihauptreviere Güstrow und Bad Doberan, die Polizeireviere Bützow, Sanitz und Teterow sowie das Kriminalkommissariat Güstrow mit seinen Außenstellen nachgeordnet. Dazu gehört auch das Autobahn- und Verkehrspolizeirevier Dummerstorf mit der Außenstelle in Linstow, das die BAB 20 auf dem Gebiet des Landkreises Rostock und die BAB 19 vom Rostocker Überseehafen bis zur Landesgrenze Brandenburg betreut. In dieser Funktion unterstanden dem begeisterten Radfahrer bis gestern 400 Mitarbeiter.

Die müssen jetzt ohne ihn auskommen. Aber vielleicht nicht ganz. Denn nicht nur Innenminister Lorenz Caffier erklärte bei der Verabschiedung, dass er auch weiterhin gerne auf den Rat und die Ideen des 62-Jährigen zurückgreifen möchte.

Doch wer ist nun der Polizist, der ab heute nur noch ohne Uniform unterwegs ist? „Eine markante Persönlichkeit, herzlich, emotional, auch mal lauter mit deutlichen Worten, und ein Chef, der seine Mitarbeiter gefordert und gefördert hat“, versucht Thomas Laum dann doch noch eine Beschreibung.


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