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Wo Fuchs und Hecht sich „Gute Nacht“ sagen

24. August 2013

Von Antje Rußbüldt-Gest3

Waren. Wenn Frank Schwartz seine Kunden kennenlernt, dann ist es meistens schon zu spät. Zu spät für die Tiere. Denn zu ihm kommen Menschen, die tote Tiere haltbar machen lassen wollen. Frank Schwartz ist staatlich geprüfter Präparator, der einzige weit und breit.

„Hier kann es ein bisschen komisch riechen“, warnt der 50-Jährige vor dem Betreten seiner Werkstatt. Gleich am Eingang flößt ein nicht ganz so freundlich wirkender Riesen-Dorsch den Besuchern gehörigen Respekt ein. Da macht der konservierte Hahn schon einen weitaus freundlicheren Eindruck. Den Füchsen guckt regelrecht der Schalk aus dem Nacken, die Rehe wirken zart und aufmerksam, und beim Betrachten des Hechtkopfes kann sich jeder die Freude des Petrijüngers, der ihn am Haken hatte, vorstellen.

Zu den Kunden von Frank Schwartz zählen vor allem Jäger und Angler. Aber auch Naturschutzbehörden, die Tiere für Ausstellungen brauchen, Museen und Schulen nehmen seine Dienste gerne in Anspruch. Auch immer mehr Privatleute klopfen an die Tür des sympathischen Wareners, der sein Handwerk einst im Müritz-Museum gelernt hat und später 17 Jahre am Zoologischen Institut der Uni Hamburg arbeitete. Dort war er dabei, als das beliebte NDR-Maskottchen, das Walross Antje, im Zoo Hagenbeck präpariert wurde.
Aus persönlichen Gründen brach Frank Schwartz vor sechs Jahren seine Zelte in Hamburg ab und kehrte nach Waren zurück. An der Müritz fand er nicht nur eine neue berufliche Perspektive als Selbstsständiger, sondern lernte auch seine jetzige Frau Anja kennen und lieben.

Von Löwen und Hyänen in Mecklenburg

6Zwar war der Start in die Selbstständigkeit wie bei den meisten kein leichter, aber bereut hat der Präparator diesen Schritt bisher nicht. Inzwischen kommen Kunden aus ganz Mecklenburg-Vorpommern in seine Werkstatt. Mitunter auch mit ziemlich ungewöhnlichen Aufträgen. So wie ein Zirkus-Mitarbeiter, der den Kopf und das Fell einer verstorbenen Löwin fürs Wohnzimmer haben wollte. Für Frank Schwartz zwar nicht alltäglich, aber kein Problem. Noch ungewöhnlicher: Nur kurze Zeit später stand der Kunde erneut in der Tür. Dieses Mal mit dem Löwen-Männchen. Das hatte wohl ohne seine Frau keinen Spaß mehr am Leben und verstarb nur wenige Wochen nach ihr. „Das sind natürlich ganz seltene Fälle, aber sie machen diesen Beruf auch so interessant“, sagt der Experte und nennt ein weiteres Beispiel. Denn auch eine Hyäne lag bereits in seinem Atelier. Die Raubtiere sind zwar geschützt, doch diese Hyäne aus Afrika war in einen Stacheldraht geraten und musste deshalb erschossen werden. Bei Frank Schwarz kam sie noch mit dem Draht am Körper an.

Immer wieder Spaß hat der 50-Jährige beim Präparieren von Wisentköpfen, die dann in der Empfangshalle des Damerower Geheges ausgestellt werden. Deutlich kleiner, aber deshalb nicht unbedingt einfacher haltbar zu machen sind Fledermäuse. „Da braucht man schon ein bisschen Fingerspitzengefühl“, verrät Frank Schwartz. Bestellt werden die „Blutsauger“ unter anderem vom Museum Alte Burg in Penzlin.

Mit Föhnfrisur im Wohnzimmer

Zu den Kunden des Wareners7, der seine Werkstatt in der Feldstraße hat, zählen inzwischen viele Privatleute, die ihre Haustiere auch nach dem Tod bei sich behalten wollen. Das fängt bei Hunden und Katzen an, geht über Kaninchen und Schildkröten bis hin zu Papageien. Im Durchschnitt vergehen vier bis fünf Wochen, bis „Morle“, „Pfiffi“ und Co. dann wieder bei ihren Haltern im Wohnzimmer stehen. Zwar nicht mehr quietschfidel, dafür aber hübsch anzusehen. Sogar geföhnt werden die meisten, damit ihr Fell gut liegt. Nur auf Fischköpfe müssen die stolzen Angler etwas länger warten. Denn die werden mit einem speziellen Verfahren konserviert und müssen richtig durchgetrocknet sein, was seine Zeit braucht. „Ich will perfekte Arbeit abliefern und da darf ich mich auch von erwartungsvollen Kunden nicht hetzen lassen“, meint der Präparator. Für die Tiere ist es ohnehin zu spät. Und zum Leben erwecken kann auch Frank Schwartz die Tiere nicht mehr. Für ihre Besitzer werden sie durch seine Arbeit aber wieder ein bisschen lebendig.

www.tierpräparator-mv.de

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