Wo Menschen wichtig sind

2. Februar 2014

Silvia Frahm arbeitet seit gut einem halben Jahr selbstständig. Doch ist sie weder die typische Existenzgründerin, noch die klassische Unternehmerin. Silvia Frahm ist anders. Und vielleicht ist es gerade das, was ihr hilft, ihr kleines Kosmetikstudio bekannt, beliebt und erfolgreich zu machen.

Der Grund, warum sich die 44-Jährige Mitte vergangenen Jahres mit einem eigenen Studio auf den Warener Markt traute, ist alles andere als erfreulich. Silvia Frahm hat ihren Sohn verloren. Jahrelang arbeitete sie als Ergotherapeutin in der Röbeler Klinik, meisterte Job und Pflege des schwerkranken Sohnes Robert, der durch die so genannte Glasknochenkrankheit auf ständige Hilfe angewiesen war und kümmerte sich zudem um ihre beiden Töchter. Zeit für sich selbst hatte sie nur wenig, und wenn, dann waren es die Tage, an denen sie einen Kosmetik-Termin hatte. „Das war meine Auszeit“, erinnert sie sich heute.
Der ganz tiefe Fall kam, als ihr Sohn im Alter von 21 Jahren während einer Operation in Köln starb. „Da ging gar nichts mehr“, erzählt die sympathische Kosmetikerin, die auch heute, rund zwei Jahre später, nach Worten ringt, wenn sie über die damalige Zeit berichtet.

Schnell wurde Silvia Frahm klar, dass sie so wie bisher nicht weitermachen kann und nicht weitermachen will. „Ich war schon immer sehr sensibel, nach dem Tod meines Sohnes ist das noch schlimmer geworden. Die Arbeit als Ergotherapeutin konnte ich einfach nicht mehr machen“, erzählt die Unternehmerin, die auf Außenstehende einen unwahrscheinlich energiegeladenen Eindruck macht.
Nach einer langen Trauer- und Krankheitszeit erinnerte sie sich an ihre Auszeiten bei der Kosmetik, die ihr immer so viel gegeben haben und beschloss, künftig anderen Menschen dieses besondere Gefühl vermitteln zu wollen. „Ich machte eine Ausbildung in Berlin und lernte auch da viele Frauen kennen, die sich selbst so wie ich im Umbruch befanden. Das hat unwahrscheinlich gut getan und Mut gegeben“, berichtet Silvia Frahm.
Auch ihre Familie – der ebenfalls selbstständige Ehemann und die beiden Töchter – bestärkten sie, ihren neuen Traum zu verwirklichen. Bei den Müritzfischern fand sie nicht nur die richtigen Räume am Seeufer, sondern auch viel Unterstzützung. Und so eröffnete die 44-Jährige Mitte vergangenen Jahres ihr Kosmetikstudio „tausendschön“. Von außen noch ziemlich unscheinbar, empfängt die Kunden innen eine warme Atmosphäre, in der man sich von der ersten Minute an wohl und geborgen fühlt.

Zufällige Begegnung

Doch Silvia Frahm wäre nicht Silvia Frahm, wenn an der Eröffnung ihres Studios nicht auch wieder etwas anders gewesen wäre als bei anderen. Sie hat nämlich sofort eine Mitarbeiterin eingestellt – ohne zu wissen, wie ihr Unternehmen läuft. Einfach aus dem Herzen heraus. Denn sie lernte – auch das war Zufall – Julia Wilke kenne. Die 30-Jährige stammt aus Brest, hat dort Jura studiert und kam vor fünf Jahren nach Deutschland. Ihr Studium ist hier allerdings nichts Wert. „Ich hätte noch mal vier Jahre studieren müssen, um hier als Juristin arbeiten zu können“, sagte Julia. Sie hat inzwischen zwei Kinder und kann sich ein weiteres Studium derzeit nicht vorstellen. Da kommt ihr die zufällige Begegnung mit Silvia Frahm zugute. Beide verstehen sich auf Anhieb, beide mögen sich auf Anhieb. Und da Julia während ihres Studiums in einem SPA gearbeitet und gerne Fuß- und Zehnägel verschönert hat, stellt Silvia Frahm sie kurzerhand ein.

Inzwischen haben beide Stammkunden, freuen sich aber auch über neue Gesichter in ihrem kleinen, ungewöhnlichen und gemütlichen Kosmetikstudio.

Foto oben: Julia Wilke verschönert die Nägel von Kundin Bärbel Wolfgramm, die zum ersten Mal bei „tausendschön“ war aber gerne wieder kommt.

Frahm1Silvia Frahm bei der Arbeit. Trotz ihres schweren Schicksalsschlags strahlt sie unwahrscheinlich viel Lebensfreude aus, die sie auch an ihre Kunden weiter gibt.

 


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Eine Antwort zu “Wo Menschen wichtig sind”

  1. Manuela Venz sagt:

    Wer so einen schweren Schicksalsschlag (wie ich auch) durchgemacht hat,kann die Schmerzen nur zu gut nachempfinden.
    Um so mehr freue ich mich für Frau Frahm,daß auch sie wieder die
    Kraft und den Mut gefunden hat,weiter zu machen und wünsche ihr alles Gute
    und viele zufriedene Kunden!

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