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Zusteller finden Kündigung am Heiligabend im Briefkasten

27. Dezember 2014

Es ist wohl eines der schlimmsten Schreiben, das man an einem Heiligen Abend im Briefkasten finden kann: Die Kündigung. Die Zusteller der amtlichen Mitteilungsblätter sowie Informationszeitungen des Sietower Wittich-Verlages haben so einem Brief am 24. Dezember 2014 erhalten. Allerdings: Die Kündigung erhielten sie nicht vom Wittich-Verlag selbst, sondern vom Verteilkontor, das für den Verlag die Zustellung erledigte. Bislang zumindest.

NachtausgabeDenn wie es in den Kündigungsschreiben heißt, will das Verteilkontor diesen Service für Wittich nicht mehr erledigen. In den Briefen, die unserer Redaktion vorliegen, heißt es: „Zum 01. 01. 2015 tritt das Mindestlohngesetz in Kraft. Die gesetzliche Neuregelung wirkt sich auf die gesamte Wirtschaft aus und so steigen auch die Kosten für die Zustellung von Anzeigenblättern, Amts- und Gemeindeblättern sowie für die Logistik und Auslieferung.
Leider ist es ab 01.01. 2015 für uns als Unternehmen nicht mehr möglich, die Vertriebsstrukturen und die daraus resultierenden Kosten zu tragen und somit müssen wir die Zustelleung für den LINUS Wittich Verlag einstellen, so dass das bestehende Arbeitsverhältnis mit Wirkung vom 31. 12. 2014 hiermit beendet wird.“

Harter Tobak am Heiligen Abend, aber auch ein kleiner Lichtblick, denn im Schreiben heißt es auch, dass der Wittich Verlag selbst die Zustellung übernehmen wolle und die jetzt gekündigten Mitarbeiter brauche. Das bestätigte Mike Groß als Geschäftsführer des Sietower Verlages, den wir trotz der Feiertage erreichen konnten.

„Die Bundesregierung hat sich mit ihrer Aussage, wie der Mindestlohn für Zusteller geregelt wird, bis Ende November Zeit gelassen. Das bringt uns jetzt in sehr große Schwierigkeiten“, sagte der Geschäftsführer gegenüber „Wir sind Müritzer“.
Das Verteilkontor könne die Kosten, die durch den Mindestlohn entstehen, nicht tragen, so dass Wittich jetzt nach reichlicher Überlegung wieder ein eigenes Vertriebssystem aufbauen wolle. Deshalb bittet Mike Groß alle Zusteller, sich umgehend beim Vertriebschef Herrn Grzibek, Rufnummer 039931 57931, Mail: vertrieb@wittich-sietow.de zu melden. „Aber auch wir werden die jetzt gekündigten Zusteller alle kontaktieren“, so Groß. Dass die Zusteller ihre Kündigung ausgerechnet am Heiligen Abend erhalten haben, hält auch er für sehr unglücklich.

LINUS Wittich produziert in der Müritz-Region beispielsweise den Röbeler Müritz-Anzeiger, den Landkurier des Amtes Seenlandschaft, das Malchower Tageblatt, das Warener Wochenblatt und den Kreisanzeiger.


2 Antworten zu “Zusteller finden Kündigung am Heiligabend im Briefkasten”

  1. Rainer-Michael Krüger sagt:

    Na, deswegen habe ich auch das Amtsblatt nass und verschmutzt im Postkasten erhalten. Mindestlohn: Damit hat die Politik ja etwas gekonnt. Wenn eine Friseurin vorher 7,50 € verdienst hat, bekommt sie jetzt 8,50 € für 5 Stunden Arbeitszeit. Toll. Angela ist doch umwerfend. Weiter so.

  2. Heinz-Peter Schifflers sagt:

    Die Tatsache, das da jemand am hl. Abend seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Kündigung in den Briefkasten einwirft, spricht für sich und muß eigentlich überhaupt nicht kommentiert werden. Eine derart niederträchtige und gefühllose Art ist mit Sicherheit von bundesweit einzigartiger Natur und verschlägt einem glatt die Sprache. Selbst dann, wenn alles juristisch einwandfrei abgelaufen sein sollte, stellt sich hier die Frage nach Moral und Sitte. Man kann niemandem wünschen, für einen solchen Arbeitgeber(-verein) arbeiten zu müssen. Leider haben viele Menschen keine andere Wahl und sind gezwungen, in solch trauriger Atmosphäre ihren Lebensunterhalt erdienen zu müssen. Arbeitgeber, die in dieser unglaublich arroganten Art mit ihren Mitarbeitern umgehen, gehören auf eine öffentliche Liste…
    In früheren Zeiten hieß das: an den Pranger.
    Ihr HP.S.

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