Neuer Chef der Warener Polizei schnell im Alltag „angekommen“

16. März 2018

Viel Zeit, um sich in Ruhe an der Müritz „einzuleben“, hatte der neue Chef des Polizeireviers Waren, Stefan Philipp, nicht. Erst seit Anfang Dezember im Amt (WsM berichtete), gab es für ein so kleines Revier wie das Warener doch schon ziemlich „dicke Fälle“.

Unter anderem einen Mord an einer Rechtsanwältin und eine heftige Auseinandersetzung mit so genannten Reichsbürgern, die nicht nur straffällig geworden sind, sondern nebenher auch noch versucht haben, die Polizei mit einem Video bloß zu stellen. Doch der „Schuss“ ging für die Querulanten eindeutig nach hinten los.

Trotz dieses turbulenten Einstandes fühlt sich Polizeihauptkommissar Stefan Philipp in seinem neuen Job und vor allem an der Müritz sehr wohl, wie er während eines Pressegespräches bestätigte.

Auch die Fahrzeit – der 38-Jährige lebt mit Frau und drei Kindern in Burg Stargard – stört den Polizeichef wenig. „Das habe ich mir ja so ausgesucht und ich werde von meiner Frau ganz toll unterstützt“, so der 1,97 Meter-Mann, der lieber am Schreibtisch steht als sitzt und in Waren jetzt Chef von 47 Mitarbeitern ist. Eigentlich eine ausreichende Zahl, wie er meint, nur sind natürlich nicht immer alle Polizisten im Dienst. Und für diese Fälle wünscht sich Stefan Philipp dann schon eine etwas größere Mannschaft. Aber wie überall mangelt es auch bei der Polizei an Leuten, selbst auf eine vor kurzem gestartete landesweite Einstellungs-Kampagne kamen bislang nicht genügend Bewerbungen zusammen.

Und auch wenn der Polizeihauptkommissar schon seit einigen Jahren nicht mehr in Schichten arbeiten muss, den Streifendienst und das, was dazugehört, kennt er ganz genau. Deshalb will er auch mit einigen Vorurteilen aufräumen, denn anders als hier und da vermeldet, gibt es derzeit nicht unbedingt mehr Übergriffe auf Polizeibeamte. Allerdings werden die Übergriffe, die stattfinden, heutzutage vor allem durch soziale Medien auch bekannt. Gleiches gilt für Alkoholsünder. „Viele denken, dass hat so enorm zugenommen. Ist aber nicht so. Nur die Aufmerksamkeit ist durch die veränderte Medienwelt eine andere“, so Stefan Philipp.

Ermittlungsverfahren wegen „Reichsbürger-Video“

Was allerdings zugenommen hat – auch in der Müritz-Region – ist die „Öffentlichkeitsarbeit“ der sogenannten Reichsbürger, die sich häufig gegen Polizisten richtet. Das bekamen Beamte des Warener Reviers unlängst am eigenen Leib zu spüren, als sie einen Reichsbürger, der mit dem Auto vor einer Kontrolle flüchtete, verfolgten und schließlich schnappen konnten. Die Mutter des Flüchtenden schrie die Beamten unentwegt an und und filmte die Festnahme – das Netz stellte sich auf die Seite der Polizisten, die unwahrscheinlich viel Ruhe und Gelassenheit bewiesen. „Meine Beamten haben sich schulbuchmäßig verhalten. Respekt“, kommentiert Stefan Philipp.
Gegen den Facebook-Nutzer, der das Video zuerst ins Netz gestellt hat, wurde inzwischen übrigens ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Doch nicht nur „Polizeifälle“ gehören zum Alltag des neuen Revierleiters. Chefaufgaben gibt es viele, auch wenn er nicht alles umkrempeln und anders machen möchte, als seine Vorgänger, von denen es in den vergangenen Jahren einige gab. Nicht so leicht wird dabei wahrscheinlich die Verschönerung seines Reviers. Denn die Polizeiwache am Mühlenberg ist nicht nur eine der unansehnlichsten in Mecklenburg-Vorpommern, sondern inzwischen wohl auch eines der häßlichsten Häuser in Waren.

Dafür kann kein Polizist etwas und dafür kann auch Stefan Philipp nichts. Aber vielleicht schafft er es ja, endlich ein bisschen Bewegung in die seit langem versprochene Sanierung  oder sogar einen Umzug zu bringen. Seine Leute und auch die Müritzstadt hätten es verdient.

Foto unten: Warens neuer Polizeichef und die diensthabende Kollegin Polizeioberkommissarin Cornelia Redelstorff gestern im Warener Revier.

 


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