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„Plüschige“ Patienten belagern das Müritz-Klinikum

17. November 2022

Großer Andrang gestern Vormittag im MediClin Müritz-Klinikum: Schwestern und Ärzte hatten alle Hände voll zu tun, um die vielen Kranken zu versorgen. Aber keine Sorge, an der Müritz gab’s kein schweres Unglück, bei den Patienten handelte es sich nämlich um ziemlich „plüschige“ Zeitgenossen. Doch deren Beschwerden hatten es ganz schön in sich. Vom gebrochenen Bein und schlimmen Bauchweh über deftige Platzwunden und abgebrochene Nasen bis hin zu Verletzungen, die operiert werden mussten, war alles dabei. Ein Team von Schwestern und Ärzten hatte Ambulanz-Räume in eine „Teddyklinik“ verwandelt – mit ganz viel Liebe zum Detail und sichtbar Spaß bei der Betreuung von Einhörni, Emil Rommelbommel, Schnuffi und Co.

„Wir konnten die Teddyklinik aufgrund von Corona ja lange nicht anbieten, um so größer war unsere Vorfreude auf den heutigen Tag“, erzählt Praxisanleiterin Jeanette Romer, die zu den Organisatoren zählte. Gestern kamen die Mädchen und Jungen der benachbarten Kita „Kleine Weinbergschnecken“ mit ihren kranken Lieblingen in die Klinik. Zunächst schauten sie noch etwas unsicher, doch schon die nette Schwester Theresa an der Anmeldung – niedlich geschminkt – nahm ihnen jegliche Ängste, sofern sie denn überhaupt bestanden. Denn Hauptanliegen der „Teddyklinik“ ist zum einen, den Knirpsen die Angst vor dem Krankenhaus zu nehmen, und ihnen so ganz nebenbei auch noch einiges beizubringen. Wie beispielsweise das richtige Desinfizieren der Hände.

Schmerztrunk schmeckt nach Apfelsaft

Von der Anmeldung ging’s je nach Diagnose entweder zum Röntgen, zum Abhorchen oder gleich in den OP. Einer der ersten, der unters Messer musste, war ein Eisbär. Ihn hatte es am Knie erwischt. Assistenzärztin Maja Wolnik, die normalerweise auf der Urologie des Müritz-Klinikums für ihre Patienten da ist, bereitete alles stilecht für den anstehenden Eingriff vor und erklärte der kleine „Mama“ des Eisbären, was gleich passiert. Die meisterte die komplette OP auch richtig cool und half zwischendurch sogar mit. Man könnte meinen, sie hatte nicht zum ersten Mal OP-Besteck in der Hand…

Bei anderen Kuscheltieren reichte zum Glück das Abhorchen, Fiebermessen oder ein fachmännischer Blick in die Ohren bei Fachärztin Kathleen Schulz von der Kinderklinik. Dennoch: Alles muss seine Ordnung haben, und so ging’s für die plüschigen Patienten auch immer zu Zopf-Schwester Ilka auf die Waage und zum Maßband. Erst dann gab es ein Rezept, mit dem die Kita-Kinder in die Apotheke zu Schwester Kristina marschierten. Dort erhielten sie entweder bunte Pillen – in diesem Fall Smarties – oder einen Schmerztrunk, der verdächtig nach Apfelsaft schmeckte. Und – jedes Kind verließ die Teddy-Klinik nicht nur mit dem eigenen Kuscheltier, sondern bekam noch eins dazu.
„Unser Geschäftsführer Sven Hendel fand unsere Idee gleich gut, ließ uns freie Hand und hat die Teddys spendiert“, berichtet Jeanette Romer, die gestern als „Frau Dr. Pille mit der großen klugen Brille“ daher kam. Auch Dr. Kathrin Kretschmer, kommissarische Leiterin der Kinderklinik, nahm sich die Zeit und besuchte ihre besonderen Patienten auf der Extra-Station. Da hatten Püppi und Co. doch tatsächlich so etwas wie eine Chefarzt-Behandlung.

Sehr amüsant gestalteten sich übrigens manchmal die Gespräche mit den Mini-Eltern. „Wohnt Dein Kuscheltier in Waren? – Nein, zu Hause!“ Okay, ist ja nicht verkehrt.
„Was hat denn Deine Kuscheltier für eine Krankheit?“ – „Keine“. Auch gut, musste sich der Schnuffel eben nur einer Vorsorge-Untersuchung unterziehen.
„Hier die Medizin, die Du schon mal für Dein Kuscheltier probieren kannst.“ – „Nein, ich darf von anderen keine Medizin nehmen.“ Gut gelernt und gut behalten, kann man da nur sagen.
„Das Pflaster an der Nase kannst Du nach zwei Wochen wieder ab machen.“ Nein, das bleibt immer dran.“ Konsequente Ansage.
„Aha, Dein kleiner Patient ist also aus dem Bett gefallen, das ist ja nicht so schön.“ Nicht schlimm, ich falle auch öfters aus dem Bett.“ Na hoffentlich endete das dann nicht im Klinikum.

Fazit der gestrigen „Teddyklinik“: Die Mitarbeitern des Warener Krankenhauses haben das geschafft, was sie wollten: Von den kleinen Kita-Kindern hat jetzt wohl niemand mehr ganz, ganz große Angst vor Ärzten, Schwestern, Stethoskopen, Medizin und der Klinik.

Und noch eine ganz persönliche Anmerkung: Der gestrige Termin in der „Teddyklinik“ war mit Abstand einer der schönsten journalistischen der vergangenen Monate: Dieser Einsatz, mit dem die Klinik-Mitarbeiter die Teddystation unwahrscheinlich detailreich eingerichtet haben, ihre Freude und Liebe bei der Begleitung der kleinen Besucher und die Fürsorge, mit der die Kita-Kinder sich um ihre ‚kranken‘ Kuscheltiere gekümmert haben, waren in dieser rauen Zeit einfach sehr wohltuend.


Eine Antwort zu “„Plüschige“ Patienten belagern das Müritz-Klinikum”

  1. Vielen Dank an alle Akteure, die diesen Tag an unserem Klinikum zu einem ganz besonderen Tag gemacht haben. Das war sicher kein einmaliges Erlebnis. In der heutigen schnelllebigen Zeit eine der schönsten „Geschichten“ dieses Jahres. Nochmals herzlichen Dank an ALLE Kollegen*innen.