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Taxifahren an der Mecklenburgischen Seenplatte jetzt deutschlandweit mit am teuersten

25. November 2022

Klammheimlich hat der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte eine neue Verordnung fürs Taxifahren zum 1. November dieses Jahres erlassen – mit einer richtig saftigen Erhöhung. Taxifahren an der Seenplatte wird damit zum wahren Luxus und: Die neuen Taxitarife gehören damit zu den höchsten in ganz Deutschland. Eine öffentliche Mitteilung über die neuen Preise die es wirklich in sich haben, hielt die Kreisverwaltung nicht für nötig. Zwar ist die Verordnung auf der Homepage des Kreises veröffentlicht worden, aber wer da nicht regelmäßig die Satzungen durchstöbert – und wer macht das schon – erlebt bei der nächsten Taxifahrt eine dicke Überraschung.
Die letzte Erhöhung ist gerade einmal eineinhalb Jahre her. Betroffen sind natürlich alle, die irgendwann einmal ein Taxi nutzen, aber vor allem jene, die regelmäßig auf Taxifahrten angewiesen sind. Und davon gibt es ob des nicht flächendeckend ausgebauten öffentlichen Personennahverkehrs in unserer Region sehr viele.

In Deutschland werden Taxitarife behördlich von Städten oder Landkreisen festgelegt. Der Tarif ist für alle Taxis und Taxiunternehmen innerhalb des Pflichtfahrgebietes verbindlich und darf weder über- noch unterschritten werden. Dies wird mit in den Taxis installierten und behördlich geeichten Taxametern sichergestellt.

Und das ändert sich:

Der Grundpreis je Fahrt steigt von 3,50 Euro auf 4 Euro werktags in der Zeit von 6 bis 22 Uhr, an Sonn- und Feiertagen sowie nacht von 22 bis 6 Uhr sogar von 3,50 Euro auf 4,50. Die Unterteilung in werktags, nachts sowie Sonn- und Feiertag gab es bislang nicht. Sie ist neu in der Verordnung. Das heißt also, dass sich alleine der Grundpreis werktags um mehr als 14 Prozent und nachts sowie an Sonn- und Feiertagen sogar um fast 29 Prozent erhöht.

Der Kilometerpreis für den 1. und 2. Kilometer steigt von 2,90 Euro auf 3,20 Euro, nachts sowie an Sonn- und Feiertagen sogar auf 3,50 Euro je Kilometer – eine Erhöhung um fast 21 Prozent.  Für den 3. und 4. Kilometer von 1,90 Euro auf 2,50 Euro bzw. 2,70 Euro je Kilometer und für jeden weiteren Kilometer von 1,70 Euro auf 2,20 Euro bzw. 2,50 Euro je Kilometer.

Die Wartezeitkosten – Wartezeiten, die durch den Auftrag begründet sind – werden jetzt  mit 40 Euro je Stunde veranschlagt – bislang waren es 35 Euro.

Für die Inanspruchnahme eines Großraumtaxis ist einmalig ein Zuschlag von 7  Euro ab der Mitnahme des fünften Fahrgastes zu erheben – bislang waren das 6 Euro.

Wir haben auch ein Beispiel parat, was diese enorme Erhöhung bedeutet: Möchte eine Rentnerin aus Klink zum Ärztehaus am Kietz, so sind das ca. 9 km bzw. 13 Minuten – Kosten für eine Strecke: 27,40 Euro. Macht hin und zurück ca. 55 Euro. Natürlich muss der Taxifahrer jede Strecke doppelt fahren (erst hin und dann wieder zurück), so dass es für ihn ca. 30 min und 18 km sind. 18km Dieselkosten: 2,88 Euro (bei einem Dieselpreis von 2 Euro und einem Verbrauch von 8l / 100 km). 30 min Personalkosten: 9,00 € (bei einem Stundenlohn von 15 Euro und 20% SV-Abgaben)
Die unmittelbaren Kosten liegen also bei knapp 13 € – der Fahrgast zahlt 55 € Gesamtkosten, von denen dann 7 Prozent Mehrwertsteuer abgehen.

Natürlich stehen die Taxis auch oft und warten auf Fahrgäste, obwohl der Fahrer dafür Geld bekommt – und die Autos müssen auch mal repariert werden. Doch die jüngste Preissteigerung ist somit nicht mit den gestiegenen Benzinpreisen oder dem höheren Mindestlohn erklärbar, wie man an dem Klinker Beispiel sieht.

Damit liegt der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte mit den Taxikosten mittlerweile 20 bis 25 Prozent über den Taxitarifen in Berlin, obwohl in Berlin mit den vielen Ampel und Staus die Fahrtzeiten deutlich länger sind als bei hier auf dem Land.

Hier der Vergleich:

Grundpreis MSE: 4,00 €

1.-2.km MSE: 3,50 €

3.-4.km MSE: 2,70 €

Ab 5. km MSE: 2,20 €

Wartezeit pro Stunde: 40 €

Grundpreis Berlin: 3,90 € (Normaltarif)

1.-7.km: 2,30 €

Ab 8. Km: 1,65 €

Wartezeit pro Stunde: 33 €

Eine 4-km-Strecke kostet also in Berlin 13,10 € und im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte 16,40 € – hier zahlt man also 25,2% mehr als in Berlin.

Selbst in München ist man günstiger unterwegs als an der Seenplatte: Grundpreis 5,50 €, Je km: 2,30 €. Bei einer 4km-Strecke sind das in München 14,70 € und im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte 16,40 €.

Und hier eine Übersicht über alle Taxitarife in Deutschland: http://www.derinnenspiegel.de/taxitarife/uebersicht/taxitarife1.php

Danach hat der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte einen der höchsten Taxitarife in Deutschland. Und das in einem Landkreis, mit vergleichsweise niedrigen Einkommen, weiten Fahrstrecken und einem eher mäßigen öffentlichen Personennahverkehr.


10 Antworten zu “Taxifahren an der Mecklenburgischen Seenplatte jetzt deutschlandweit mit am teuersten”

  1. Niels sagt:

    Hallo. Das die mecklenburgische Seenplatte die teuerste Taxiregion ist, okay, dass ist nicht nachvollziehbar, aber die Rechnung des Beispiels geht nicht auf, weil die Beschaffungs- und Wartungskosten anteilig fehlen, keine KFZ-Steuer eingerechnet wurde und die Mietkosten für eine Taxizentrale und Stehplätze fehlen. Zudem kommt noch die Personenbeförderunglizenz sowohl für den Fahrer, als auch technisch für das KFZ. Und wenn nur der Mindestlohn als Faktor genommen wird, wird es keine Taxifahrer in unserer Region mehr geben. Angenommen an einem schlechten Tag hat der Fahrer nur 2 Fahrten (z.B. nach Klinik), steht aber 8,75h zur Verfügung, mit wieviel Geld geht er nach Abzug aller Kosten nach Hause? …. könnte schon besser laufen.

  2. Bernd sagt:

    In den ersten 3 Artikeln in WsM geht es um Einbrüche ,Diebstahl und um Klauerei. Nichts ist mehr sicher. Dank unserer lächerlichen Justiz wird es auch noch schlimmer werden. Niemand wird zur Verantwortung gezogen. Es werden Personalien aufgenommen und dann dürfen die Ganoven wieder gehen. Die lachen sich einen und machen woanders weiter. Und immer mehr kommen nach.Spricht sich ja rum.
    Die Bevölkerung und Unternehmen sollen aber viel Geld ausgeben ,für teure Fenster und Türen und Schlösser und Kameras usw.Wo bleiben eigentlich unsere Steuergelder??…Ach ja,für Panzer und für dämliche Grenzzäune gegen illegale Wildschweine.

  3. W sagt:

    Preiserhöhungen sind normal für uns alle, schon lange. Dass bei 10% Inflation gegenüber dem letzten Jahr die IG Metall pro Jahr 4% Lohnerhöhung (Laufzeit beachten) als Erfolg verkauft, auch. Dass die örtlichen Unternehmer unverschämt niedrige Löhne zahlen, ist auch kein Geheimnis. Die meisten können von 4% nur träumen.
    Liebe Taxifahrer. Aber ihr dürft mitziehen, mit zweistelligen Prozenten. Ich glaube nicht, dass der Landkreis das gegen Eure Innung entschieden hat. Aber habt Ihr Euch mit dem Landkreis nicht einen schlechten Zeitpunkt für die Preiserhöhungen ausgedacht? Was meint ihr, woran die Leute, für die es derzeit immer knapper wird, zuerst sparen. Genau, worauf die meisten wirklich relativ leicht verzichten können. Auch wird es immer günstiger, jemanden abzuholen oder wegzubringen, mit zwei Fahrten, statt evtl. einer mit dem Taxi. Niels, dann ist es für Euch eben nur noch eine Fahrt pro Tag. Macht nichts. Beim Herumstehen kann man ja träumen. Vielleicht ist es ja ein Lottogewinner, der ein Trinkgeld gibt, womit auch der Chauffeur ausgesorgt hat. So wird alles gut.

  4. A. Marx sagt:

    Mit Verlaub: Die sachliche Feststellung einer faktischen Erhöhung ist eine Sache, wenn sie sich an allen Fakten orientiert.

    Zwar kann ich aus der Ferne das bisherige Niveau der bisherigen Preisbildung nicht bewerten, jedoch muss zu ihrem Artikel Einiges ergänzt werden.

    Was sind die Fakten?

    Die Lohnkosten haben einen Anteil von ca. 50% an den Gesamtkosten eines Taxibetriebes!
    Innerhalb dieses Jahres hat sich alleine der Mindestlohn um 25% erhöht! Somit rechtfertigt alleine der Mindestlohn bereits eine Preisanpassung um 13%.

    Neben den inflationsbedingten Kostensteigerungen, schlagen sich alleine die Mehrkosten beim Kraftstoff mit zeitweilig bis zu 35% in den Unternehmensbilanzen nieder.
    Hinzu kommt eine inflationsbedingte Kostensteigerung bei Wartung, Reparatur und Neuanschaffung der Fahrzeuge.

    Standzeiten aufgrund nicht lieferbarer Ersatzteile sind ebenfalls zu berücksichtigen.

    Last but not least sind coronabedingte Nachfragerückgänge und zusätzliche Aufwendungen im Sinne einer gesetzlich gewollten Verkehrsbedienung ebenso in die Preisbildung mit einzubeziehen.

    Und wer es bisher nicht wusste:

    Taxiunternehmen dürfen ihre Preise nicht selbst bestimmen, sind aber an diese gebunden und müssen mit ihnen eigenwirtschaftlich und ohne Zuschüsse der öffentlichen Hand auskommen.

  5. Sebastian sagt:

    Mecklenburg hat im Durchschnitt die geringste Löhne und jetzt die teuersten Taxitarife. Das passt gut: die Taxi stehen dann lange ohne Fahrten.

    Das hat der Landkreis doch gut geregelt.

  6. Petra sagt:

    Ja das ist nicht das Einzigste was hier teurer ist, siehe Benzinpreise. Bei den „Topverdiensten“ geht sowas immer nach hinten los. Preiserhöhung = weniger Nutzer = kaum Einnahmenerhöhung. Nur gute Angebote erhöhen die Nachfrage, aber das ist auch z B. in Waren noch nicht angekommen. Neben fehlender Vielfalt, sind es die Preise, die immer mehr Kunden in anderen Regionen einkaufen lassen.

  7. Emil sagt:

    Sehe ich änlich wie Petra.
    Statt die Taxipreise zu erhöhen und damit das Angebot noch unattraktiver zu machen, hätte man die Preise auf der alten Höhe halten müssen oder sogar günstiger gestalten.
    Oder eben auch die Kalkulation insgesamt ändern (wobei ich eine Tag/Nacht Staffelung gut finde).
    Klar müssen die Taxifahrer mit den Einnahmen betriebswirtschaftlich haushalten.
    Aber ich sehe die doch auch nur mehr rumstehen als fahren und das bringt keinen einzigen Euro.

    Ich habe noch nie verstanden, wieso man ein Taxi nimmt – einfach weil es extrem teuer ist.
    Da frage ich lieber meine Nachbarn oder Freunde und lade die zum Essen ein oder drück denen 10 oder 20 Euro in die Hand.

    Das Beispiel Klink – Kietz ist doch eine Paradebeispiel.
    Es fährt ein Bus von Klink nach Waren (Bürgerhaus), also nimmt ein Taxi doch nur ein bewegungseingeschränkter Mensch (ältere Personen) und der Rest geht dann die paar Meter vom Bürgerhaus zum Ärztehaus am Kietz oder von der Haltestelle Sparkasse zum Ärztehaus (450 Meter).
    Das Taxi kostet mich dann für die Hinfahrt 28 Euro.
    Ehrlich – gebt mir 10 Euro bar auf die Hand und ich fahr euch als meinen Nachbar gerne zum Arzt, gehe für 20 Euro einkaufen und eine Runde in der Stadt spazieren und fahr euch für 10 Euro wieder nach Klink.
    50 Euro hätte jetzt jemand ausgeben müssen.

    Gerade wenn nächstes Jahr das Deutschlandticket kommt, werden einige mehr mit den Bussen fahren und dann noch weniger mit dem Taxi.
    Diese Preise schrecken doch nur ab.

  8. Warener Oldie sagt:

    Wir haben einige Bekannte in den umliegenden Gemeinden. Früher haben wir uns nach Feiern vom Taxi nach Hause fahren lassen. Jetzt spricht man sich halt mit Bekannten ab, das man sich zu solchen Anlässen gegenseitig hilft und so die Fahrten
    organisiert. Ich denke, das wird zunehmen.

  9. W sagt:

    A. Marx, ihre Fakten in Ehren. Ein Preis bildet sich aber nicht wie in der DDR aus den Kosten und politischen Dirigismen, sondern orientiert sich langfrsitig nur am Angebot und der Nachfrage. Wenn also das Angebot an Taxis knapp ist und die Nachfrage groß, sei das in Ordnung. Dazu passt aber, dass ein Fahrer oft am Tag nur zwei Fahrten bekommt, schlecht. Und wenn ich sehe, dass die Taxifahrer nur nach dem Eintreffen von Zügen mal einen Fahrgast aufschnappen, kommen mir Zweifel. Sie können natürlich versuchen, nur mit den von Krankenkassen bezahlten Fahrten auszukommen. Dass dabei nicht auch den Sechser geguckt wird, führt zu Konkurrenz, ist wohl eine bequeme, aber keine dauerhafte Lösung.

    Nebenbei: Ich muss auch ein gutes Angebot machen, damit ich, scheinbar sicher in einem Großunternehmen angestellt, Aufträge bekomme. Da heißt es mehr leisten, als auf dem Papier steht, um die Nachfrage hoch zu halten. Spätestens beim Stundenschreiben, wenn womöglich nicht auf Produktives, wird es, zunächst im Hintergrund, dann persönlich, ernst. So gilt Angebot und Nachfrage durchs Hintertürchen auch bei einer modernen Festanstellung. Halbe Stunden Dösen ist nicht.