Kommentar: Der Zootag und das Schaulaufen der Politiker

21. August 2023

Landeszootag. Zum vierten Mal haben Kinder bis 14 Jahre am morgigen Dienstag freien Eintritt in Zoos und Tierparks Mecklenburg-Vorpommerns. Eine wirklich coole Sache. Leider mit bitterem Beigeschmack. Denn der Landeszootag verkommt zum Schaulaufen der Politiker. Nicht erst seit diesem Jahr, aber nun fällt’s besonders auf: Sämtliche Minister der Schwesig-Regierung wollen sich morgen in den Zoos für dieses Angebot feiern lassen. Die Ministerpräsidentin selbst eröffnet den Landeszootag im Zoologischen Garten Schwerin, schafft das aber nicht alleine und nimmt gleich mal Minister-Urgestein Till Backhaus mit, um sich für das großzügige Angebot beklatschen zu lassen.

Innenminister Christian Pegel, bekannt dafür, die Fernsehkameras geradezu zu suchen, tummelt sich im Familientierpark Wolgast, Justizministerin Jaqueline Bernhardt will sich im Zoo Stralsund sonnen, Finanzminister Heiko Geue holt sich das Dankeschön für die großzügige Geste im Tierpark Marlow ab, Wirtschaftsminister Reinhard Meyer hofft im Wildpark Güstrow auf viel Applaus, Bildungsministerin Simone Oldenburg verkauft den Landeszootag morgen im Tierpark Wismar als „Lernen am anderen Ort“, Gesundheitsministerin Stefanie Drese gibt sich im Zoo Rostock die Ehre, und die Staatssekretärin für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten, Susanne Bowen, präsentiert sich im Ozeaneum. Zudem haben verschiedene Landtagsabgeordnete angekündigt, in ihren Wahlkreisen ebenfalls dabei sein zu wollen.

Ganz großes Kino also. Hier geht’s offenbar nicht vordergründig um die Kinder, sondern darum, dass Landespolitiker Pluspunkte sammeln wollen. Warum um alles in der Welt lassen sie den Landeszootag nicht Landeszootag sein? Warum braucht es in den Zoos die Minister-Riege, wenn’s doch angeblich darum geht, den Kinder und ihren Eltern einen schönen Tag zu bescheren? 

Ohnehin hat man derzeit den Eindruck, dass es in Mecklenburg-Vorpommern gerade nichts zu tun gibt. Minister und Staatssekretäre sind unterwegs. Sie suchen sich Vorzeige-Projekte und gut laufende Unternehmen, um sie besuchen. Das nennt sich dann Sommertour. Man gibt vor, den Kontakt zum Bürger zu wollen. Aber zumeist sind gar keine Bürger dabei. Alle Termine gut ausgesucht von den Mitarbeitern der Minister. Manuela Schwesig beispielsweise rühmt sich mit 17 Terminen in 7 Tagen – Konfliktpotential bei diesen Treffen gleich null. Man will Friede, Freude, Eierkuchen. Und das viele Tage lang.
Dabei gibt’s in Mecklenburg-Vorpommern – wie in allen anderen Bundesländern auch – gerade jede Menge Probleme. Aber Werbe-Touren in eigener Sache scheinen für Frau Schwesig und Co. wichtiger. Beim Landeszootag genauso wie bei den ach so volksnahen Sommertouren.

                                                                                                                                               Antje Rußbüldt-Gest


7 Antworten zu “Kommentar: Der Zootag und das Schaulaufen der Politiker”

  1. gerdi sagt:

    ein ganz toller beitrag,den nagel voll auf den kopf getroffen,vielen dank frau rußbüldt !!!

  2. rmk sagt:

    Danke für diesen Beitrag

  3. Blume sagt:

    Ihr Beitrag stellt die Wahrheit dar und spricht mir aus dem Herzen. Haben diese hochdotierten Volksvertreter keine anderen wichtigeren Regierungsprobleme zu lösen? Welch ein teurer Unsinn! laßt Euch lieber in den Schulen, Krankenhäusern oder Altenheimen zu Gesprächen blicken. Dort seht ihr die wahren Probleme an der Basis des Lebens! Stimmenfang durch Kinderlächeln? Wie absurd!

  4. PETER sagt:

    Im Zoo dort gehören die Herrschaften auch hin.

  5. Marianne sagt:

    Wieder klare Worte von Ihnen, vielen Dank! Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich finde es widerlich, daß Politiker die Kinder für ihre eigene Propaganda nutzen. Nichts anderes ist das. Sie sind dss einzige Medium weit und breit, daß sich traut, Missstände anzusprechen. Ich kann mir gut vorstellen, daß Sie deshalb selbst auch Probleme bekommen. Halten Sie durch und legen bitte, bitte weiterhin die Finger in die Wunden. Eine sehr treue Leserin.

  6. Willy sagt:

    Ich möchte noch ergänzen, dass Urlauberkinder n i c h t vom freien Eintriit provitieren. Dieses Privileg haben nur „Einheimische“

    Ich weiss nur nicht wie man das feststellen will. Mit 14 Jahren gibt es noch keinen Personalausweis.
    Und im Schülerausweis steht keine Adresse drin.

    Das politische Signal das von dieser Regelung ausgeht ist, Gäste sind weniger Wert.

  7. Adrian Nairda sagt:

    Zoos sind gemein einfach nicht gut für Tiere. Die Tiere zeigen oft Verhaltensstörungen, haben oft keine hohe Lebenserwartung. Werden in Käfigen gehalten. Immer sehr traurige Videos die man aus Zoos sieht.. :(