Pastor, der einst Honeckers aufnahm, gestorben

1. Oktober 2023

Vor dem Tod war ihm nicht bange – nun ist er diesen Schritt gegangen:  Pastor Uwe Holmer, der einst Erich Honecker (1912-1994) in Lobetal nahe Berlin bei sich und seiner Familie aufnahm, ist gestorben. Holmer, der seit Jahren bereits im mecklenburgischen Serrahn bei Krakow am See wohnte, war im Februar dieses Jahres 94 Jahre alt geworden. Er starb am 25. September, wie die Nordkirche mitteilte. „Ich weiß, ich komme zu Gott heim“, hatte Holmer zu diesem Thema bereits vor einigen Monaten zu WsM gesagt.

Holmer hatte ein erfülltes Leben, wie er selbst sagte. Er war Pastor in Leussow in Mecklenburg, später Leiter einer Bibelschule bei Berlin, in den 1980er Jahren Leiter der diakonischen Einrichtung Hoffnungstaler Anstalten in Lobetal. Mit seiner ersten Frau, die früh starb, hat er zehn Kinder, von denen die meisten in der DDR die Oberschule nicht besuchen durften. Er heiratete 1996 zum zweiten Mal und durfte er sogar noch mit seiner zweiten Frau im Dezember 2021 Silberhochzeit feiern. Beide zusammen kommen auf 15 Kinder, mehr als 50 Enkel und sehr viele Urenkel.

Aber berühmt hat Holmer ein besondere Lebensabschnitt gemacht, der sogar verfilmt wurde. Der Film heißt „Honecker und der Pastor“, wurde von Jan-Josef Liefers verfilmt und bekam gute Kritiken. Damals im aufgeregten Januar 1990, wenige Wochen nach dem Mauerfall und der Offenlegung der Staats-, Partei- und Stasi-Privilegien, wurde eine Bleibe für den krebskranken Ex-Staatschef Honecker gesucht. Letztlich kamen die gestürzten Margot und Erich Honecker bei Familie Holmer in Lobetal unter. Für zehn Wochen.

Die Hoffnungsthaler Anstalten hatten dort schon 1905  eine Einrichtung gegründet wurde, um das Elend von Obdachlosen und Arbeitslosen aus Berlin zu lindern. Später kamen dort Behinderte, zu DDR-Zeiten auch Regimegegner, und heute immer noch Hilfsbedürftige und ältere Menschen unter.

Man darf nicht nur Nächstenliebe predigen, sondern müsse sie auch leben – war Holmers Devise, im Fall Honecker, mit dem er auch über politische Dinge diskutieren konnte, auch gegen den Willen einiger Wegbegleiter. Mit den Lobetalern stellten sie sich auch Menschen entgegen, die zum protestieren gegen die Honeckers nach Lobetal kamen. 

Die Familie rückte damals im Haus zusammen.

Später wurde klar, dieses Vorgehen Holmers hat auch zur Versöhnung der Ostdeutschen mit ihrer eigenen friedlichen Revolution beigetragen, und vor allem dazu, dass sie ganz friedlich blieb. „Diese Thematik ist in dem Film gut herausgekommen“, fand Holmer, als der Film Anfang 2022 herauskam. Liefers hatte ihn dafür auch in Serrahn besucht.  


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