Anzeige

Ab wann hatte der Stiefvater von Leonie einen “Tötungsvorsatz”?

18. Dezember 2020

Der Stiefvater der kleinen Leonie aus Torgelow, der vor knapp einem Jahr wegen Mordes zu “Lebenlänglich” verurteilt worden war, wird im Januar erneut vor Gericht erwartet. Wie “Wir sind Müritzer” erfuhr, beginnt am 19. Januar die vom Bundesgerichtshof angeordnete Neuverhandlung am Landgericht Neubrandenburg. Dabei soll genau geklärt werden, ob der damals 27-jährige David H. mit einem “Tötungsvorsatz” gehandelt hat, und wenn ja, ab wann. Dazu muss aber nicht der gesamte erste Prozess (WsM berichtete) neu aufgerollt werden, sagen Rechtsexperten. Der BGH hatte in seiner Beurteilung das gesamte Tatgeschehen von damals, also die vorangegangene Misshandlungen des Mädchens und ihres kleineren Bruders, bestätigt.

Bisher sind auch nur drei Verhandlungstage vor einer anderen Kammer als beim ersten Mal vorgesehen – bis Mitte Februar.

Die Richter sollen diesmal nur nochmal genauer untersuchen, ob der Angeklagte die Sechsjährige am Tag ihres Todes Anfang Januar 2019 vorsätzlich so stark misshandelt hatte, um frühere Taten zu vertuschen. Der Stiefvater war vor knapp einem Jahr nach einem aufwendigen Prozess wegen “Mordes durch Unterlassen in Tateinheit mit Körperverletzung mit Todesfolge” zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Der Stiefvater hatte nach Ansicht der Richter erkannt, dass das Mädchen schwer verletzt war, aber verhindert, dass rechtzeitig Hilfe geholt werden konnte. Der Verurteilte hatte die Gewalttaten vor Gericht von seinem Anwalt bestreiten lassen. Er hatte bis zuletzt an seiner Version von einem Treppensturz des Mädchens im Hausflur mit ihrem Puppenwagen festgehalten. Das nahmen ihm aber die Richter nicht ab – auch weil die Mutter hinter verschlossenen Türen von Gewalttätigkeiten ihres Partners berichtet hatte.

Nach Ansicht des Gerichts hatte der Verurteilte Leonie mit einem Sicherungsbügel ihres Puppenwagens so heftig auf den Kopf geschlagen, dass das Mädchen davon eine Hirnblutung bekam. An dem Bügel waren Leonies DNA-Spuren entdeckt worden. Das Ganze habe sich abgespielt, als Leonies Mutter damals einkaufen war. Ob auch gegen die Mutter ein Strafverfahren eröffnet wird, darüber ist noch nicht entschieden.


Kommentare sind geschlossen.