Auszubildende in MV zeigen sich zufrieden mit ihrer Wahl

5. Juli 2023

In den Monaten April und Mai haben die 15 Industrie- und Handelskammern aus Brandenburg, Mecklenburg- Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen traditionell die Auszubildenden des 1. Ausbildungsjahres (2022/20023) zur Berufswahl und zu ihren bisherigen Ausbildungserfahrungen befragt. Es beteiligten sich über 4.000 Auszubildende an der Umfrage, davon 615 aus Mecklenburg- Vorpommern. Die Umfrage bestätigt auch in diesem Jahr die hohe Zufriedenheit mit der getroffenen Berufsentscheidung. 84 Prozent der Auszubildenden würden die Ausbildung in ihrem Unternehmen uneingeschränkt weiterempfehlen.  Jedem 2. Azubi haben Praktika und Betriebserkundungen am meisten bei der Berufswahl geholfen. Das praktische Erleben, der persönliche Kontakt zu späteren Ausbildern und die Interaktion in einem echten Unternehmen sind durch nichts zu ersetzen.

Die größte Rolle bei der Entscheidung für einen Ausbildungsbetrieb spielen nach wie vor Eltern und das soziale Umfeld der jungen Menschen. Aber auch die Internetseiten, Stellenanzeigen in Online-Börsen sowie Social Media Kanäle sind wieder von starker Bedeutung für die Suche des Ausbildungsbetriebes.

Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen war einmal mehr ungebrochen hoch. So konnten die drei IHKs in Mecklenburg-Vorpommern per 31.12.2022 mit 4.690 neu eingetragenen Ausbildungsverhältnissen das Vor-Corona-Niveau sogar steigern. Mehr als ein Wermutstropfen allerdings: Langjährig verstetigt hat sich, dass wieder jedes zweite Unternehmen seine Ausbildungsplätze nicht oder nicht vollständig besetzen konnte.

„Die Ergebnisse bestätigen damit einmal mehr, dass die Berufsausbildung den Unternehmen auch unter aktuell schwierigen Rahmenbedingungen ein Herzensanliegen ist und sie alles dafür tun, den benötigten Fachkräftenachwuchs selbst auszubilden“, so Dr. Wolfgang Blank, Präsident der IHK Neubrandenburg. „Dafür unterbreiten sie den Schulen und Schülern verstärkt praxisorientierte Berufsorientierungsangebote wie Praktika, Ferienarbeit oder die Entsendung ihrer Ausbildungsbotschafter und stellen sich auf die Wünsche der heranwachsenden Generation Z und neue Maßnahmen der Mitarbeiterbindung ein“.

Ergebnisse und Zahlen im Überblick:

Mit 72 Prozent der Auszubildenden gaben gleich viele wie 2022 an, ihren Wunschberuf zu erlernen. Wie im Vorjahr ist auffällig, dass ein „Wunschberuf“ oft gar nicht existierte. Hier ist sicher festzustellen, dass es an vielen – auch schulisch organisierten – Initiativen und Möglichkeiten mangelte, unterschiedliche Branchen- und Berufserfahrungen zu machen. Für 78 Prozent der Befragten ist es wie im Vorjahr die erste Ausbildung. Rund jeder 4. hat bereits eine Ausbildung, ein Studium oder beides abgeschlossen oder abgebrochen. 

Praktika waren für jeden 2. Auszubildenden das mit Abstand hilfreichste Berufsorientierungsangebot. Der „Corona-Einbruch“ von 25 Prozent konnte immer noch nicht aufgeholt werden, da der befragte Jahrgang noch stark von nicht stattgefundenen Schülerpraktika betroffen war. Gemeinsam mit allen Ausbildungspartnern ist deshalb das Jahr 2023 zum „Jahr des Praktikums“ ausgerufen worden. Auch außerhalb der Schülerpraktika lassen die Betriebe über den Sommern Schnupperpraktika zu.

Jeder 3. Azubis griff bei der Recherche zu passenden Betrieben und Berufen zudem auf Medieninformationen aus Online-Recherchen oder sozialen Netzwerken zu, da diese Informationsquellen stets verfügbar sind. Eine betriebliche Website ohne Ausbildungsinfos – das ist im Jahr 2023 undenkbar.

Nach wie vor werden die meisten Auszubildenden (60 Prozent) durch ihr direktes Umfeld (Eltern/Verwandte und Freunde/Bekannte) auf ihren Ausbildungsbetrieb oder den gewählten Ausbildungsberuf aufmerksam.

Erfreulich: Das Beratungsangebot der Agenturen für Arbeit wurde wieder besser in Anspruch genommen. Jeder 4. gab an, dies genutzt zu haben.

Schnell zu sein, lohnt sich, doch die Unternehmen mussten diesmal etwas länger auf Bewerbungen warten. Knapp 30 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen bewarben sich schon vor dem Halbjahreszeugnis für die im Sommer beginnende Berufsausbildung. Die Hälfte der Azubis startete den Bewerbungsprozess erst ab April 2022 und diesmal sogar jeder 4. Azubi erst ab Juli 2022.

Was ist gut? Spätstarter bekommen stets ihre Chance. Was ist schlecht? Die Unsicherheit bei den Unternehmen zur Besetzung ihrer Ausbildungsplätze wächst. Auf der anderen Seite haben Dreiviertel der Unternehmen den gesamten Rekrutierungsprozess von Bewerbung bis Ausbildungsvertrag in zwei Monaten abgeschlossen.

Ein Großteil der Befragten (66 Prozent) musste nur ein bis fünf Bewerbungen versenden, um den gewünschten Ausbildungsplatz zu erhalten. Damit mussten noch einmal weniger Bewerbungen für die Wunsch-Ausbildungsstelle versandt werden.

Ausbildungsinteressierte finden (70 Prozent) häufig das passende Angebot in der Nähe zum Wohnort. 30 Prozent der Auszubildenden haben für die Aufnahme der Berufsausbildung jedoch den Wohnort gewechselt. Dies sind wiederum mehr als im Durchschnitt der ostdeutschen Bundesländer (83 Prozent). Ähnlich sieht das Bild für den Berufsschulbesuch aus: Auch hier müssen aufgrund der großen Entfernung 29 Prozent am Schulstandort einen Wohnheimplatz oder eine andere Unterkunft mieten (neue Bundesländer 20 Prozent).

Lange Fahrzeiten zur Berufsschule sind nach wie vor ein großes Thema und müssen im Fokus der Öffentlichkeit bleiben. 40 Prozent der Azubis sind länger als 60 Minuten zur Berufsschule unterwegs. Berufsschulnähe ist ein klar signalisiertes Attraktivitätsmerkmal für eine ausgewählte Ausbildungsstelle. Das durch das Land zusätzlich bezuschusste Azubiticket/Deutschlandticket hilft nach wie vor nur dort, wo der ÖPNV auch funktioniert. Für die Gleichbehandlung der Azubis muss diese Lücke noch geschlossen werden.

84 Prozent der Auszubildenden würden ihren Ausbildungsbetrieb weiterempfehlen. Dabei schätzen fast alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen (90 Prozent) besonders das gute Betriebsklima, das gute Verhältnis zum Ausbildenden (90 Prozent) sowie zum Vorjahr noch besser die guten Karriere- und Aufstiegschancen (95 Prozent).

Veränderungen zeigten die Auszubildenden bei der Nutzung von Social Media an: Facebook hat seine Bedeutung in der Zielgruppe verloren. Hauptsächlich genutzt sind Instagram und Youtube. TikTok hat stark aufgeholt. Die Unternehmen müssen darauf achten, hier gefunden zu werden.


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