Brandbrief wegen Straßenbau: Kompromiss gefunden

17. Mai 2024

Der Brandbrief hat offenbar gewirkt: Die Fertigstellung der Kreisstraße MSE 18 im Bereich der Bolter Schleuse verzögert sich erneut – mit schlimmen Auswirkungen für Anwohner und touristische Anbieter. Urprünglich sollte die Strecke Ende März fertiggestellt sein, dann hieß es, dass sie am heutigen 17. Mai wieder komplett befahrbar ist. Aber auch dieser Termin wir nicht gehalten. Jetzt steht Mitte Juni im Raum. „Die MSE18 ist eine bedeutende ‚Verkehrsader‘ in unserer Region, die touristisch von hoher Bedeutung ist. Die aktuellen Bauarbeiten an dieser Straße haben jedoch schwerwiegende Auswirkungen auf die umliegenden Unternehmen, die Bürger und den Nationalpark. Die Verschiebung der Fertigstellung auf (wahrscheinlich) Mitte Juni ist für alle Beteiligten Unternehmen unzumutbar“, heißt es in einem Brief an den Landkreis, den unter anderem Rechlins Bürgermeister Wolf-Dieter Ringguth, der Amtsleiter des Müritz-Nationalparkes, Ulf Zimmermann, Robert Neidel als Chef des Tourismusverbandes Mecklenburgische Seenplatte sowie zahlreiche touristische Anbieter unterschrieben haben. Der Landkreis ist sich der Dramatik offenbar bewusst, hat umgehend auf den Brief reagiert und gemeinsam mit den Betroffenen nach Lösungen gesucht.

Vor allem die Unternehmen wie Hotels und Gaststätten leiden erheblich unter der Baumaßnahme. Ihre Gäste finden den Weg zu ihnen gerade jetzt in der umsatzstarken Zeit nicht, kehren um oder reisen wegen der kilometerlangen Umleitung gar nicht erst an. Zahlreiche Stornierungen sind die Folge. Andere verfahren sich im Müritz-Nationalpark, weil auch die Umleitungen nicht ideal ausgeschildert sind. Zudem verzögern sich Lieferungen. Auch für die betroffenen Anwohner ist die Baustelle eine enorme Belastung, unter anderem für die Schüler, die mit Bussen unterwegs sind.

Und nicht zu vergessen der Müritz-Nationalpark, über den teilweise die Umleitung läuft. Neben der Belastung der Natur steigt auch die Gefahr von Waldbränden immens. Alles Gründe für die Unterzeichner des Brandbriefes, zu fordern, die Bauarbeiten jetzt zu stoppen und erst im Herbst wieder aufzunehmen.

„Im Bewusstsein, welche Auswirkungen Bauarbeiten an diesem Nadelöhr für die Anwohner, aber auch die betroffenen touristischen Unternehmen haben, hat der Landkreis als Bauherr für die Sanierung der Kreisstraße die Bauabläufe immer wieder so angepasst, dass sich die Beschwernisse für möglichst viele Betroffene in beherrschbaren Grenzen halten. Das konnte nur durch die uneingeschränkte Kooperationsbereitschaft insbesondere der beauftragten Baufirma gelingen. Diese Rücksichtnahme und ein nicht bekannter Wasser- und Abwasserleitungsbestand, der verlegt werden muss, führen zu weiteren zeitlichen Verzögerungen an der Baustelle. Andere Arbeiten in diesem letzten Baufeld können nicht vorgezogen werden, da sonst die Zuwegung für die Baufahrzeuge blockiert wäre“, heißt es dazu vom Landkreis als Auftraggeber der Maßnahme.

Eine Unterbrechung der Baumaßnahme hält der Landkreis für problematisch. Das wäre nur durch eine vorläufige Schotterschicht erreichbar. Verkehrssicherer Fahrkomfort und ein staubfreies Passieren der Engstelle während der touristischen Hauptsaison könnten dabei aber nicht gewährleistet werden.

Besser sei es daher, die Baumaßnahme so schnell wie möglich abzuschließen. Deshalb habe sich der Landkreis für eine Weiterführung der Baustelle entschieden. Aber mit Kompromissvorschlägen.

„Über die anstehenden Feiertage kann der Engpass passiert werden. Ab dem 27. Mai ist beabsichtigt, die Baustelle unter nur halbseitiger Sperrung mit einer Ampelregelung zu versehen. Dies muss allerdings für den Asphalteinbau in der ersten Juniwoche unterbrochen werden. Für die auswärtigen Besucher der Region wird die großräumige Umleitungsstrecke auf die Eindeutigkeit der Umleitungsausschilderung überprüft, da nicht alle Navigationssysteme ihre Nutzer zielsicher führen“, heißt es aus der Behörde.

Das Nationalparkamt Müritz und der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte betonen weiterhin den besonderen Schutz des Nationalparks und appellieren an das Verantwortungsbewusstsein aller Verkehrsteilnehmer, insbesondere auch hinsichtlich der Waldbrandgefahr. Für die gesamte Umleitungsstrecke im Nationalpark gelte weiterhin eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h.

„Die Arbeiten erfolgen in ständiger enger Abstimmung mit der beauftragten Baufirma. Die Gemeinde, die Rettungskräfte, die betroffenen Anlieger und touristischen Unternehmen werden über den Bauablauf informiert und haben die Möglichkeit auch für individuelle Probleme mit der Baufirma Kontakt aufzunehmen.“


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