Dienstwagen-Check unter deutschen Politikern: MV-Obere kommen schlecht weg

15. Juli 2023

Wasser predigen und Wein trinken? Zum 17. Mal hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Spitzenpolitiker auf Bundes- und Landesebene nach ihren Dienstwagen befragt und die Fahrzeuge nach der Höhe der CO2-Emissionen und der Antriebsart bewertet. Nur 36 Spitzenpolitiker erhielten die „Grüne Karte“, da ihre Fahrzeuge den aktuellen EU weiten Flottengrenzwert für CO2 (95 g CO2/km) einhalten.
Die „obere Riege“ Mecklenburg-Vorpommerns landet im Bundesländer-Ranking auf Platz 12, im Ranking der Ministerpräsidenten kommt Manuela Schwesig mit ihrem BMW 745Le xDrive (Benzin/Elektro) und einem Co2-Ausstoß von 207 auch nur auf Platz 12 – „Rote Karte“ und letzter Platz innerhalb ihres Kabinetts. 

Im Kabinett Schwesig sind von den acht Ministern noch sechs mit einem Diesel unterwegs, darunter auch der Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt, Till Backhaus. Sein Audi A8 50 TDI quattro tiptronic stößt 196 g/km CO2 aus – vorletzter Platz vor Manuela Schwesig in MV.

Im Bund sieht kaum anders aus: Insgesamt erhalten 75 Prozent der befragten Spitzenpolitikern aus Bund und Ländern eine „Rote Karte“, weil ihre Dienstfahrzeuge mindestens 20 Prozent mehr CO2 ausstoßen als erlaubt. Davon setzen 113 auf besonders klimaschädliche Plug-in-Hybride.

Bestes Bundesland ist übrigens Baden-Württemberg vor Hamburg und Sachsen. Bei den Regierungschefs fährt der Hamburger Oberbürgermeister Dr. Peter Tschentscher des „saubersten“ Wagen. Er ist mit einem MErcedes-Benz E 300 e 4MATIC unterwegs. Auf Platz zwei die Saarland-Chefin Anke Rehlinger vor Brandeburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke.

Voraussetzung für die Auszeichnung mit einer „Grünen Karte“ ist die Einhaltung des seit 2020 geltenden CO2-Grenzwertes von 95 Gramm pro Kilometer im realen Betrieb. Für den Erhalt einer „Gelben Karte“ darf der untersuchte Dienstwagen diesen Grenzwert bis zu 20 Prozent überschreiten. Ab 20 Prozent Überschreitung im Realbetrieb vergibt die DUH die „Rote Karte“.

Mit durchschnittlich 133 g/km realem CO2-Ausstoß halten die Dienstwagen der Umweltminister von Bund und Ländern den EU Flottengrenzwert noch nicht ein. Durch eine Steigerung des Anteils batterieelektrischer Fahrzeuge sank der durchschnittliche Ausstoß aber im Vergleich zum letzten Jahr. Hier stechen die positiven Beispiele aus Berlin, Hamburg, Sachsen und Baden-Württemberg hervor, die unteranderem ein „Grüne Karte“ erhalten. Aber knapp die Hälfte der Umweltminister bewegt sich nach wie vor mit fossil betriebenen Dienstwagen fort und heizt dadurch den Klimawandel weiter an und erhält eine „Rote Karte“.

Erfreulich anzumerken ist, dass die DUH insgesamt eine „Grüne Karte“ an vier Ministerien vergeben konnte. Es handelt sich dabei um die Bundesministerien für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ); für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV); für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) sowie für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) welche im Ministeriums internen durchschnittlichen Real-Ausstoß Werte aufweisen, die EU-Grenzwert konform unter 95 g CO2/km liegen.

Als alarmierend betrachtet die DUH den weiterhin hohen Anteil an Plug-In-Hybrid betriebenen Dienstfahrzeugen. Statt eines klimafreundlicheren Elektrofahrzeugs setzen die Regierungsmitglieder auf Plug-In-Hybride, obwohl ihnen bekannt sei, wie klimaschädlich diese Fahrzeuge im realen Betrieb unterwegs sind. Klimafreundlichkeit kommt aber nicht nur durch die richtige Wahl beim Antrieb, neben der Wahl des richtigen Antriebs muss auch die Frage nach der Dimensionierung des Fahrzeugs in den Fokus rücken. Hochgerüstete batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge bekommen diese Jahr auch „Gelbe und Rote Karten“ verliehen.

Die DUH fordert die Bundes- wie Landespolitiker dazu auf, sich bei der Wahl ihrer Dienstwagen für saubere und gleichzeitig klimafreundliche Fahrzeuge zu entscheiden.

@Sibylle Mohn/Fotolia


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