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Ein Gehör für Kinder psychisch kranker Eltern

27. Juni 2015

Wenn die Eltern psychisch erkrankt sind, brauchen auch Kinder Hilfe – optimaler Weise bevor die Krankheit akut wird und entschieden werden muss, ob die Kinder in der Familie bleiben können oder eine Fremdunterbringung erfolgen muss. Ein Netzwerk zu bilden, um zukünftig eine Ansprechpartnerstruktur zu schaffen und Erfahrungen auszutauschen, das war Ziel der ersten Fachtagung „Kinder psychisch kranker Eltern“ in dieser Woche im MediClin Müritz-Klinikum.

Viele Kinder haben aufgrund erblicher und psychosozialer Belastung ein erhöhtes Risiko für psychische Störungen. Studien zufolge zeigen ein Drittel der Kinder vorrübergehend Auffälligkeiten, ein Drittel der Kinder deren Eltern psychisch erkrankt sind, erkranken selber an einer psychischen Störung.

Psychologen, Kinderärzte, Psychotherapeuten, Mitarbeiter des Jugendamtes sowie der AWO Vielfalt und des Sozialpsychiatrischen Dienstes haben jetzt darüber diskutiert, wie man diesen Kindern trotzdem eine weitgehend unbeschwerte Kindheit ermöglichen kann.

Initiatorin der Veranstaltung ist Dr. Kathrin Kintzel, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Nicht selten erlebt sie Fälle, in denen Kinder oder Jugendliche mit Beschwerden wie Bauch- oder Kopfschmerzen ins Krankenhaus kommen, für die es keine organischen Ursachen gibt. „Die wahre Ursache dafür zeigt sich oft erst beim Blick hinter die Familienkulissen“, sagt die erfahrene Ärztin. Wenn die Eltern an einer psychischen Erkrankung leiden, dann leiden die Kinder mit. Meistens allerdings im Stillen aus Scham oder Schuldgefühlen.

Was aber brauchen diese Kinder? Wie und wo erreichen Helfer diese Kinder, um sie zu entlasten und zu stärken, und sollte die Aufklärungsarbeit nicht schon in der Schwangerschaft der betroffenen werdenden Mütter beginnen?

Für die Kinder und deren Eltern aber auch für behandelnde Ärzte und Therapeuten, die auf die Situation der Familie aufmerksam werden, gilt es, Strukturen zu schaffen, die ihnen Ansprechpartner und damit auch schnelle Hilfe und Lösungen zur Seite stellen. Das Ziel muss es sein, dass akute Situationen wie z.B. eine Fremdunterbringung, wenn die Eltern stationär therapiert werden, von Anfang an vermieden werden können.

Neben Dr. Kintzel, die die Problematik aus der Sicht einer Ärztin schilderte, referierte auch Marion Schild, stellvertretende Amtsleiterin des Jugendamtes im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, zu Gesetzen, dem Netzwerk Kinderschutz sowie Angeboten des Jugendamtes zur Unterstützung der betroffenen Familien.

Das Jugendamt tritt nicht erst dann in Aktion, wenn es darum geh,t ein Kind fremdunterzubringen, es bietet vielmehr schon im Vorfeld eine große Reihe an Unterstützung, sei es in beratender aber auch in finanzieller Form.

Eine Koordinationsstelle als Anlaufstelle für die betroffenen Familien unter der Schirmherrschaft der AWO Vielfalt ist bereits im Aufbau.

Text und Foto: Jenny Thoma/MediClin Müritz-Klinikum

Kintzel


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