Entwicklung im Kinder- und Jugendtourismus – Thema im Landtag

27. Januar 2018

Gestern ist im Schweriner Landtag die Entwicklung des Kinder- und Jugendtourismus in Mecklenburg-Vorpommern diskutiert worden. „Der Kinder- und Jugendbereich erfährt aus vielen Richtungen wichtige Unterstützung bei uns im Land. Das ist gut so, denn Kinder und Jugendliche von heute sind die Gäste von morgen. Daher ist es wichtig, sie für unser Bundesland zu begeistern. Kinder- und Jugendreisen sind dabei wichtige Instrumente für Bildung, soziale Kontakte und auch, um ein Bundesland besser kennenzulernen. Reisen verbindet Menschen“, sagte der Wirtschaftsminister Harry Glawe im Landtag.

In den vergangenen Jahren haben sich die Übernachtungszahlen bei den Kinder- und Jugendreisen stabilisiert und auf einen Wert von 875.000 Übernachtungen eingependelt. „Die Entwicklung der Übernachtungsstatistik im Kinder- und Jugendreisebereich spiegelt auch die demografische Entwicklung in Deutschland wider. Weniger Kinder, weniger Schüler und weniger Jugendliche bedeuten auch in anderen Bundesländern deutliche Rückgänge in diesem Segment.
Die Gründe hierfür sind vielfältig. In einigen Bundesländern werden aus finanziellen Gründen nur noch Klassenfahrten innerhalb der eigenen Landesgrenzen durchgeführt. Damit entfallen wichtige Quellmärkte für MV. Städtereisen werden von Jugendlichen als attraktiver bewertet“, so Glawe weiter.

Entsprechend der Reiseanalyse 2016 wurden 4,2 Prozent aller Urlaubsreisen (Dauer ab fünf 5 Tagen) der 14- bis 29-jährigen in Mecklenburg-Vorpommern verbracht. Das entspricht rund 610.000 Urlaubsreisen. „MV ist damit weiterhin das beliebteste innerdeutsche Ziel von Jugendlichen und jungen Erwachsenen (14 bis 29 Jahre) für einen längeren Urlaub vor Niedersachsen (3,2 Prozent Marktanteil) und Schleswig-Holstein (3,1 Prozent). Das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagte Wirtschaftsminister Glawe.

Auf Angebote aufmerksam machen

Beim Tourismusverband MV e.V. wird das Marketing im Bereich Kinder- und Jugendtourismus in der Urlaubswelt „Lifestyle & Trends“ geführt. Vor kurzem wurde der Katalog „Auf nach Meck-Pomm – mehr als 60 Angebote für Klassen- und Jugendreisen 2018/2019“ mit einer Auflage von 15.000 Exemplaren herausgebracht und mit einem Anschreiben der Verbandspräsidentin an alle Schulämter verschickt. Von dort werden die Kataloge an die Schulen des Landes weitergeleitet. „Eine gesonderte Förderung hierfür erfolgte nicht“, sagte Glawe. Das Produkt bietet einen guten Querschnitt der attraktiven Angebote im Kinder- und Jugendreisebereich des Landes. Zudem sind diese Angebote zusammen mit Angeboten für Individualreisende in die moderne Internetpräsentation des Tourismusverbandes aufgenommen worden.

Vom Bildungsministerium ist im September 2017 ein neuer Klassenfahrtenerlass in Kraft getreten, der deutliche Verbesserungen beinhaltet. „Die zuständigen staatlichen Schulbehörden können die Reisebudgets beispielsweise nun auch flexibler handhaben“, erläuterte Glawe.

Die Reduktion bei den Angebotskapazitäten ist auch Folge der Marktentwicklung. Die ressortübergreifende Arbeitsgruppe „Kinder- und Jugendreisen“ hat Ende Dezember unter Federführung des Wirtschaftsministeriums die Unterstützungsmöglichkeiten des Segments besprochen. „Es werden beispielsweise Investitionen durch Gelder aus dem Strategiefonds des Landtages ermöglicht. Für fünf Jahre sollen ab 2018 jährlich 100.000 Euro den Schullandheimen zur Verfügung gestellt werden“, sagte Wirtschaftsminister Glawe abschließend.

 


Eine Antwort zu “Entwicklung im Kinder- und Jugendtourismus – Thema im Landtag”

  1. Peter Sohr sagt:

    Der Rückgang von Klassen- und Jugendreisen liegt nicht ausschließlich im demografischen Wandel oder den Geburtenrückgängen. Ich sehe als Hauptproblem die nahezu unerfüllbaren Bedingungen und Einschränkungen für die Aufsichtspersonen und Lehrer. Die Sicherheit der Kinder spielt eine außerordentlich hohe rolle und stellt sich durchaus auch als Hürde da.
    Erinnert man sich an seine eigene Jugendzeit zurück erkennt man unweigerlich, das die derzeitigen Sicherheitsbestimmungen auf Klassenfahrten fast unerfüllbar sind. Meine Schulzeit liegt nunmehr 50 Jahre zurück. Reichte damals eine handschriftliche „Badererlaubnis“ und etwas Taschengeld, müssen heute Bedingungen erfüllt werden die ein Kind wie ein rohes Ei mit umfassenden Zwangs-Versicherungen erscheinen lassen. Welche Schule und welche Lehrer wollen das Risiko tragen, wenn einer dieser neuerlichen Bedingungen nicht erfüllt werden?
    Hinzukommend ist es eine Tatsache, das derartige Reisen finanziell nicht für alle in einem Klassenkollektiv erschwinglich sind. Derartige Reisen reißen mitunter ein großes finanzielles Loch in das Finanzbudget etlicher Familien.
    Die Zeiten sind auch leider vorbei bei denen Träger- und Patenbetriebe von Schulen in so genannten Betriebsferienunterkünften neben preiswerten Rundumbetreuungen auch aktive Erholung anbieten konnten. Hier wurden mitunter gar Begleitpersonen zur Verfügung gestellt. Mitunter Studenten, selbst Auszubildende und ältere Schüler die neben Abwechslung auch noch etwas Geld als Aufsichts und Begleitpersonen verdienen konnten. So ganz nebenbei erlernten sie den Umgang mit Kindern und sensibilisierten diese gar in Richtung sozialer Berufe.
    Natürlich sollte es keine pseudomilitärischen Gepflogenheiten mehr geben wie sie Anfang der 60er und 70er immer noch existierten und wohl aus der Zeit vor 1945 in die Zeit des Sozialismus konvertiert wurden.

    Dennoch wäre eine Neugeburt von Trägerschaftsbetrieben mit entsprechenden Ferieneinrichtungen nicht nur für betuchte Urlauber aus eigenen Betrieben vorteilhaft.
    Ein Auseinanderdriften von gesetzlichen Forderungen mit stetig steigenden, fast unerfüllbaren Rahmenbedingungen bremst den Enthusiasmus vieler Lehrer und Eltern aus, dieses einmal selbst in einer Klassenfahrt mit ihren Kindern zu verwirklichen.
    Wir haben Landesweit wirklich tolle Jugendherbergen, eine davon in Waren (Müritz). Diese bieten zwar Räumlichkeiten zur Unterbringung und Versorgung an, eine umfassende Begleitung jedoch muss von den Gruppen selbst im Vorfeld abgesichert werden damit die Kinder auch was von der Welt sehen und diese erst durch sehr weit reichende Angebote rund um die Jugendherbergen erlebbar gemacht werden kann. Das Leistungsangebot von Jugendherbergen ist sehr vielseitig, kann aber die personelle Absicherung in der Beaufsichtigung und Begleitung nicht übernehmen.

    Letztlich gesehen sind sicherlich viele der angesprochenen Faktoren ursächlich hinderlich um weitläufig hier Änderungen und Zunahmen bei der Nutzung der Feriengestaltung für Kinder zu erzielen.
    Die vom Wirtschaftsminister Glawe jährlich für die Dauer von fünf Jahren in Aussicht gestellten 100.000 Euro für Schullandheimen kann hier nur ein Anfang sein.

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