Ex-LPG bei Neubrandenburg hat noch alte Mauerteile

10. Februar 2018

In der Bundeshauptstadt wurde gerade der so genannte „Zirkeltag“ begangen und Touristen suchen immer wieder nach Teilen des vor 28 Jahren verschwundenen „antifaschistischen Schutzwalls“ der DDR. Dabei stehen sogar an der Mecklenburgischen Seenplatte noch welche.

Wie „Wir sind Müritzer“ aus der Gemeinde Wildberg bei Neubrandenburg erfuhr, stehen noch etliche der Betonblöcke in einem kleinen Ortsteil. „Das ist in Wischershausen“, erklärt Bürgermeisterin Beatrix Papke.

Zirkeltag bedeutet, dass die Berliner Mauer inzwischen genauso lange verschwunden ist, wie sie seit 1961 stand. SED- und DDR-Staatschef Erich Honecker hatte dem Bauwerk ja eine Lebensdauer von 100 Jahren prophezeit, am Ende musse er miterleben, wie sie abgebaut und von Mauerspechten bearbeitet wurde.

In dem kleinen Ortsteil mit einer Dorfstraße als Sackgasse leben derzeit etwa 60 Bewohner, darunter sogar Filmemacher, und es gibt große Stallanlagen. Diese gehören einem Agrarbetrieb, der 1990 ein großes Geschäft witterte. Die damalige LPG Pflanzenproduktion hatte sich von den Grenztruppen der DDR noch für mehrere zehntausend DDR-Mark vor der Währungsunion gleich 600 Mauerteile geholt, von mehr als 40 000 Betonstücken des Todesstreifens.

Das Interessante daran: Die „Winkelstützelemente Typ UL 12.41“, wie sie offiziell hießen, waren eigentlich für den Bau von Silos gedacht. Doch vor etwa zehn Jahren wurden in Berlin einzelne Mauerteil sogar versteigert, daran wollte sich der LPG-Chef auch beteiligen. Einige der Mauerteile aus Wischershausen, Breesen und Teetzleben kamen auch unter den Hammer, aber das Interesse sank stark bis auf etwa 2000 Euro pro Stück. Dann endete die Auktionszeit dafür. Nun stehen die bröckelnden Reste auf dem Betriebsgelände in dem Mini-Dorf und verwittern.

Dabei hat Wischershausen auch Glück gehabt. Weil die schweren Fahrzeuge nicht mehr durch den Ort brausen sollten, hat der Agrarbetrieb eine eigene Zufahrtsstraße gebaut. „Inzwischen leben viele junge Familien in dem Ort“, sagt die Bürgermeisterin. Die Filmemacher haben der Bewohnern mit dem Streifen „Am Ende der Milchstraße“ – gemeint ist die Milch aus dem Agrarbetrieb – ein künstlerisches Denkmal gesetzt. Wischershausen als Beispiel, wie ruhig und von Arbeitslosigkeit gebeutelt das Leben nach der Wende verlaufen kann.

Das animierte die Bundeszentrale für politische Bildung sogar dazu, den Film in ihr Programm aufzunehmen. Inzwischen ist aber selbst in und um Wischershausen etliches Neues passiert. Der Radweg führt am Ort vorbei durch das hügelige Gebiet zwischen Altentreptow, Wildberg mit seinem See nach Neubrandenburg und ein Windpark steht nicht weit entfernt.

„Den Windpark hat uns der Chef der Agrarfirma vor die Nase gesetzt und wir müssen den Lärm ertragen“, schimpft ein Dorfbewohner. „Leider haben wir nichts von dem Windpark“, bedauert auch die Bürgermeisterin, freut sich aber über den Zuzug. Und auch die Milchkühe sind inzwischen verschwunden, ein Ergebnis der Milchkrise, sagt eine Angestellte. Doch Nutztiere gibt es immer noch: Mutterkühe leben mit ihren Kälbern in den Ställen. „Jetzt müsste man den Film wohl umtaufen“, sagt eine Frau: „Am Ende der Rinderstraße“, würde besser passen.


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