Fehlende Fachkräfte und Auszubildende – zentraler Risikofaktor im Gastgewerbe

2. März 2018

Fehlende Fachkräfte und Auszubildende – das ist für immer mehr Unternehmen des Gastgewerbes ein Risikofaktor für die eigene künftige wirtschaftliche Entwicklung. Das hat eine Umfrage der IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern bei mehr als 2300 Unternehmen der Branche in den Landkreisen Vorpommern-Greifswald sowie Mecklenburgische Seenplatte ergeben.

Ergebnisse der Umfrage sind u. a.: Im Jahr 2016 konnte nur die Hälfte der von den Unternehmen angebotenen Ausbildungsplätze besetzt werden. Ähnlich schlechte Resultate hat die Umfrage beim Thema Fachkräfte ergeben. So konnten jene Unternehmen, die ganzjährig offene Stellen aufwiesen, nur 50 Prozent dieser Stellen dauerhaft besetzen.

„Wir wissen sehr genau um diese Probleme in der Branche. Deshalb nutzt die Kammer jede Möglichkeit, um für die eigene Ausbildung in den Unternehmen als erste Option zur Fachkräftegewinnung zu werben“, sagt Torsten Haasch, Hauptgeschäftsführer der IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern. Dafür biete die Kammer eine Vielzahl von Projekten und Produkten an, um der Branche bei der Bewältigung des Fachkräfteproblems zu helfen. Nach Aussagen von Torsten Haasch gehören dazu zum Beispiel:

IHK-Lehrstellenbörse

In diesem Jahr findet die 10. IHK-Lehrstellenbörse statt. Es ist die größte regionale Berufsorientierungsmesse, die jedes Jahr rund 80 Unternehmen in Neubrandenburg vereint. Hier kommen Unternehmen und Schüler direkt zusammen. Die Firmen haben jährlich rund 800 Ausbildungs- und Praktikumsstellen sowie Angebote der Höheren Berufsausbildung im „Gepäck“.

IHK-Karrieremonitor (Digitales Schwarzes Brett)

Als erste Kammer im Land hat die Neubrandenburger Ende 2016 begonnen, diese zeitgemäße Kommunikation von Karrieremöglichkeiten in der beruflichen Bildung anzubieten. Derzeit beteiligt sind 21 Gymnasien. Die Europäische Gesamtschule Insel Usedom wird den Karrieremonitor im April erhalten.

Auf den Monitoren laufen redaktionelle Beiträge, Veranstaltungshinweise, Informationen zum Beruf der Woche, neue Ausbildungsplatzangeboten von regionalen Unternehmen. Über eine App kann auch auf den IHK-Karrieremonitor zugegriffen werden.

TOP-Ausbildungsbetrieb

Zum 7. Mal vergibt die IHK in diesem Jahr den Titel „TOP-Ausbildungsbetrieb“. Es ist eine Art „TÜV“ für die Qualität der Berufsausbildung. In den zurückliegenden Jahren hat sich der Titel zum zentralen Marketinginstrument für erstklassig ausbildende Unternehmen entwickelt. Schüler orientieren sich bei ihrer Ausbildungsplatzwahl an diesem Titel.

Jugendmeisterschaften in gastgewerblichen Berufen

Einziger Leistungswettbewerb von Auszubildenden in der Region. Damit wird gezielt Einfluss auf die Qualität der Ausbildung genommen. Über Theorieausscheide an den beruflichen Schulen sowie den regionalen und Landesausscheid werden die Berufsbilder der Branche öffentlichkeitswirksam dargestellt.

Cleveres Köpfchen

Die IHK ist neben der Agentur für Arbeit Greifswald und dem Unternehmerverband Vorpommern Mitinitiatorin in diesem Projekt. Ziel des Ausbildungsprogramms ist es, polnische Bewerber zu finden und sie so vorzubereiten, dass sie sich ab Ausbildungsbeginn im Wesentlichen nicht von Bewerber aus Deutschland unterscheiden.

Partnerschaft Schule : Betrieb Insel Usedom/Wolgast

Ziele der Partnerschaft:

  • junge Menschen für die Berufsausbildung (insbesondere Tourismus) in der Region zu gewinnen;
  • Vernetzung von Akteuren aus Schulen (Förderschulen, mittlere Schulen, Gymnasien und Berufliche Schulen), Ausbildungsbetrieben, Agentur für Arbeit Greifswald, Kreisverwaltung V-G, IHK und Ableitung von konkreten Maßnahmen

Teilnehmende Schulen von der Insel Usedom und aus Wolgast: 6

Betriebe: 22 (davon 16 aus dem Bereich Hotel und Gastgewerbe)

Neben diesen und weiteren Maßnahmen der IHK haben auch die Unternehmen eine Vielzahl von Ideen entwickelt, um Auszubildende zu gewinnen. Dazu gehört das Angebot von Praktikumsplätzen, die Nutzung von Online-Portalen oder Kooperationen mit Schulen.

Forderungen an die Politik

Mit Blick auf die Bundes- und Landespolitik stellt Torsten Haasch abschließend fest: „Deutschland braucht qualifizierte internationale Fachkräfte. Damit diese gewonnen werden können, braucht Deutschland ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz. Das sieht der Entwurf des Koalitionsvertrages zwischen CDU und SPD vor. Sollte dieses Gesetz in Kraft treten, dann darf es in der Praxis aber nicht dazu führen, dass das bereits bestehende System komplizierter und bürokratischer werde. Vielmehr sollte der administrative Prozess schlanker, transparenter und effizienter werden.“

Die Landespolitik müsse nach Ansicht von Torsten Haasch dafür sorgen, dass für die Beschulung von ausländischen Jugendlichen zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden, so dass sie vor allem sprachlich schnell dem Unterricht folgen können.


Eine Antwort zu “Fehlende Fachkräfte und Auszubildende – zentraler Risikofaktor im Gastgewerbe”

  1. Peter Sohr sagt:

    Nach Aussagen von Torsten Haasch der nach eigenen Angaben sehr genau um Probleme in der Gastro-Branche weiß, gehören zur Bewältigung des Fachkräfteproblems ua. Partnerschaften mit Gymnasien dazu. Hier glaube ich wird die Branche kaum zukünftiges Personal generieren können, es sei denn, man beschränkt sich auf Ferienarbeiten und der Pauschalkräfte zur Abfederung saisonaler Spitzenbelastungen wie Ostern, Pfingsten oder Silvester. Ausbildungsplätze hingegen werden hier wohl kaum aus den Reihen der Gymnasien besetzt werden können.

    Herausragende Leuchttürme in der Branche können zwar durchaus mit Auszeichnungen und Wettbewerben bei der Prämierung zum TOP-Ausbildungsbetrieb oder bei Jugendmeisterschaften in gastgewerblichen Berufen aufwarten, sind aber nicht das tägliche Prozedere bei einer Ausbildung die einen solchen schlechten Ruf hat, das ihr zunehmend das auszubildende Personal fehlt.
    Hier muss die Branche wesentlich mehr und näher die Probleme anpacken, die zu gern unter den Tisch gekehrt werden.

    Der Auszubildende

    Beginn einer missglückten Ausbildung ist bereits ein falsches Bild des Ausbildungsberufes. Toll gekleidet in toller Umgebung und überall freundliche Gesichter sind nicht immer und überall gegeben. Nicht immer sind Wunschvorstellungen deckungsgleich mit örtlichen und Witterungsbedingten Umständen einvernehmbar mit den tatsächlich vorhandenen Bedingungen. Da muss schon mal diverses Essen und die Getränke unfallfrei und möglichst zügig vom und zum Gast mitunter über Stufen und Treppen balanciert werden. So einige km kommen da zusammen und machen Freizeitsport überflüssig. Nicht immer geht alles stressfrei von statten. Das muss man als Mitarbeiter in der Gastronomie wissen, lernen und akzeptieren. Ansonsten ist schnell Ende im Gelände.

    Der ausbildende Betrieb

    Solange die Belastungen in der praktischen Ausbildung zumeist derart hoch sind und auf einen möglichst reibungslosem Ablauf hinter den Kulissen abzielt, wird sich kaum etwas ändern. Meist bleibt das eigentliche Ausbildungsziel in der theoretischen Ausbildung weit hinter den Mindestanforderungen zurück. In der Gastronomie können sich meist nur größere Häuser echtes Ausbildungspersonal leisten weil im laufenden Betrieb bei oft terminlich eng gestricktem Zeitplänen derartige theoretische Ausbildungspunkte einfach kaum realisierbar sind.
    Als Man oder Frau an erster Front steht der Kellner dem Gast Auge in Auge. Entspricht das Essen nicht den Erwartungen eines Gastes, ist der Kellner ob er was dafür kann oder nicht, erst einmal der unmittelbare Ansprechpartner. Der Kellner kann daher nur als „Nachrichtenüberbringer“ für den Koch funktionieren. einen direkten Dank wird dieser kaum empfangen können. Dienen zu können und zu wollen ist nicht Jedermann Sache.
    Natürlich hat es auch mit Bezahlung und Arbeitszeiten zu tun. Hier kann und muss sich aber wesentlich mehr seitens der Arbeitgeber und der Ausbilder tun. Ein oftmals rauer Ton tut sein übriges. Solange gut ausgebildete fachkräfte in Mecklenburg nicht das verdienen, was anderswo erzielbar ist, wird einer nach den anderen einfach abwandern und wird der Branche hier fehlen.

    Der Außenstehende

    Wer das Glück hat an Prüfungen von Köchen und Restaurant- Servicefachkräften als Probegast teilnehmen zu können, wird dann leider auch erlebt haben, das reihenweise Prüfprobanden entweder die Nerven verlieren oder aber das die Prüflinge die an sie gestellten Prüfungsaufgaben leider sehr oft nicht gewachsen sind.
    Dennoch scheuen überproportional viele Auszubildende diese Branche.

    Der Gast

    Vom Gast werden Belastungen im Backstage-Bereich hingegen kaum gesehenen, eine Wertschätzung eines tollen Services jedoch ist nicht nur per Trinkgeld zu erwarten. Auch hier hilft ein freundliches Wort. Viele Gäste müssen das aber zusehens wieder üben und verinnerlichen. Gast sein heißt nicht automatisch alles sofort und bedingungslos verlangen zu können.

    Mit Blick auf die Bundes- und Landespolitik stellt Torsten Haasch fest: „Deutschland braucht qualifizierte internationale Fachkräfte. 

    Hier kann ich nur anraten die eigenen Hausaufgaben zu machen und vor der eigenen Tür zu fegen. Fremde Fachkräfte aus anderen Ländern wie Herr Haasch dieses hoffnungsvoll erwartet, stopfen nur eventuell vorübergehend die Bedarfslücken. Das von Haasch avisierte geld zur Beschulung ausländischer Jugendlichen kann getrost mit sofortiger Wirkung für das heimische Fussvolk an Gastronomiemitarbeitern ausgegeben werden, dann ist das auch nachhaltig.

    Abschließend sei gesagt, es ist eine Minute vor Zwölf. Wird dieses Jahr nichts in Sachen planbar geregelten Arbeitszeiten und anständiger Entlohnung passieren, wird es nächstes Jahr kaum noch Gastronomie geben, so wir sie sie kennen.

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