Frauen öfter krankgeschrieben als Männer

27. April 2016

Frauen in Mecklenburg-Vorpommern fehlen häufiger im Job als Männer. Ihr Krankenstand lag im vergangenen Jahr 15 Prozent höher. Das geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport hervor. Die Studie zeigt auch, dass Männer und Frauen anders krank sind: In Mecklenburg-Vorpommern haben Männer 45 Prozent mehr Fehltage bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Frauen 86 Prozent mehr bei seelischen Leiden. Insgesamt stieg der Krankenstand in Mecklenburg-Vorpommern von 4,8 auf 4,9 Prozent in 2015.

Für die Studie wertete das IGES Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern aus. Es wurden zudem bundesweit mehr als 5000 Beschäftigte im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt. Dabei ging es insbesondere um Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Fehltage1Beim Krankenstand in Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich: Von 1000 erwerbstätigen Frauen fehlten 2015 im Durchschnitt pro Tag 53 bei der Arbeit, bei Männern waren es 46. „Damit ist der viel zitierte kleine Unterschied größer als gedacht“, sagt Regina Schulz, Landeschefin der DAK-Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern. „Die Studie zeigt, dass Männer und Frauen von ganz unterschiedlichen Krankheitsprofilen betroffen sind.“

Fehltage bei Herzinfarkt und Brustkrebs

Männer in Mecklenburg-Vorpommern leiden häufiger als Frauen unter Herz-Kreislauf-Problemen (+ 45 Prozent mehr Fehltage) und sie haben 88 Prozent mehr Fehltage wegen Verletzungen. Frauen fehlen hingegen deutlich öfter wegen psychischer Erkrankungen (+ 86 Prozent) wie beispielsweise Depressionen. Sie haben auch mehr Fehltage wegen Krebsleiden (+ 60 Prozent), was durch das vergleichsweise frühe Auftreten von Brustkrebs bedingt ist. „Betroffene Frauen stehen oft noch voll im Erwerbsleben“, erklärt Schulz.
Die häufigste Krebserkrankung bei Männern, der Prostatakrebs, trete hingegen erst im höheren Alter auf – meist ab etwa 60 Jahren. „Diese Krebsfälle bei den Männern werden von unserer Statistik, die sich ausschließlich auf Erwerbstätige bezieht, meist nicht mehr erfasst“, so Schulz.

Spritze-Stethoskop,property=DataEin Teil des Unterschieds bei den Fehltagen könnte sich auch durch den unterschiedlichen Umgang von Männern und Frauen mit Krankheit erklären lassen. Berufstätige Männer in Mecklenburg-Vorpommern besuchen im Durchschnitt nur vier Mal pro Jahr einen Arzt. Berufstätige Frauen hingegen sind etwa sieben Mal in ärztlicher Behandlung. „Selbst wenn man Vorsorgeuntersuchungen und schwangerschaftsbedingte Behandlungen nicht einrechnet, sind Männer weitaus seltener beim Arzt“, so Schulz.

Frauen engagieren sich beruflich sehr und gaben bei der Befragung im Rahmen des DAK-Reports an, auch bei Krankheit häufig zur Arbeit zugehen. Experten sprechen von Präsentismus: 77 Prozent der Frauen in Mecklenburg-Vorpommern gaben bei der DAK-Befragung an, 2015 mindestens einmal krank bei der Arbeit gewesen zu sein. Von den Männern sagten das 45 Prozent. Als Hauptgründe nannten Frauen, dass sie ihre Kollegen nicht hängen lassen wollten (79 Prozent) oder ihre Arbeit fertigstellen müssten (61 Prozent).

Höherer Krankenstand

Der DAK-Gesundheitsreport untersuchte auch den Krankenstand in Mecklenburg-Vorpommern. Er war im vergangenen Jahr mit 4,9 Prozent etwas höher als im Vorjahr (4,8 Prozent). 2015 waren demnach von 1000 erwerbstätigen Mitgliedern der DAK-Gesundheit durchschnittlich pro Tag 49 krankgeschrieben.

Vor allem Erkältungen machten den Menschen zu schaffen. Die Anzahl der Fehltage aufgrund von Atemwegserkrankungen wie Bronchitis stieg im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent an und verursachte 16,5 Prozent aller Fehltage. Für die meisten Ausfalltage waren aber mit rund 22 Prozent Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen verantwortlich. Psychische Erkrankungen lagen mit einem Anteil von 15,2 Prozent auf dem dritten Platz.

Die Branchen mit dem höchsten Krankenstand in Mecklenburg-Vorpommern waren 2015 das Gesundheitswesen mit 5,2 Prozent sowie die öffentliche Verwaltung und das Baugewerbe mit jeweils fünf Prozent. Den niedrigsten Krankenstand hatte der Wirtschaftszweig Bildung, Kultur, Medien mit 4,1 Prozent.


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