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Kreis verzichtet offenbar auf Rechtsmittel

6. Oktober 2015

Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wird das Urteil im Fall „Kaufhaus Stolz für Waren“  aller Wahrscheinlichkeit nach akzeptieren, keine Rechtsmittel einlegen und die Baugenehmigung erteilen. Das erklärte Warens Bauamtsleiter Gunter Lüdde den Stadtvertretern, machte allerdings auch keinen Hehl daraus, dass er darüber alles andere als erfreut ist.

Das Verwaltungsgericht Greifswald hatte Anfang September nach langem Rechtsstreit entschieden, dass die Baugenehmigung für das Kaufhaus mit rund 800 Quadratmetern Verkaufsfläche neben dem Lidl Markt in der Strelitzer Straße zu erteilen ist. Als Begründung bezog sich das Gericht auf den Gutachter, der keine schädlichen Auswirkungen für die Warener Innenstadt sieht (WsM berichtete).

„Der Gutachter hat zwar ausgeführt, dass keine größeren Schäden zu befürchten sind, legt aber auch dar, dass der eine oder andere Innenstadthändler durchaus über die Klinge springen kann. Ich glaube, dass letztendlich nur die großen Ketten übrig bleiben und die kleinen Geschäfte, die ja das Flair der Innenstadt ausmachen, verschwinden. Deshalb bedaure ich diese Gerichtsentscheidung sehr“, so Bauamtsleiter Lüdde.

Auch der Fraktionschef der LINKEN, Rüdiger Prehn, ist angesichts der kürzlich veröffentlichten Zahlen wenig erfreut. Denn die sagen, dass die Kaufkraft in Mecklenburg-Vorpommern lediglich 80 bis 90 Prozent des Bundesdurchschnitts betrage, die Verkaufsfläche mit fast drei Quadratmeter pro Einwohner aber sehr hoch sei. „Jeder Zuwachs an Verkaufsfläche ist falsch, egal, wer da bauen will“, erklärte Rüdiger Prehn.

Stolz Kopie 2


5 Antworten zu “Kreis verzichtet offenbar auf Rechtsmittel”

  1. Norbert Tupeit sagt:

    In Waren gibt es für Männer doch fast nur Übergrößen zu kaufen .Größe M und L was ist das .In der Innenstadt kaufen doch nur Urlauber und Rentner ein. Wir kaufen fast alles in Rostock oder Neubrandenburg ein. Ein gutes Angebot ist schon wichtig. Da ist Stolz doch eine Bereicherung.In solch ein Haus gibt es ja auch waren die es in der Innenstadt gar nicht gibt.

  2. Deli sagt:

    Na das ist doch Blödsinn.
    Es hat die ganzen Jahre über Wechsel der Geschäfte gegeben,manche waren 2 Wochen da und dann war schon was neues drin.Das muss man ab sofort also nicht auf Stolz schieben,gab es vorher und wird es auch weiterhin geben,weil eben nicht alles hier ankommt.

    Und das jede Verkaufsfläche zu viel ist finde ich ja auch total daneben,hier wird soviel gebaut da fällt eine neue Verkaufsfläche wohl kaum auf. Und wäre es nicht Stolz gewesen sondern jemand der schon einige Märkte in Waren hat wäre ruck zuck gebaut worden.

    Ob sich Stolz hier wirklich lohnt sieht man doch eh erst wenn es da ist und wenn es auch wieder schließt kann man da ja mal ein paar Geschäfte rein machen die was für die Jugendlichen sind,die haben hier nämlich nicht so viel Auswahl,die meisten fahren doch nach Neubrandenburg oder bestellen im Netz…

  3. Toralf Schnur sagt:

    Die Ansicht der Stadtverwaltung, vertreten durch den zuständigen Amtsleiter Dr. Lüdde, stellt nach meiner Einschätzung im Kern nur auf staatliche Regulierung ab. Man möchte als Stadtverwaltung angeblich gern eine Handhabe über die Anzahl und die Art von Geschäften in der Innenstadt haben. Man tut so als hätte man darauf Einfluss. Tatsächlich ist das alles nur irgendein Gerede, weil die Stadtverwaltung praktisch keinen Einfluss auf die Entwicklung der Geschäfte und vor allem deren Angebot hat. Es gibt zwar eine wiedermal zu teuer bezahlte Konzeption die ein vermeintliches Angebot definiert, welches in der Innenstadt vorhanden sein sollte. Dieses Angebot ist jedoch so weitläufig gefasst bzw. formuliert, dass es tatsächlich keine richtige Eingrenzung gibt.

    Die Ansicht der Stadtverwaltung verstößt auch gegen die Grundzüge von Marktwirtschaft und ist im Ergebnis Planwirtschaft. Die mit der entsprechenden Konzeption angepeilte künstliche Verknappung von Angeboten, nämlich durch Regulierung des Staates, führt immer zu einer Verteuerung der Angebote selbst. Und diese Verteuerung führt im Ergebnis zu einem Nachteil im Wettbewerb mit Unternehmen in anderen Regionen. Letztlich zahlt immer der Endverbraucher diesen Eingriff des Staates. Von daher finde ich den Bau des Kaufhauses Stolz schon einmal gut, weil diese künstliche Verknappung in weiten Teilen beendet wird.

    Der Schutz der Innenstadthändler mag aus wahltechnischen Gründen für einige Vertreter politischer Parteien sicher clever sein, allerdings führt dieser vermeintliche Schutz auch ohne das Kaufhaus Stolz bereits heute ins Leere. Wer sich heute vor die Innenstadthändler stellt und ihnen erklärt, dass er sich für sie einsetzen wird mag viel Zustimmung finden, allerdings ehrlich ist das trotzdem nicht. Es gibt in der Marktwirtschaft keinen Schutz und auch das ist gut so, damit neue Ideen, neue Angebote überhaupt auf den Markt kommen können. Alles andere führt zu Stagnation und Rückschritt.

    Wer unsere Innenstadt und deren Entwicklung beobachtet, der wird schnell feststellen, dass sich das Angebot in den letzten Jahren bereits sehr verändert hat. Die Kundschaft stimmt also bereits mit den Füßen ab, ob es der Stadtverwaltung nun gefällt oder nicht. Es ist dem Endverbraucher nämlich im Zweifel egal, wo er kauft, auch wenn immer das Gegenteil behauptet wird, die Praxis zeigt diesen Trend eindeutig.

    Unabhängig davon sollte man auch mal erwähnen, dass das Gericht im Wesentlichen darüber entschieden hat ob die sogenannte Nahversorgung der Bürger noch gewährleistet bleibt oder eben nicht. Und da gab es ein klares Signal, sie bleibt gesichert, mit oder ohne das Kaufhaus Stolz.

    Ob das Kaufhaus Stolz am Ende die Zahlen erreicht, die man beabsichtigt, dass wird der Wettbewerb entscheiden. Ich bin davon überzeugt, dass die Händler der Innenstadt diesen Wettbewerb annehmen und am Ende ihre Existenz auch wahren. Eines wird jedenfalls am Ende feststehen, der Endverbraucher wird der Gewinner dieses Wettbewerbs, weil er endlich zwischen den zahlreicheren Angeboten entscheiden kann. Auch deshalb begrüße ich die Entscheidung für das Kaufhaus Stolz ausdrücklich.

  4. heinz-Peter Schifflers sagt:

    Wir haben die total gescheiterte staatliche Planwirtschaft vor nunmehr 25 Jahren hinter uns gelassen …. sollte man meinen. U.A. diese Planwirtschaft hat zum totalen Bankrott und Zusammenbruch des gesamten Ostblocks, also auch der DDR geführt. Die freie, soziale Marktwirtschaft, die Vielfalt und Wettbewerb im Angebot zugunsten der Verbraucher überhaupt erst möglich macht, war und ist das überlegene wirtschaftliche Erfolgs- Modell der demokratischen Gesellschaftssysteme. Freier Wettbewerb generiert die Phantasie aller am Markt Beteiligter und Vielfalt zum Vorteil der Besten, vor allem aber zum Vorteil der Kunden in Preis und Qualität.
    Bemerkenswert ist, daß sich für alle übrigen Marktteilnehmer z.B. aus Industrie und Handwerk niemand in dieser überholten planwirtschaftlichen Art einsetzen würde. Weshalb also gerade in dieser speziellen Dienstleistungsbranche?
    Die guten, kundenorientierten und kundenfreundlichen Inhaber der kleineren Geschäfte in der Innenstadt werden nicht untergehen. Sie werden mit Sachverstand, einem besonderen Angebot, mit individueller und kundenfreundlicher Beratung, mit Qualität und einem besonderen Flair auch weiterhin punkten können. Das kommende kleine “ Großkaufhaus“ wird zwar Mitwettbewerber in der Vielfalt der Anbieter, aber auch kundenfreundlicher Motor für Angebotsvielfalt und Qualität für alle sein.

  5. oscar sagt:

    Das Hr.Dr.Lüdde über die Entscheidung des Verwaltungsgerichts nicht erfreut ist, ist wohl kaum von Interesse für die Bürger der Stadt und des Umlandes. Er musste jetzt akzeptieren, wie Demokratie funktioniert und letztendlich der Wille vieler Bürger darin zum Ausdruck kommt. Wenn man in der Stadtverwaltung von Anfang an auf diese Meinung gehört hätte, wäre nicht soviel Geld für Gerichtkosten, Rechtsanwälte und Gutachter „verschleudert“ worden. Schade, dass dafür niemand haftbar zu machen ist.
    In der übrigend Argumentation möchte ich mich Herrn Schnur anschließen, der deutlich in seinem Kommentar zum Ausdruck gebracht hat, worum es eigentlich geht. (Obwohl ich in anderen Sachfragen oftmals anderer Meinung als er bin).
    Nun sollte schnell etwas passieren, dass wir alle bald das Kaufhaus Stolz kennenlernen können. Übrigens, haben die Verantwortlichen von Stolz sicherlich auch im Vorfeld gerechnet und betriebswirtschaftlich gedacht, beim Kampf um diesen Standort.