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Leiser Fahrspaß: Elektromotorradfahrer schafft über 1100 km bei Test an Seenplatte

12. März 2018

E-Autos haben viele schon gesehen, E-Motorräder eher noch nicht. Eine solche Maschine und ihr Fahrer haben jetzt an der Mecklenburgischen Seenplatte für Aufsehen gesorgt.

Der Berliner Remo Klawitter hatte zusammen mit MV-Landeszentrum für erneuerbare Energien in Neustrelitz einen „Weltrekordversuch“ gestartet: Eine 24-Stunden-Fahrt, wie die Veranstalter „Wir sind Müritzer“ mitteilten.

Der erfahrene Motorrad-Pilot wollte mit Unterstützung von Helfern zeigen, dass elektrogetriebene Maschinen schon so ausgereift sind, dass man auch damit eine Spritztour machen kann. Geplant waren trotz der Aufladepausen – die Reichweite der Akkus liegt derzeit bei etwa 150 Kilometer – etwa 1000 Kilometer zwischen Woldegk, Neubrandenburg, Rechlin und Berlin hin und her zu fahren. Um es vorweg zu nehmen –  Klawitter schlief in den Ladepausen und schaffte 1113 Kilometer.

Besonders anstrengend war, dass man immer genau schauen musste, wie weit kann ich noch fahren und wann muss ich optimalerweise wieder zum Aufladen zurück, sagte der Fahrer. Die technische Entwicklung sei aber schon gut: Früher dauerte das Aufladen vier bis fünf Stunden, jetzt sind dafür noch 50 Minuten nötig.

Die Zero DSR 14.4, die Klawitter fuhr, hat knapp 80 PS und einen kräftigen Anzug. Besonders gewöhnungsbedürftig wie bei allen E-Krädern ist aber: Man hört fast nichts, wenn dieses Motorrad fährt. Wo bei anderen Maschinen der Tank ist, kann man beim E-Krad Gepäck verstauen. Um wenigstens das Gefühl von Motorrad zu habe, gibt es noch einen Drehgriff, bei dem die drei Fahrstufen eingestellt werden: Wenig Verbrauch von Energie, Normal und Sportmodus. Deshalb schaffen Motorräder in Städten eine größere Reichweite von bis zu 250 Kilometern.

Die Preise für die E-Motorräder beziffern die Experten auf 12 400, 14 500, 18 300 und 21 000 Euro. Das sei im Vergleich zu Zweitaktmotor-Fahrzeugen gleicher Klasse teuer. Der Preis hänge von der Leistung des E-Motors und auch ganz stark von der Ladetechnik ab. Je schneller aufladbar, desto teurer, heißt eine Faustregel.

Händler an der Müritz sehen vorerst kaum Absatzmöglichkeiten solcher Motorräder für die dünn besiedelte und auch noch dünn mit Ladestationen versorgte Gegend. Man habe das bei E-Rollern gemerkt, die erst „gar nicht gingen“, sagte ein Händler. Als man die Preise dann reduzierte, um die Gefährte doch zu verkaufen, waren sie schnell weg: Großstädter hatten sie per Internet entdeckt und gekauft.


5 Antworten zu “Leiser Fahrspaß: Elektromotorradfahrer schafft über 1100 km bei Test an Seenplatte”

  1. Raoul Bajorat sagt:

    Wenn das alles so toll ist, wozu haben LKW-fahrer dann eigentlich vorgeschriebene Ruhezeiten?
    Mal im Ernst, das Ganze ist echt gefährlich und unverantwortlich. Und wird auch noch mit Landesmitteln gefördert…

    • Ich habe mich auf die Tour lange vorbereitet. Alle 1,5 h gabe es eine Ruhepause von knapp 1h in der das Motorrad geladen hat – so konnte ich mich mehrmals ausruhen und das Risiko so stark vermindern : ein LKW fährt seine Stunden durch.

      Das Leea hat uns die Ladesäule und ein paar Heißgetränke zur Verfügung gestellt: wir haben 95 kWh nachgeladen… das entspricht in etwa 28,50 Euro. Der Strom und die Heißgetränke wurden vom „Trägerkreis Elektromobilität M-V“ gesponsort.

      Der Steuerzahler wurde für diese Aktion nicht belastet.

  2. Eddy sagt:

    Das stimmt nicht was Du schreibst.
    Es wurden 9,5 Std geladen == Pausen. Und das wurde auch nicht mehr gefördert wie jeder Stinkediesel.
    Und er hat keinen Dreck hinterlassen.

  3. Rob sagt:

    Zunächst Gratulation zum Weltrekord.
    Ich bin die Zero selbst mal zur Probe gefahren und finde sie sehr spannend hinsichtlich des geringen Wartungsaufwand und der niedrigen Betriebskosten. Auch die fehlende Kunpplung und Schaltung und das Motorengeräusch habe ich nicht vermisst. Die Reichweite ist prinzipiell voll in Ordnung, da ich i.d.R. eh alle 150km eine Pause einlege.

    Nur, warum macht man die Kisten nicht schnellladefähig für DC-Ladesäulen? Ich kann nicht verstehen, warum man ernsthaft das Ladeequipment/Gleichrichter bzw. ChargeTank mit herumfahren muss und dennoch auf keine gescheite Ladezeit kommt.
    Ich kann sicher bei Gruppenausfahrten von meinen Mitfahrern verlangen, alle 150km eine Pause von 10-15min an einer Schnellladesäule einzulegen, jedoch nicht alle 200km eine Ladezeit von 1,5-2 Stunden für mich beanspruchen (sofern die Ladesäule frei ist und keine weiteren E-Bike-Fahrer dabei sind).
    Sofern bleibt die Zero ein reines Pendelmotorrad, wo am Start oder Zielort eine Lademöglichkeit vorhanden ist. Für längere Touren mit anderen Fahren nur bedingt geeignet. Das ist schade.
    Wenn die DC-Lademöglichkeit zukünftig irgendwann kommt, werde ich umsteigen, vorher ist es für mich leider nicht zielführend.

  4. Elimar sagt:

    Herr Klawitter,

    mir kommt das ziemlich banal vor, bin ich doch solche Strecken, zugegeben, ebenfalls nicht am Stück, mit dem Drahtesel gefahren. Da haben wir uns Ruhe- und Ladezeiten gegönnt; Aufladung mit geschmierten Bemmen, Müsliriegeln und am Berg auch mal ´ne Traubenzuckertablette. Die Energie gab es überall problemlos, zudem weder aus Vattenfall-Kernspaltung über hellblaue Säulen noch mit grün gepinseltem RWE-Braunkohledreck. Könnte es sein, dass Ihre Veranstaltung nach PR riecht? Wer hat das bezahlt? Mal schnuppern! Antwort ist bestimmt nicht nur für mich spannend.

    Grüße,

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