MV: Historischer Tiefstwert bei tödlich Verunglückten

16. Mai 2024

Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle in Mecklenburg-Vorpommern nähert sich allmählich wieder dem Niveau der Jahre vor der Corona-Pandemie an: Mit 55.641 Unfällen stieg die Anzahl 2023 um vier Prozent gegenüber Vorjahr (53.500). Damit ereignet sich alle neun Minuten ein Verkehrsunfall in MV. Positive Entwicklung: Mit 57 tödlich Verunglückten wurde in MV im vergangenen Jahr ein historischer Tiefstwert erreicht. „Mecklenburg-Vorpommern kann damit für 2023 im Vergleich aller Bundesländer den mit Abstand stärksten Rückgang bei tödlichen Verkehrsunfällen verzeichnen“, so Innenminister Christian Pegel.

„Mehr als 90 Prozent der Unfälle im Land sind zum Glück Unfälle ´nur´ mit Blechschäden“, so der Innenminister. Die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Verunglückten ist um 33 auf 4.880 gesunken (2022: 4.913) und damit beinahe gleichbleibend. Auch bei den Schwerverletzten konnte ein Rückgang um gut 13 Prozent von 1.266 im Jahr 2022 auf 1.105 in 2023 festgestellt werden.

„Allerdings machen unsere Daten zu den tödlich verunglückten Unfallbeteiligten auch eines sehr deutlich: Der Gurt kann Leben retten – aber nur, wenn er angelegt ist“, appelliert der Innenminister an alle Verkehrsteilnehmer. Grund seines deutlichen Hinweises: Von den 57 im vergangenen Jahr im Straßenverkehr tödlich Verunglückten waren 31 Pkw-Fahrer und von diesen waren zehn Menschen nicht angeschnallt. „Das macht ein Drittel der in Kraftfahrzeugen Getöteten aus“, verdeutlicht Pegel.

Erneut viele Baumunfälle

Und ein weiteres Detail der Verkehrsunfallstatistik gibt aus Sicht des Innenministers Anlass zum gemeinsamen Nachdenken: „Leider müssen wir auch feststellen, dass bestimmte Tage in unserer Statistik herausstechen: Die große Mehrzahl der tödlichen Unfälle auf unseren Straßen passiert donnerstags, sonnabends und an Sonntagen“, erläutert Christian Pegel und weist auf Annahmen für eine Erklärung hin: „Die Menschen sind am Ende der Woche vermutlich von der Arbeitswoche erschöpft und beim Autofahren unkonzentrierter als zu Beginn der Woche, am Wochenende werden häufiger Besuche getätigt, Veranstaltungen besucht oder andere Ausflüge gemacht und dafür Straßen genutzt, die nicht – wie beispielsweise der tägliche Arbeitsweg – aus dem Effeff bekannt sind, was die Gefahr erhöht, zudem sind Feiern am Wochenende häufiger.“

Mit 47 Prozent der Gesamtgetöteten bei Baumunfällen nehmen diese einen hohen Anteil ein. „Damit sind nicht die Autobahnen die gefährlichen Straßen in unserem Bundesland, sondern tatsächlich die Landstraßen. Unsere Alleen im Land sind toll, aber bergen auch Gefahren. Daher seien Sie bitte alle besonders vorsichtig unterwegs – insbesondere in unseren wunderschönen Alleen, in deren und in Ihrem Interesse“, appelliert der Minister.

In Mecklenburg-Vorpommern wurden auf Basis von Sondererhebungen Streckenabschnitte im Bundes- und Landesstraßennetz identifiziert, auf denen besonders häufig Unfälle mit Baumanprall festgestellt wurden. Um die Schwere der Folgen solcher Unfälle zu mindern, hat die Straßenbauverwaltung des Landes im Rahmen des 1. Nachrüstprogramms Schutzplanken 2017 bis 2021 an Bundesstraßen etwa 170 Kilometer und an Landesstraßen etwa 37 Kilometer Schutzplanken aufgestellt. Hierfür wurden aus dem Bundes- und Landeshaushalt insgesamt etwa 12 Millionen Euro investiert. „Wir haben ein zweites Programm dazu aufgelegt. Für die Jahre 2022 bis 2025 stehen rund 13 Millionen Euro für Schutzplankennachrüstungen an Bundes- und Landesstraßen mit einer Länge von etwa 50 Kilometern zur Verfügung“, sagte Jesse.

Größte Veränderungen bei jungen Fahrern

Bei den „Jungen Fahrern“ (15 bis unter 25 J.) ist im Vergleich zu den sonstigen Altersgruppen die größte Veränderung festzustellen. „Die Gruppe der 15- bis unter-18-Jährigen umfasst insgesamt 169 der Gesamt-Unfallverursacher. Das ist ein Anstieg um 31 Fälle bzw. 23 Prozent, dabei machen diese einen Anteil von unter vier Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Bei den 18- bis unter 25-Jährigen ist der Anstieg um 47 Fälle auf 595 noch deutlicher. Auch wir Erwachsene können unseren Beitrag leisten, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Wir müssen mit gutem Beispiel, mit einem rücksichtsvollen und vorsichtigen Verkehrsverhalten, vorangehen“, so der Minister und führt weiter aus: „Bei den Verunglückten nehmen die 15 bis unter 25 Jahre alten Verkehrsteilnehmer leider ebenfalls einen großen Anteil gemessen an deren Anteil an der Gesamtbevölkerung ein. Beide Gruppen umfassen insgesamt 17,9 Prozent der Verunglückten.“

Mit 1.547 (Minus 7,2 Prozent) wurden im Jahr 2023 weniger Radunfälle, einschließlich Pedelecs, im Land registriert. „Von den verunglückten Radfahrern fuhren 235 ein Pedelec, damit ist ihr Anteil mit 15 Prozent gleichgeblieben. Von den zwei getöteten Radfahrern fuhren beide ohne Helm“, sagt Christian Pegel bei der Landespressekonferenz. In vielen Großstädten prägen mittlerweile auch die sogenannten E-Scooter (Elektrokleinstfahrzeuge) das Stadtbild, diese nehmen auch vermehrt einen Anteil in der Verkehrsstatistik ein. Mit 105 Verunglückten mit diesem Fahrzeugtyp hat sich diese Zahl seit 2021 mit 67 deutlich erhöht.

Alle 31 Minuten ein Wildunfall

Besonders häufig sind in Mecklenburg-Vorpommern mit seiner weiträumig dünnen Besiedlung und seinen idyllischen Alleen seit vielen Jahren nicht nur Unfälle mit Bäumen, sondern auch Unfälle mit Wildtierbeteiligung. „Bei Letzteren haben wir im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um fast zehn Prozent auf 17.027 verzeichnet. Damit ist leider jeder dritte Unfall ein Wildunfall in MV – und viel erschreckender: alle 31 Minuten passiert ein Unfall mit Wild“, so der Innenminister und empfiehlt: „Insbesondere in den frühen Morgen- und in den Abendstunden im Frühjahr und Herbst sollten Fahrer die Geschwindigkeit reduzieren, den Fahrbahnrand im Auge behalten und bei plötzlich auftauchendem Wild nicht ausweichen, sondern bremsen und die Spur halten.“

Die Zahl derer, die vom Unfallort flüchten, ist seit vielen Jahren unverändert hoch. Auch 2023 bedeuten 10.495 Mal Unfallflucht bei insgesamt 55.641 Unfällen, dass fast jeder fünfte Verursacher unerlaubt den Unfallort verlässt – und damit eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren riskiert. „Oder anders ausgedrückt: alle 50 Minuten flüchtet ein Unfallverursacher vom Ort des Geschehens. Zum Glück geht es bei 96 Prozent dabei um Unfälle mit ausschließlich Blechschaden“, führt der Innenminister aus.


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