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MV: Tourismus-Zahlen erholen sich, aber Arbeitskräftemangel sorgt für tiefe Sorgenfalten

22. September 2022

Nach zwei Sommern mit Corona-Beschränkungen reisen die Menschen wieder häufiger zu den touristischen Ziele Mecklenburg-Vorpommerns. Jüngste Zahlen belegen, dass das gewerbliche Übernachtungsaufkommen im Juni vor allem an der Mecklenburgischen Ostseeküste fast wieder das Nachfrageniveau 2019 vor der Corona-Krise erreicht hat. Aber auch in den anderen Reisegebieten Mecklenburg-Vorpommerns wird der Rückstand zum Vorkrisen-Niveau geringer. Allein im Juni lag die Zahl der gewerblichen Übernachtungen in Mecklenburg-Vorpommern nur noch 8,5 Prozent unter dem Nachfrageniveau von Juni 2019. Im 1. Halbjahr 2022 insgesamt zählten die Betriebe 9,5 weniger Gästeübernachtungen als im Vergleichszeitraum 2019. Das geht aus dem aktuellen Sparkassen-Tourismusbarometer 2022 des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) hervor.

Die Gäste legen mehr denn je wert auf Qualität und Service, gleichzeitig hat Corona tiefe Spuren in der Tourismuslandschaft hinterlassen und Probleme, wie den Fachkräftemangel dramatisch verschärft.

Der Geschäftsführende Präsident des OSV, Ludger Weskamp betonte: „Tourismus baut auf Gastfreundschaft, kreative Angebote und erstklassigen Service. Maßgeblich für den nachhaltigen Erfolg sind intelligente Lösungen für eine Balance von Gästezufriedenheit und der Zufriedenheit von Gastgebern sowie Mitarbeiterinnen- und Mitarbeitern in den Betrieben.“

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig und geringfügig Beschäftigten im Gastgewerbe Mecklenburg-Vorpommerns hat im Jahr 2021 gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019 insgesamt um 9 Prozent abgenommen, deutschlandweit sogar um 15,9 Prozent. Die gastgewerblichen Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern meldeten im Jahre 2021 genau 1.674 Ausbildungsstellen. 28 Prozent der Ausbildungsstellen blieben unbesetzt.

Wieder mehr Übernachtungen

Die touristischen Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern meldeten im 1. Halbjahr 2022 erneut Rückgänge bei den gewerblichen Übernachtungen von 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenzeitraum 1. Halbjahr 2019, deutlich höher waren die Rückgänge deutschlandweit mit 15,6 Prozent. Die Höhe der Rückgänge fiel deutlich geringer aus als in den Corona-Jahren mit ihren teils erheblichen Auflagen und Beschränkungen.

Zählten die Betriebe im 1. Halbjahr 2019 noch rund 13,5 Millionen Übernachtungen in gewerblichen Betrieben, waren es im 1. Halbjahr 2020 noch 7,9 Millionen Übernachtungen und im Lockdown-Halbjahr 2021 nur noch 4,5 Millionen Übernachtungen. 2022 stieg die Zahl der gewerblichen Übernachtungen in Mecklenburg-Vorpommern wieder auf 12,2 Millionen.

Auch nachdem die meisten Corona-Beschränkungen aufgehoben waren, entwickelten sich die Reisegebiete im 1. Halbjahr 2022 unterschiedlich. Insgesamt schwächten sich die Übernachtungsrückgänge im 1. Halbjahr 2022 gegenüber dem 1. Halbjahr 2019 in allen deutlich Reisegebieten ab.

Nur noch geringe Rückgänge meldete die Mecklenburgische Ostseeküste (- 5,5 Prozent). Rügen/Hiddensee (- 10 Prozent) und Vorpommern (- 10,9 Prozent) lagen leicht über dem Landesdurchschnitt, während sich das Binnenland vergleichsweise langsamer erholt mit Westmecklenburg (- 11,6 Prozent) und Mecklenburgische Schweiz und Seenplatte (- 13,2 Prozent).

Zimmerpreise deutlich gestiegen

Die Zimmerpreise in Mecklenburg-Vorpommern stiegen während der Corona-Krise deutlich an. Lagen sie 2019 durchschnittlich bei etwas über 120 Euro, so kostet ein Zimmer aktuell durchschnittlich 164 Euro. Gleichzeitig ist die Zimmerauslastung leicht zurückgegangen auf aktuell 79 Prozent. Der Zimmerpreis in Mecklenburg-Vorpommern liegt mit 55 Euro deutlich über dem Preisniveau in Ostdeutschland insgesamt. In Mecklenburg-Vorpommern profitieren die Betriebe von der Lage und der Nachfrage. Die Zufriedenheit der Gäste mit dem Preis ist im Rahmen des Trust Score vergleichsweise gering ausgeprägt.

Insgesamt sehen sich die ostdeutschen Betriebe im Spannungsfeld steigender Qualitätsansprüche und geringerer Handlungsspielräume.

Acht von zehn Betrieben beklagen laut einer Online-Befragung des Tourismusbarometers im Gastgewerbe, dass die Ansprüche ihrer Gäste an Qualität in den letzten zehn Jahren stärker gestiegen sind, als sie die Preise erhöhen konnten.

Qualität und Gästezufriedenheit bleibt Aufgabe

Qualitätsarbeit bleibt eine wichtige Aufgabe. Weitere Impulse in den Betrieben und Qualitätssignale an die Gäste sind erforderlich. Schwachstellen in der Qualität müssen abgebaut werden. Die Zufriedenheit der Gäste mit der Qualität ihrer Übernachtungsquartiere in Mecklenburg-Vorpommern stagniert 2022 mit 84,5 Punkten beim Trust Score. Das ist ein geringes Minus von 0,1 Punkten im Vergleich zum Jahr 2021 und ein deutliches Minus von 0,4 Punkten gegenüber dem Jahr 2020. Die Zufriedenheit der Gäste in Deutschland insgesamt liegt mit 86,4 Punkten beim Trust Score höher.

Hohe Zufriedenheit herrscht unter den Gästen mit dem Service (93 Punkte), der Location (92,1 Punkte) und dem Hotel (89,9 Punkte). Schwachstellen in der Qualität bleiben die Zimmer (78,3 Punkte), das gefühlte Preis-Leistungsverhältnis (73,6 Punkte) und der Internetzugang (50,3 Punkte).

Regional sticht die Mecklenburgische Schweiz und Seenplatte (85,7 Punkte) als Destination mit den zufriedensten Gästen landesweit heraus.

Der Trust Score fasst Gästebewertungen auf rund 250 Onlineplattformen für Unterkunftsbetriebe zu einem Gesamtwert der Gästezufriedenheit zusammen, maximal 100 Punkte können erreicht werden.

Aktuell im Fokus: Qualitätssicherung trotz Arbeitskräftemangel

Die Tourismusbetriebe stehen vor Herausforderungen. Die Gäste erwarten hohe Qualität und kundennahen Service, zunehmend auch nachhaltige Tourismusangebote bei wachsender Personalknappheit. Die Corona-Krise wirkte hierbei wie ein Brennglas und hat strukturelle Probleme der Branche verstärkt. Die Gesamtzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und der geringfügig Beschäftigten im Gastgewerbe Mecklenburg-Vorpommerns ging vom Jahr 2019 bis zum Jahr 2021 um 9 Prozent zurück.

Das Tourismusbarometer fordert dazu auf, Investitionen verstärkt aus der Perspektive vorausschauender Personalpolitik zu planen. Mitarbeitersuche bleibt wichtig. Hier gilt es verstärkter auch internationale Arbeitskraftressourcen zu nutzen. Bereits heute sind ausländische Kolleginnen und Kollegen im Tourismus oft Realität.

Mitarbeiterbindung muss künftig stärker in den Fokus gerückt werden. Eine Online-Befragung im Gastgewerbe und der Freizeitwirtschaft in Ostdeutschland für das Tourismusbarometer ergab, dass insbesondere Vereinbarkeit von Beruf und Familie (73 Prozent), finanzielle Anreizsysteme (59 Prozent), flexible Arbeitszeit (58 Prozent), Einbezug Dienstplangestaltung (56 Prozent) und im Homeoffice/remote arbeiten (52 Prozent) in den Betrieben an Bedeutung gewonnen haben.

Aus Sicht der ostdeutschen Betriebe zwingt der zunehmende Arbeitskräftemangel sie dazu, ihre Angebotsstruktur auf weniger personalintensive Dienstleistungen umzustellen. 93 Prozent der Gastronomiebetriebe, 82 Prozent der Beherbergungsbetriebe und 69 Prozent der Freizeit- und Kultureinrichtungen teilen diese Ansicht laut einer Befragung des Tourismusbarometers.

Daher fordert das Tourismusbarometer, Potentiale der Prozessoptimierung und Digitalisierung auszuschöpfen. Dabei geht es nicht um Rationalisierung zwecks Kostenvorteil, sondern zwecks Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.


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