Ortsumgehung für Waren scheint wirklich vom Tisch

17. Mai 2024

War es das Engagement der jungen Warenerin Johanna Möller und ihrer Mitstreiter oder stand eigentlich schon seit dem Bürgervotum fest, dass nicht weiter an Planungen für eine Umgehungsstraße gearbeitet wird? Wie dem auch sei: In dieser Woche ist gleich dreifach bestätigt worden: Keine Umgehung für Waren, das Land hält sich an das zehn Jahre alte Votum. Das erklärten sowohl Wirtschaftsminister Reinhard Meyer, der Vertreter der Bürgerinitiative empfangen hat, als auch Jens Krage, Leiter des Straßenbauamtes Neustrelitz, und nicht zuletzt Bürgermeister Norbert Möller. Solange die Warener also nicht mehrheitlich sagen: Wir wollen eine Umgehung oder Stadtvertreter einen entsprechenden Beschluss fassen, sucht niemand weiter nach möglichen Varianten. Dafür aber nach Lösungen, um den Lärm entlang der B 192 in der Stadt weiter zu reduzieren.

Vor zehn Jahren hatten fast 60 Prozent der Wähler gegen eine Ortsumgehung gestimmt, doch aus der Welt war sie deshalb trotzdem nicht. Immer mal wieder gab es in den vergangenen Jahren Vorstöße verschiedener Politiker, um doch noch eine Umfahrung hinzu bekommen. Und es existiert aktuell eine Vereinbarung zwischen dem Straßenbauamt Neustrelitz und der Stadt Waren, in der es um die Lärmreduzierung geht. Johanna Möller war diese Vereinbarung zu vage formuliert, sie startete unter dem Motto „Keine weitere Schnellstraße durchs Heilbad Waren: Verteidigt den Willen der Bürger!“eine Petition und übergab sie mit mehr als 1300 Unterschriften an Stadtpräsident Rüdiger Prehn (WsM berichtete).

Vor wenigen Tagen sind sie und einige ihrer Mitstreiter von MV-Wirtschaftsminister Reinhard Meyer in Schwerin empfangen worden. Meyer habe ausdrücklich um einen persönlichen Termin gebeten.

„Es macht keinen Sinn eine Ortsumgehung anzugehen gegen den Bürgerwillen oder den Mehrheitswillen einer Gemeinde. Was für mich immer klar war: Mit dem Bürgervotum 2013 gab es keine Anmeldung für den Bundesverkehrswegeplan mehr; das war damals auch von Minister Schlotmann versprochen worden und daran ändert sich nichts“, erklärte der Minister den Warenern.

Sowohl dessen Nachfolger, der heutige Innenminister Pegel, als auch er selbst halte sich an diese Aussage. Deswegen gäbe es keine Veranlassungen für weitere Planungen. Aktuell werde also nicht an den potentiellen Nordtrassen (Brücke über den Tiefwarensee und Brücken durch das Naturschutzgebiet Falkenhäger Bruch) für den nächsten Bundesverkehrswegeplan geplant.

Minister Meyer: „Es ist bedauerlich, dass es durch die Kooperationsvereinbarung zu Irritationen gekommen ist; dies habe ich bereits mit dem Straßenbauamt Neustrelitz ausgewertet. Bei der Kooperationsvereinbarung ist für mich klar, dass man sich weiterhin um
die Lärmprobleme kümmern muss. Das hat Priorität und dabei will das Ministerium gerne helfen.“

Der Minister weiter: „Für mich ist eigentlich mit dem Bürgervotum klar: es wird in absehbarer Zeit keine Ortsumgehung Waren geben. Nur wenn sich das Meinungsbild innerhalb der Stadt Waren ändert, wird man sich auch wieder darüber unterhalten können. Dabei muss man wissen, dass eine Ortsumgehung in Waren nach allen Regeln der Kunst sowieso nur äußerst schwierig zu realisieren sein wird.“

Lärmschutz intensivieren

Johanna Möller und die Vertreter der Bürgerinitiativen nutzen das Gespräch, um das Thema Lärmreduzierung mit dem Minister zu erörtern. Insbesondere die Frage, welche weiteren Möglichkeiten geprüft werden können und ob die Prüfungen nicht intensiviert werden können.

„Legitim ist es, darüber nachzudenken: Wie kann man Lärmschutz organisieren? Hier sollte gemeinsam mit der Gemeinde überlegt werden, wie man eine Lärmreduzierung vorantreiben kann. Über Lärmschutz reden wir selbstverständlich, denn ich glaube da gäbe es noch mehr Potential für die Menschen vor Ort“, so Meyer.

Die Vertreter der Bürgerinitiative befürworten unter anderem Lärmschutz durch den bereits verbauten Flüsterasphalt, Lärmschutzwände und endlich durch die Realisierung einer „Grüne Welle“ unter Einbindung der Bedarfsampeln. Es sei belastend für die Anwohner, dass der Verkehr bei der Stadtdurchfahrt an bis zu 13 Ampeln abbremsen und wieder anfahren müsse.

Minister Meyer zeigte sich demgegenüber sehr aufgeschlossen: „Natürlich gäbe es auch Möglichkeiten, über verkehrsregelnde Maßnahmen nachzudenken, um Lärmschutz zu befördern. Wir können das Thema Grüne Welle auch gerne noch einmal prüfen.“

Fazit der Teilnehmer:

Johanna Möller: „Mich freut, dass der Minister sich wirklich Zeit für so einen intensiven Gedankenaustausch genommen hat und voll im Thema stand. Er vermittelt wirklich den Eindruck, Lärmschutz für die Anwohner zu forcieren. Ganz klar hat er verdeutlicht, dass ihm das Demokratieverständnis sehr wichtig ist und er den Bürgerwillen respektiert; und dies gelte auch für ihm nachgeordnete Ämter.“

Evelyn Kartheuser: „Ein guter Gedankenaustausch und mit Minister Meyer ein aufmerksamer Zuhörer. Sehr gut ist, dass nun auch andere Lärmschutzmaßnahmen intensiver geprüft werden. Sich nur auf eine große Maßnahme zu verlassen bringt nichts; besser ist ein Konzept vieler kleiner Schritte. Und das muss jetzt endlich angegangen werden. Dies hat Minister Meyer ganz klar aufgegriffen. Schon deshalb war es ein sehr konstruktiver Termin.“

Carsten Schütze: „Ein klares und eindeutiges Wort des Ministers: keine weitere Planung der alten Varianten zur Ortsumgehung. Damit sind die aufgekommenen Unsicherheiten aufgrund der missverständlichen Formulierung in der Kooperationsvereinbarung endlich vom Tisch.“


4 Antworten zu “Ortsumgehung für Waren scheint wirklich vom Tisch”

  1. Warener Jung sagt:

    Auch auf die Gefahr hin, das ich mich wiederhole. Es entspricht nicht der Wahrheit, das sich 60 % der Warener gegen eine
    Ortsumgehung ausgesprochen haben. Sie haben sich gegen die Variante der Tiefwarenseeüberquerung mittels einer Brücke
    und gegen die Verschandelung der Natur ausgesprochen. Wenn man es gewollt hätte (großzügige Spangenlösung), dann hätte
    sich auch eine Mehrheit gefunden. Aber die Politik dreht sich die Wahrheit so hin, wie man sie gerade brauchen tut.

  2. H.-J. Ferse sagt:

    Die Warener brauchen ja auch keine Ortsumgehung. Der Rest wird nicht gefragt.

  3. sagt:

    Ich hoffe die Selbstdarsteller kommen mit ihrer Forderung nicht durch. Waren braucht auf jeden Fall eine Ortsumgehung.
    Diese wenige Stimmen können doch nicht darüber Entscheiden ob Waren eine Ortsumgehung braucht oder nicht.
    Also müssen sich die normal denkenden Einwohner stark machen und einen erneuten Bürgerentscheid fordern.
    Der Straßenverkehr nimmt stetig zu, wer was anderes sagt geht an der Realität vorbei.
    Ich denke wer gegen die Ortsumgehung ist hat , entweder Eigeninteresse (weil sein Anwesen davon betroffen ist) oder will sich nur ins Rampenlicht stellen. Aber von diesen Leuten haben wir schon zu viel.

  4. Dr. Wolfgang Gerlach sagt:

    Diese Entscheidung ist für mich nicht verständlich !!!
    Es ist für mich ein Widerspruch in sich, wenn auf der einen Seite der Neubau der Bahnbrücke u.a. damit begründet wird, dass über 20.000 Fahrzeuge/Tag die Brücke und damit die B 192 in Waren passieren und auf der anderen Seite eine Umgehung nicht notwendig sei !?
    Wer oder was entscheidet über die Notwendigkeit ? Ein 10 Jahre alter Bürgerentscheid oder eine fundierte Zählung der durchfahrenden Fahrzeuge und damit die Belastung der Strasse und der anwohnenden Bürger. Der Bürgerentscheid 2013 betraf die Frage „Wollt ihr eine Umgehung ?“. Es hätte die Frage richtig lauten müssen „Welche der 5 Varianten würdet ihr vorziehen ?“.
    Über die möglichen Varianten sollte man sich Gedanken machen und dazu die Fachleute und die Bürger mit einbeziehen.
    Ein Minister entscheidet von weit weg (Schwerin), dass für ihn der Bürgerentscheid von 2013 bindend sei. Er wohnt nicht in Waren an der B 192 und kennt vermutlich auch nicht die Begründung für den Bahnbrückenneubau bzgl. des darüber hinwegfliessenden Verkehrs.
    Die Vertreterin der Bürgerinitiative wohnt vermutlich auch eher an der möglichen Umgehungstrasse als z.B. in der Mozartstrasse (die Trasse würde ihre Ruhe stören !).
    Ich verstehe auch nicht, wie ein Minister ein einseitiges Gespräch führen kann ohne Beteiligung der „Gegenseite“, soweit ich weiß gibt es auch eine Initiative „Pro Umgehungsstrasse“.
    Der Verkehr im Allgemeinen nimmt jedes Jahr zu, so auch in bzw. durch Waren. Ich denke, dass eine neue Umfrage, unter den richtigen Vorzeichen und nach richtiger Vorbereitung – unabhängige Verkehrszählung, ordentliche aufklärende Gespräche mit den Bürgern, Diskussion der Varianten (kostengünstiger wäre nach meinem Wissen die Brücke über den Tiefwarensee), warum nicht auch mit öffentlicher Plakatierung (für die Wahl der Politiker werden doch auch unzählige Plakate aufgestellt/aufgehängt). Über Lärmschutzwände an der Umgehungsstraße lässt sich eher diskutieren als direkt in der Stadt (wie würde das aussehen und was würden die Anwohner und Urlauber dazu sagen ?).
    Ich wohne selbst nicht direkt an der B 192, aber ich habe tiefstes Verständnis für die Anwohner, z.B. in der Mozartstrasse. Ich sehe z.B. schon das Chaos im Transitverkehr im Zusammenhang mit dem Brückenneubau bis 2028 auf uns Warener zukommen !
    Ich kann nur hoffen, dass ich mich verständlich ausgedrückt habe und Kritik belebt ja auch eine Diskussion (hoffentlich gibt es die noch, fachlich/sachlich fundiert !!!).
    Mit freundlichen Grüßen
    Ein Warener Bürger