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Jahrhunderte er- und überlebt:  Ritterschlag für Ivenacker Eichen

7. August 2016

IV4Wenn Bäume reden könnten, müssten Besucher bei den Ivenacker Eichen damit rechnen, dass sie ganze Romane hören. Etwa 25 Kilometer nördlich von Waren stehen „die wirklichen Riesen unter den  Riesen-Eichen in Europa“, erklärt der niederländische Baumexperte Jeroen Pater. Die knorrigen fünf Uralt-Bäume haben zwischen 600 und 1000 Jahre erlebt, haben die Slawenzeit überstanden, waren schon recht kräftig als Kolumbus Amerika entdeckte, haben Martin Luthers Reformationsthesen im 16. Jahrhundert, den Durchzug Napoleons durch Mecklenburg und zwei Weltkriege überlebt.

„Ein eigentümliches Gefühl befällt einen, wenn man diesen grauen Bäumen gegenübersteht“, schildert Pater (Foto links) seine Gefühle, wenn er im Park unterwegs ist. Der Förster aus Deutschlands Nachbarland ist schon 1994 extra 1400 Kilometer an einem Tag gefahren, um sich die Uralt-Bäume selbst anzusehen. Inzwischen hat er ein Buch über Europas größte Bäume herausgegeben, ein zweites Buch ist in Arbeit.

IV3Jetzt war Pater extra an die Mecklenburgische Seenplatte gekommen, um bei einem ganz besonderen Anlass dabei zu sein. Der Wildpark mit den Ivenacker Eichen wurde zum ersten „Nationalen Naturmonument“ in Deutschland erklärt. „Vor solch uralten Baumriesen kann man nur Ehrfurcht haben“, erklärte Jochen Flasbarth, der als Staatssekretär des Bundesumweltministeriums nach Ivenack gekommen war. Mecklenburg-Vorpommern sei ein Land mit herausragendem Naturreichtum.

Der 70 Hektar große Park Ivenack, zu dem eine Damwildherde mit 140 Tieren und ein Gatter für die alte Rasse der Turopolje-Schweine gehört, wurde jahrhundertelang als Waldweide genutzt. Erst von den slawischen Wilzen, dann von Klosterhirten, später als Tiergehege des Rittergutes Ivenack. Dazu gehörte früher ein besonders geschätztes Gestüt für Mecklenburger Vollblutpferde, bekanntester Vertreter war der Hengst Herodot, den Napoleon geritten haben soll. Das Tier ist unweit des Parks nach seinem Tod auch begraben worden.

Uralt-Baum wächst sogar noch weiter

Durch die Waldweide, deshalb Hutewald, entstanden viele Riesen-Eichen. „Es gibt in Deutschland 22 Eichen, die mehr als neun Meter Stammumfang haben. Davon stehen nur fünf Eichen in Wäldern und davon sind drei solcher Bäume im Park Ivenack zu finden“, hat der Fachmann erforscht. Die knorrigen Riesenbäume wurden schon von Malern festgehalten und boten Stoff für zahlreiche Sagen.
„Sogar der russische Kommandant stellte die Ivenacker Eichen zum Kriegsende 1945 unter seinen persönlichen Schutz, damit sie nicht wegen der Kälte in den Wintern abgeholzt würden“, hat der Niederländer herausgefunden.

IV5Das größte Exemplar ist besonders beeindruckend: Der Baum hat 35 Meter Höhe, elf Meter Stammumfang und ist mit mehr etwa 180 Kubikmeter Volumen die mit Abstand stärkste Stieleiche in Europa. „Und dabei ist der Baum noch intakt, er wächst noch weiter“, freut sich Fachmann Pater. Die zweitgrößte Eiche Europas hat nach Angaben von Experten 100 Kubikmeter Volumen und steht in England.

Etwa 200 Nachwuchs-Eichen, die schon mehr als einen Meter Stammdurchmesser haben, hat Forstamtsleiter Ralf Hecker im Park ausgemacht. Sie sollen weiterentwickelt werden, so dass es auch in Jahrhunderten noch Riesen-Eichen als „Nationale Naturmonumente“ in Ivenack geben soll. Diese können dann auch von oben betrachtet werden: Mit  Hilfe von Jost Reinhold entsteht gerade ein Baumwipfelpfad.

Informationen: http://www.wald-mv.de/Forstaemter/Stavenhagen/Ivenacker-Eichen/

Der Tiergarten ist ganzjährig rund um die Uhr geöffnet. Eintritt vier Euro Erwachsene, zwei Euro Schüler (ab 12. Jahren), Gruppenführung nach Anmeldung unter: Tel.: 0173/2472166 ,  joerg.hellwig@lfoa-mv.de

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2 Antworten zu “Jahrhunderte er- und überlebt:  Ritterschlag für Ivenacker Eichen”

  1. Alex sagt:

    Bitte richtig recherchieren, die Ivenacker Eichen liegen ca. 40km südlich von Waren entfernt, nicht 25km. Bei 25km wären Sie erst in Kittendorf. 😉

    • Jens 66 sagt:

      Lieber Schlauberger, 40 km südlich von Waren liegt vielleicht auch irgendwo eine Eiche, aber die Ivenacker Eichen stehen tatsächlich nördlich und Luftline sind, wenn auch nicht auf den km genau, 27 km.

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