
Nachdem die Mecklenburger Backstuben GmbH Mitte November Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet hat, gibt es jetzt erste positive Nachrichten: Wie es aus dem Familienbetrieb auf Nachfrage von „Wir sind Müritzer“ heißt, befindet sich das Unternehmen in einer erfolgversprechenden gerichtlichen Sanierung und hat eine Vielzahl von Maßnahmen entwickelt, mit denen das Geschäft optimiert und wieder in die Gewinnzone zurückkehren soll. Dazu zählen beispielsweise Verbesserungen bei den Lieferanten und dem Wareneinsatz. Der Termin für die Verfahrenseröffnung ist auf den 1. März verschoben worden. Das soll dabei helfen, dass die eingeleiteten Maßnahmen ihre Wirkung besser entfalten können. Die Schutzglocke des vorläufigen Verfahrens bleibt so einen Monat länger über der Gesellschaft.
Ein Eigenverwaltungsverfahren ist eine spezielle Form des Insolvenzverfahrens, bei dem das schuldnerische Unternehmen unter der Aufsicht eines Sachwalters selbst fortgeführt und saniert wird. Ziel der Sanierung sei es, die Gesamtstrategie des Bäckereiunternehmens nachhaltig weiterzuentwickeln, um vor allem den stark gestiegenen Kosten in allen Bereichen sowie der Kaufzurückhaltung der Kunden zu begegnen.
„Wir befinden uns mit unserer gerichtlichen Neuaufstellung auf einem guten Weg und sind durch die bisherigen Erfolge und die uns vorliegenden Prognosen frohen Mutes, dass wir unser Unternehmen erfolgreich stabilisieren und fit für die Zukunft machen können“, so die Geschäftsführung.
Fünf Filialen geschlossen
Ursprünglich sollten die Mitarbeiter in den Monaten November, Dezember und Januar Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit erhalten. Da die Backstuben die Löhne und Gehälter für November 2025 aus laufenden Mitteln bezahlen konnten, ist das vorfinanzierte Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit in den Februar 2026 „rolliert“. Es läuft also aktuell noch. Durch die eingeleiteten Maßnahmenplan und die positiven Sanierungsaussichten konnte der Gläubigerausschuss davon überzeugt werden, dieser Verlängerung/Verlagerung zuzustimmen. Nach der Eröffnung des Verfahrens im März will das Unternehmen die Mitarbeiter wieder aus den laufenden Mitteln finanzieren.
Im Rahmen des Sanierungsverfahrens mussten bislang fünf Filialen geschlossen werden, das sie nicht mehr rentabel betrieben werden konnten. 52 Filialen gehören derzeit zu den Backstuben, den von Schließungen betroffenen Mitarbeitern wurden Jobs in anderen nahegelegenen Filialen angeboten. Der Familienbetrieb beschäftigt gegenwärtig 404 Frauen und Männer.
„Wir sind wirklich sehr froh, dass unsere Mitarbeiter so treu zu uns halten und natürlich auch unsere Kunden. Wir haben in den vergangenen Wochen enorm viel Zuspruch bekommen, das tat richtig gut“, so Geschäftsführerin Christina Kohn im Gespräch mit „Wir sind Müritzer“.
Das Mecklenburger Unternehmen ist familiengeführt und fest in der Region verankert. Es betreibt eigene Cafés und Geschäfte und beliefert Geschäftskunden in Mecklenburg-Vorpommern und im nördlichen Brandenburg, darunter externe Cafés, Lebensmitteleinzelhändler, aber auch Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.
Aufgrund der aktuellen Marktlage hatte das Unternehmen bereits im Dezember 2024 einen Restrukturierungsprozess eingeleitet. Auf der einen Seite steht der Betrieb – wie viele Unternehmen – seit Jahren unter erheblichem Kostendruck. Vor allem Personal-, Energie- und Einkaufskosten sind teils in einem Ausmaß gestiegen, das sich nicht ohne Weiteres an die Kunden und Partner weitergeben lässt. Auf der anderen Seite spürt der Betrieb, wie viele andere Handwerksbäcker, die allgemeine wirtschaftliche Zurückhaltung in Deutschland deutlich. Viele Verbraucher greifen zunehmend zu günstigeren Alternativen, etwa Tiefkühlprodukten oder preisaggressiver Discounterware. Auch das hinterlässt Spuren.
Die Mecklenburger Backstuben GmbH hat ihre Ursprünge im Jahr 1981 als Großbäckerei. Seit 2005 ist das Unternehmen vollständig familiengeführt.












Wenn man erst einmal das Vertrauen der jahrelangen Kundschaft wegen neumodischer Rezepturen und Missmanagement verloren hat, wird es nicht leicht diese Kundschaft zurück zu holen. Viel Glück bei der richtigen Umstrukturierung und bei der Kundenrückgewinnung.