Normalerweise sind Delegiertenversammlungen eher – sagen wir es mal ehrlich – langweilig. Die Tagesordnungspunkte obligatorisch, die Ergebnisse von Abstimmungen vorhersehbar. Doch die Delegiertenversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Mecklenburgische Seenplatte am kommenden Sonnabend, 21. März, dürfte diesem Klischee so gar nicht entsprechen. Denn seit Monaten schwelt ein Streit zwischen dem Wehrführer in Friedland, Stephan Drews, und der Stadt Friedland. Suspendierung und Hausverbot für Drews, dann gerichtlich aufgehoben, dann wieder ausgesprochen, und, und und. Die Personalie Drews schwappt jetzt auf den gesamten Landkreis Seenplatte über. Denn er ist auch Chef des Kreisfeuerwehrverbandes, und gegen ihn gibt es jetzt einen Abwahlantrag, über den am Sonnabend abgestimmt werden muss. Antragsteller ist kein Geringerer als der ehemalige und langjährige Kreisfeuerwehr-Chef Norbert Rieger.
Gegen Drews soll es massive Vorwürfe geben, die mit seinem Amt als Feuerwehrchef in Friedland und letztlich auch als Kreisverbandsvorsitzender nicht zusammenpassen würden. Über die konkreten Vorwürfe halten sich alle Beteiligten noch zurück.
Doch Norbert Rieger, inzwischen Ehrenmitglied des Kreisfeuerwehrverbandes, will Schaden von dem Verband und vor allem den vielen Ehrenamtlichen abwenden. Deshalb hat er für die obligatorische Sitzung am kommenden Sonnabend einen Abwahlantrag gestellt. Er spricht Drews die Eignung als Chef des Kreisverbandes ab.
„Auch wenn das Verwaltungsgericht die Suspendierung aufgehoben hat, eine Entscheidung in der Hauptsache steht noch aus. Es ergibt sich auch die Frage, ob das Gericht das Vertrauensverhältnis zwischen der Stadt Friedland und seinem Ehrenbeamten Drews reparieren kann“, so Rieger in seiner Begründung.
In Mecklenburg-Vorpommern sei die Doppelfunktion als Gemeindewehrführer und Verbandsvorsitzender/Kreiswehrführer nicht explizit untersagt. Es werde jedoch empfohlen, um sich der doch sehr umfangreichen Aufgaben als Verbandsvorsitzender/Kreiswehrführers mit ganzer Kraft und Aufmerksamkeit zu widmen, diese zu trennen. Beide Funktionen seien allein schon sehr umfangreich, anspruchsvoll und zeitaufwendig. Dazu komme, dass beide Aufgaben sehr unterschiedlich seien, eventuell in einer Person sogar zu Konflikten führen könnten. Die Doppelfunktion erzeuge auch ein gewisses „Geschmäckle“.
Und Rieger wird noch konkreter: „Als ich mein Amt damals aufgegeben habe und mich öffentlich gegen den Kameraden Drews als Kandidaten ausgesprochen habe bekam ich von höchster Stelle einen seltsamen Anruf und wurde im bedrohlichen Ton aufgefordert, das zu unterlassen.Es muss auch infrage gestellt werden, weshalb Kamerad Drews als persönlich geeignet bestätigt wurde, obwohl es in seiner Zeit in der Leitstelle zu einer Auseinandersetzung mit seinem Vorgesetzten kam. Was wiederum zu Kündigung und Stimmung in der Leitstelle führte. Warum er trotzdem – entgegen dem vorhandenen Widerstand – wieder eingestellt wurde bleibt offen.
Als Rieger noch Chef des Kreisfeuerwehrverbandes gewesen sei, habe Drews bereits dem Vorstand angehört, zufrieden sei man mit ihm aber nicht gewesen: “ Eine Klärung in kleiner Runde (Verbandsvorsitzender und Stellvertreter) hat er in seiner persönlichen Art und Weise verhindert. Er sprang auf, brüllte umher und rannte aus dem Raum. Erst nach geraumer Zeit kam er wieder hinzu und hat sich entschuldigt. Auch das ist für mich Beleg der persönlichen Nichteignung“, so Norbert Rieger in seinem Antrag.
Und weiter: „Auch wenn die einzelnen Vorkommnisse bzw. Feststellungen nicht gravierend sind, die Vielzahl und die Summe der Dinge macht es aus. Ich denke, dass Kamerad Drews nicht länger in dieser Funktion tragbar ist. Ich denke dabei insbesondere an die vielen engagierten, aufrichtigen und ehrlichen Kameradinnen und Kameraden in diesem wunderschönen und besonderen Ehrenamt, die diese Führung nicht verdient haben. Ihnen gilt mein Dank und meine Anerkennung. Sollte mein Antrag keinen Erfolg haben, erkläre ich meinen Austritt aus dem KFV MSE.“
Überaus bedenklich: In den vergangenen Wochen und Monaten haben drei Mitglieder des Vorstandes des Kreisfeuerwehrverbandes ihren Rücktritt erklärt.







