Das Team des Bärenwaldes Müritz musste Abschied von Ida nehmen. Die Braunbärin wurde im Alter von 31 Jahren von ihren gesundheitlichen Leiden erlöst. Ida lebte seit 2009 im Bärenschutzzentrum der internationalen Tierschutzstiftung VIER PFOTEN. Im Rahmen einer alljährlichen veterinärmedizinischen Routineversorgung durch die Tierärzte des Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung wurden dieses Jahr sechs der elf Bären untersucht – darunter auch Ida. Bei den individuellen Gesundheitschecks unter Vollnarkose wurden neben Röntgenaufnahmen vom Bewegungsapparat, Ultraschall der Organe auch Blut zur Diagnostik abgenommen. Bei der Untersuchung der Braunbärin Ida kristallisierte sich leider heraus, dass ein Weiterleben für Ida nur mit schweren und nicht behandelbaren Schmerzen verbunden gewesen wäre. Das wollten die Tierärzte der sehr alten Bärendame nicht zumuten.
„Die Untersuchungen ergaben, dass Ida unter fortgeschrittener Arthrose in mehreren Gelenken und degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule litt. Seit ihrer Rückkehr aus der Winterruhe fiel es ihr in diesem Jahr deutlich schwerer die gewohnte Mobilität zurückzuerlangen, so dass die Schmerztherapie angepasst wurde. Während der Umstellung der Schmerzmedikation zeigten sich zusätzlich Magen-Darm-Symptome, die die kontinuierliche Versorgung mit Schmerzmitteln erschwerte, wodurch der neue Therapieplan nur eingeschränkte Schmerzlinderung für Ida ermöglichte.
Die Röntgenbilder der Gesundheitsuntersuchung zeigten hochgradige Veränderungen an der Wirbelsäule. Angesichts des fortgeschrittenen Stadiums ihrer Erkrankung, der unzureichenden Reaktion auf die Schmerzmittel und der fehlenden weiteren Behandlungsmöglichkeiten wäre für Ida ein schmerzfreies Leben nicht mehr möglich gewesen. Deshalb haben wir in Abstimmung mit VIER PFOTEN die Entscheidung getroffen, sie gehen zu lassen, um ihr weiteres Leiden zu ersparen“, sagt Tierärztin Julia Bohner.
„Ida hat ein für Bären sehr hohes Alter erreicht – für uns ein Zeichen, dass sie hier im Bärenwald ein schönes und erfülltes Leben geführt hat. Obwohl wir ihre neugierige, liebevolle und oft auch sehr eigensinnige Art schmerzlich vermissen werden, wissen wir eines ganz genau: Durch unsere Entscheidung haben wir ihr sehr viel Leid erspart“, sagt Thomas Beer, Cheftierpfleger im Bärenwald.
Hintergrundinfos zu Ida
Die 1995 geborene Bärin stammte aus einer Zucht im Tierpark Stendal und wurde schon als Jungtier in den Tierpark Kalletal gebracht. Dort lebte sie viele Jahre lang in einem kleinen Gehege mit Scheiben aus Panzerglas. Als der Tierpark verkauft werden sollte, suchte der Besitzer nach einer neuen Bleibe für seine Bären und wurde auf die VIER PFOTEN Bärenschutzzentren aufmerksam. Nach kurzen Verhandlungen konnte Ida schließlich 2009 in an die Müritz überführt werden.
Seitdem hatte sie sich gut eingelebt und konnte häufig dabei beobachtet werden, wie sie gemütlich durch ihr Gehege streifte. Ida liebte es, zu baden und dabei Wasserpflanzen zu fressen. Am liebsten mochte sie allerdings Löwenzahn, bei dem sie keine Mühen scheute, die leckersten Blüten zu finden. Sie war eine neugierige, verspielte alte Bärendame, die selbstbewusst zeigte, was ihr gefiel und was sie nicht mochte.
Im Bärenwald wird an Ida erinnert: Sie bekommt einen eigenen Gedenkstein unter einer rund 200 Jahre alten Hainbuche im Park. In der Gedenkstätte wird an die Bären erinnert, die von VIER PFOTEN gerettet wurden und die ihr Leben im Schutzzentrum genießen konnten.
Derzeit leben im in Stuer zehn Braunbären, die von VIER PFOTEN aus katastrophalen Haltungsbedingungen gerettet wurden. Auf dem 16 Hektar großen Gelände in einem naturbelassenen Wald finden sie hier einen Lebensraum, der ihren natürlichen Bedürfnissen entspricht, können ihr natürliches Verhalten wiederentdecken und einfach Bär sein. Die Tiere können sich jederzeit zurückzuziehen und nach Belieben Parkbesucher und Artgenossen aus dem Weg gehen.






