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Bundeswehr steht in Nossentiner Hütte Rede und Antwort

29. Juni 2019

Volles Haus gestern Abend in Nossentiner Hütte: Die Bundeswehr stand bei einer Einwohnerversammlung fünf Tage nach den Abstürzen der Eurofighter Rede und Antwort. Und auch wenn es große Unsicherheiten im Dorf und der Umgebung gibt, verlief die Versammlung, die etwa eineinhalb Stunden lang dauerte, sehr ruhig und sachlich ab. Wie uns Anwohner im Nachhinein berichteten – die Medien waren während des Treffens nicht erwünscht – konnten die Vertreter der Bundeswehr den Einwohnern viele Sorgen und Ängste nehmen, mussten sich aber auch Kritik über zum Teil zu späte Informationen gefallen lassen. Das betrifft insbesondere die giftigen Stoffe, die bei den Bränden freigesetzt wurden und denen die Feuerwehrleute zum Teil ungeschützt ausgesetzt waren.
Mit einem lange geplanten Fußballturnier soll heute wieder etwas Normalität in Nossentiner Hütte einkehren – ein gut bewachtes Turnier, denn ringsherum passen Soldaten auf, dass niemand den Platz in Richtung Wald verlässt. Sollte ein Ball „nicht gehorchen“ und ins Sperrgebiet fallen, wird sich darum auch ein Soldat kümmern.
Unterdessen geht man einem Bericht von „Spiegel online“ zufolge bei der Luftwaffe offenbar davon aus, dass menschliches Versagen die Ursache für den Zusammenstoß der Flugzeuge war.

Die Eurofighter, so heißt es im Bericht, seien in einem technisch einwandfreiem Zustand gewesen. Möglich seien Missverständnisse in der Kommunikation zwischen den Piloten, die sich mit den Flugzeugen „gejagt“ haben oder aber, dass ein Pilot ein Flugzeug übersehen habe. Bis zu einem endgültigen Bericht zur Unfallursache werden aber noch viele Tage ins Land ziehen.

Bundeswehr sichert Kostenübernahme zu

Auf die Gemeinden rings um Malchow und Nossentiner Hütte sowie die Feuerwehr in Waren kommen durch den Großeinsatz beim Flugzeugabsturz Kosten von mehreren tausend Euro für neue Spezialmonturen zu. „Beim Brand solcher Kampfflugzeuge werden bestimmte Fasern freigesetzt, die gesundheitsschädigend sein können“, erläuterte ein Sprecher der Luftwaffe. Diese Fasern, die von dem Kunststoff stammen, aus dem die etwa elf Tonnen schweren Eurofighter auch bestehen, setzten sich auf den Monturen der Kameraden ab, so dass diese nicht mehr verwendet werden dürfen. Damit sind eine Reihe vom Kameraden derzeit nicht einsatzfähig. Vom Kreis heißt es, Nachbarwehren sollen so lange absichern. „Wir brauchen neue Schutzanzüge“, erläuterte Bürgermeisterin Birgit Kurth, aber Geld sei knapp.

Und die Dörfer wie Göhren-Lebbin, Silz, Nossentiner Hütte, Alt Schwerin und Fünfseen hoffen auch darauf, dass die Bundeswehr die Kosten trägt. Das sei inzwischen auch zugesichert worden, allerdings müssten die Kommunen in „Vorkasse“ gehen. Auch Malchow und Waren halfen bei dem ungewöhnlichen Großeinsatz, bei dem vier Feuerwehrkameraden verletzt wurden.

Grundsätzlich müssten Helfer und Löschkräfte eigentlich entweder große Sicherheitsabstände zu brennenden Wracks halten oder in Vollschutzkleidung dorthin gehen. Das war aber in der Eile am Montag anscheinend nicht praktisch umsetzbar. „Das eine ist das Szenario, das man übt, aber die Realität ist oft anders“, sagte der Kreisbrandmeister Norbert Rieger. So standen die Feuerwehrleute bei Nossentiner Hütte zwar in 35 bis 40 Metern Abstand zum brennenden Wrack, was ausreichend sein soll, wie Rieger einschätzte. Das sei aber im Wald bei Nossentin nicht möglich gewesen.

Schwere Technik zur Bergung eingetroffen

Dazu komme, dass die abgelösten Kameraden in Pausen ihre gesundheitsschädliche Fasern an der Kleidung beim Sammelpunkt wieder an andere Feuerwehrleute „abgaben“. So könnte sich dien Gesamtsumme schnell auf 30 000 bis 50 000 Euro belaufen, schätzen die Verantwortlichen bisher. Auch die Fahrzeuge müssen dekontaminiert werden.

Unterdessen laufen die Bergungs- und Sucharbeiten der Bundeswehr weitgehend planmäßig. In Nossentiner Hütte ist bereits die erste „schwere Technik“ eingetroffen, damit große und schwere Wrackteile nach der Freigabe schnell weggeschafft werden können. Suchtrupps durchkämmen aber nach wie vor die Getreidefelder, Wälder, aber auch Grundstücke und Wiesen.


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