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Erst hilfsbereit, dann Räuber: Prozess um Handtaschenraub-Fälle

19. Juli 2020

Wie muss man einen Mann bestrafen, der Rentnerinnen erst seine Hilfe anbietet und ihnen dann unvermittelt die Handtaschen raubt? Vor dieser Frage steht das Amtsgericht Neubrandenburg. Anlass ist der Fall eines 30-jährigen Neubrandenburgers, der anscheinend dringend Geld brauchte und dafür aber wohl eher nicht arbeiten gehen wollte. Der Prozess gegen ihn beginnt am Montag.

Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, im Frühjahr 2016 mindestens dreimal ältere Frauen in der Kreisstadt auf diese Weise beraubt zu haben. Das soll er aber bestreiten, hieß es von der Justiz.  In einem Fall hatte sich der Täter Anfang Mai als Helfer in einem Hochhaus in der Südstadt ausgegeben. Ein Autofahrer hatte eine damals 79 Jahre alte Frau vor dem Haus abgesetzt, wo diese mit ihren Einkaufstaschen nach oben gehen wollte. In der zweiten Etage begegneten sich Täter und Opfer. Kurz nach der angeblichen Hilfsbreitschaft habe der Räuber der Frau ihre Handtasche entrissen, die diese aber festhielt.

Die Seniorin wurde mehrere Treppenstufen heruntergezogen und stürzte. Dabei verletzte sie sich schwer und musste operiert werden. Die inzwischen vier Jahre ältere Frau tritt im Prozess als Nebenklägerin auf.

Die Polizei kam dem Beschuldigten durch Zufall auf die Spur. Ein Passant fand eine weggeworfene Handtasche von einem der Opfer. An dieser Tasche fanden die Ermittler eine DNA-Spur des 30-Jährigen. Diese Spur hatte die Polizei bereits, weil der Beschuldigte schon davor mehrfach mit der Polizei und dem Gesetz in Konflikt geraten war

Dem Mann droht nun eine mehrjährige Haftstrafe. Mit einem Urteil wird noch nicht zu Prozesbeginn, sondern erst am 23. Juli gerechnet, wenn die Verhandlung fortgesetzt werden soll.


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